Ausweitung der Jagd
Wohin mit all dem Wildschwein-Fleisch?

Momentan wird pro Kilogramm Schwarzwild etwa 80 Cent gezahlt.
Momentan wird pro Kilogramm Schwarzwild etwa 80 Cent gezahlt.
Holger Hollemann

Unter Schweinehaltern ist die Angst groß, Wildschweine könnten die Afrikanische Schweinepest aus Osteuropa nach Deutschland bringen. Die Jäger sind aufgerufen, mehr Schwarzwild zu jagen.

Nach dem Aufruf zur massiven Jagd auf Wildschweine hat sich die Geschäftsführerin des Landesjagdverbandes, Kati Ebel, optimistisch geäußert, die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Agrarminister Till Backhaus (SPD) hatte jüngst im Landtag an die Jäger appelliert, die Wildschweinstrecke im laufenden Jagdjahr auf 75.000 bis 80.000 Tiere zu erhöhen. Im vergangenen Jahr waren 60.700 Wildschweine erlegt worden.

Jäger können das Fleisch teilweise nur privat vermarkten

Ebel sagte, die Zahlen seien realistisch. "2010 wurden schon einmal 76.000 Schweine erlegt." Ein Problem sieht sie aber in der Verwertung des Wildbrets: "Die Preise für Schwarzwild sind im Keller." Pro Kilogramm würden etwa 80 Cent gezahlt. Es könne auch weniger sein, wenn ein Schuss nicht optimal saß. In Hoch-Zeiten seien es ab 1,50 Euro aufwärts gewesen. Derzeit sei zu viel Wildschweinfleisch auf dem Markt. Immerhin bekämen die Jäger das Wildbret noch abgenommen, sagte Ebel. Kostendeckend sei das für den Jäger nicht.

Wenn Großhändler die Tiere nicht kaufen, könnten Jäger das Fleisch nur privat vermarkten. So weit, dass Wildschweine über die Tierkörperverwertung entsorgt werden müssen, dürfe es nicht kommen. Es wäre eine Schande, Lebensmittel zu verwerfen, sagte Ebel.

Afrikanische Schweinepest ist für die Tiere tödlich

Grund für die Forderung nach intensiverer Bejagung ist die Bedrohung von Wild- und Hausschweinen durch die Afrikanische Schweinepest. Die Seuche ist für Menschen ungefährlich, für Schweine aber tödlich. Es wird befürchtet, dass Wildschweine aus Polen und Tschechien die Krankheit nach Deutschland einschleppen.  

Die Jäger seien motiviert zur Schwarzwildjagd, sagte Ebel. "Wir sehen uns in der Verantwortung, Wildseuchen zu verhindern." Viele Jäger seien auch Bauern und hätten ein doppeltes Interesse daran, das Schwarzwild zu reduzieren. Es richte auf Äckern und Grünland viele Schäden an.

Im Landwirtschaftsministerium wurde nach Angaben einer Sprecherin eine Expertengruppe gegründet, die einen Maßnahmeplan zur Reduzierung der Schwarzwildbestände erarbeitet. Agrarminister Backhaus stellt ein Sofortprogramm in Aussicht, das auch die Vermarktung einschließt.

Kommentare (9)

Was wollt ihr dennnoch essen? Wildschweingulasch mit Klößen in sämiger rotweinsoße ist ein Genuß den man sich mindestens 1x in der Woche gönnen sollte. Schmeckt viel besser als manches exotisches Gericht oder geschmackloses Fastfood von Mc doof und Co.

... und es schmeckt besser als jedes Gulasch aus Schweinefleisch aus der Massentierproduktion.

dann muss das Fleisch aber auch erschwinglich sein. was bringt es mir wenn Wildfleisch zu exotischen preisen verkauft wird? solange der preis nicht an normalen Schweinefleisch angepasst wird solange werden auch die leute dieses nicht kaufen. ganz einfach weil sie es sich nicht leisten können

Wenn das Wildschweinfleisch erstmal die Märkte überschwemmt, fallen die Preise schon von allein.

auch die Vermarktung ankurbeln. Habe bis jetzt noch nichts mitbekommen. Im uebrigen stimme ich Obi Hoernchen voll zu !

Wie kommt man dann von angeblich 80 Cent pro Kilo eigentlich auf Endverbraucherpreise von über 20 Euro? Kosten für Futter und Unterbringung dürften wohl auch eher überschaubar ausfallen. (https://www.amazon.de/Wildschweingulasch-aus-Blatt-Gewicht-00kg/dp/B00EQDDEDM/ref=sr_1_8?s=grocery&srs=3476440031&ie=UTF8&qid=1508757732&sr=1-8)

Teures Hobby die Jagd , mehrere Gewehre, Fangschusspistolen, Munition, Status SUV, Wildschaden Prämie, Pacht etc. Da versucht man die meisten Kosten über den Wildfleischverkauf wieder reinzuholen. Ist doch logisch.

Fleisch aus Massentierhaltung ist eins der billigste Lebensmittel, die wir zur Zeit haben. Die Qualität ist entsprechend mies, was einigen aber nicht bewusst ist, weil sie den Unterschied nicht kennen. Und Qualität hat eben einen Preis, wobei das nicht heißen soll, dass alles, was teuer ist, auch gut ist. Ein gesellschaftliches Umdenken wäre durchaus angebracht, aber in der Realität leider illusorisch, spätestens die Antworten auf diesen Post werden das zeigen. ;-)

Wann wird endlich verstanden das man die Wildschweinplage mit Weidmänischen Jagdmetoden nicht in den Griff bekommen kann. Durch Gatterfangmetoden wie sie auch in anderen Ländern schon angewendet z.B bei Rentieren und Rotwild oder zum selektieren und impfen von Rindern und Schafen, mit mobilen Schlachtstationen kann man die Situation gut Tiergerecht und schneller Kontrollieren.