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Wochenende verspricht letztes Sommer-Hoch vor kühlem Herbst

Die Bäume tragen schon Herbstlaub - von den Temperaturen her, ist aber noch immer Sommer (Symbolbild).
Die Bäume tragen schon Herbstlaub – von den Temperaturen her, ist aber noch immer Sommer (Symbolbild).
Julian Stratenschulte

Die Touristiker in MV reiben sich aufgrund des anhaltend guten Wetters die Hände und hoffen auf viele Herbst-Urlauber. Nach diesem Wochenende mit Temperaturen bis zu 28 Grad dürfte sich der Sommer aber endgültig verabschieden.

Das Wetter setzt nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes noch einmal zu einem spätsommerlichen „Finale Furioso” an, bevor der Herbst ab dem kommenden Montag wohl endgültig kühlere Zeiten einleitet.

Alle in Deutschland können sich zuvor aber auf ein Bilderbuchwochenende freuen. Im Westen und Südwesten sind sogar noch einmal 28 Grad möglich, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Laut Stefan Kreibohm vom Wetterstudio auf der Insel Hiddensee rechnen Meteorologen am Samstag mit Temperaturen von verbreitet bis zu 26 Grad.

Sommer, der niemals endet?

Meteorologen sprechen ab 25 Grad von einem Sommertag. Gefühlt dauert der Sommer 2018, der eigentlich längst vorbei ist, also immer noch an. Schon am Freitag heize es sich nach Nebelauflösung auf 20 bis 28 Grad am Oberrhein auf, am Samstag seien ähnliche Werte zu erwarten.

Das sei für Mitte Oktober „außergewöhnlich warm”, sagte DWD-Meteorologe Adrian Leyser. Die Bilanz der Sommertage 2018 ist in den meisten Städten Deutschlands ohnehin schon beeindruckend. So brachte es etwa Frankfurt am Main bis zum Donnerstag auf 104 Sommertage. Damit wurde der „Jahrhundert-Sommer 2003” mit 96 Sommertagen als bisherigen Rekordhalter schon jetzt deutlich in den Schatten gestellt.


(Grafik: DWD. Zum Vergrößern bitte anklicken.)

Ab Sonntag wird's ungemütlicher

Von Sonntag an zögen von Westen Wolken und merklich kühlere Luft heran, herbstliches Schmuddelwetter sei aber weiter nicht in Sicht. Es regne zwar etwas, bleibe aber ansonsten trocken.

Für Montag rechnet der DWD noch mit Höchstwerten von 15 Grad im Westen und 23 Grad an der Oder. In den folgenden Tagen gingen die Temperaturen allmählich weiter zurückgehen, erklärte der Wetterdienst.

Touristiker rechnen mit gutem Geschäft

Nach dem auch für die Tourismuswirtschaft außerordentlich guten Sommer, folgt ein voraussichtlich ebenfalls sehr guter Oktober. Die Hotels und Pensionen rechnen mit einem Plus an Herbstgästen. Und die Ferien in zwei wichtigen Herkunftsregionen beginnen erst.

„Wir rechnen damit, dass wir ein Plus verzeichnen”, sagte der Geschäftsführer des Tourismusverbandes, Bernd Fischer. 2,5 Millionen Übernachtungen seien für den Monat bereits gebucht. Die meisten davon an den Küsten, gefolgt von der Seenplatte, sagte Fischer.

Herbsturlaub in MV

Das anhaltend gute Wetter erhöht auch die Chancen, dass sich Reisewillige noch kurzfristig für einen Herbsturlaub in Mecklenburg-Vorpommern entscheiden, sagte Fischer. Zimmer seien jedenfalls noch verfügbar. Am Montag beginnen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen die Herbstferien.

Über das ganze Jahr gerechnet kommen bis zu 18 Prozent der Urlauber in MV aus NRW, das damit Marktführer sei, sagte Fischer. Es könne noch mit einigen Kurzentschlossenen gerechnet werden, auch wenn im Herbst vor allem Bewohner der Anrainer des Nordostens zu Besuch kämen.

Ferien in Berlin und Brandenburg

Während die Ferien in Niedersachsen und Hamburg an diesem Wochenende enden, dauern sie in Schleswig-Holstein noch eine Woche länger. Anschließend beginnen sie in Berlin und Brandenburg. Dort startete der Tourismusverband Anfang September eine Werbekampagne unter dem Motto „Das Schönste am Herbst”, um mehr Urlauber für einen Herbstaufenthalt zu begeistern.

Doch wer von ihnen von einem romantischen Spaziergang am Strand mit anschließender Pause im Strandkorb träumt, braucht Glück: Denn trotz des sommerlich anmutenden Wetters sind etwa an den Stränden von Usedom und Rügen nur noch wenige Strandkörbe zu finden.

Viele Strandkorbvermieter wie der Zinnowitzer Mayk Borchardt von der Insel Usedom haben die Körbe wegen der Herbststürme schon in die Winterquartiere gebracht. „Wir bedauern das natürlich für die Urlauber”, sagte Borchardt. Aber das Risiko, dass ein Sturm Schäden anrichtet, sei zu dieser Jahreszeit einfach zu groß.

Strandkörbe in Binz

Mit etwas Glück finden Sonnenanbeter allerdings noch ein bequemes sonniges Plätzchen am Strand. Einige Vermieter wie in Binz (Insel Rügen) haben noch „Restkörbe” am Strand stehen, wie eine Sprecherin der Kurverwaltung sagte. Generell müssen aber auch diese bis Ende Oktober aus Küstenschutzgründen vom Strand geräumt sein.

In Warnemünde stehen nach Einschätzung des Strandkorbvermieters Matthias Treichel von den 2000 Körben im Sommer noch etwa 400 am Strand. „Die Gäste nutzen das tolle Wetter in vollen Zügen”, sagte er. Da im Bereich des Warnemünder Teepotts der Strand sehr breit ist, dürfen Strandkörbe dort bis 15. November draußen stehen.

Einen so sommerlichen Oktober habe er in seiner 20-jährigen Zeit als Vermieter noch nie erlebt. Allerdings werde es abends schon merklich kühler. „Es ist schon putzig: Mittags trinken die Gäste einen Cocktail, abends dann einen Glühwein.”