NATUR

Wolf erschießen bleibt vorerst das allerletzte Mittel

Wenn Wölfe Weidetiere reißen oder sich Menschen nähern, wollen Betroffene mitunter den Abschuss. Genehmigt wurde das in MV erst ein einziges Mal. Manche schießen trotzdem.
Wölfe sind in MV weiter streng geschützt. Trotzdem werden sie bisweilen erschossen.
Wölfe sind in MV weiter streng geschützt. Trotzdem werden sie bisweilen erschossen. Soeren Stache
Schwerin ·

Sollen Wölfe im Nordosten abgeschossen werden oder nicht? Mit jeder neuen Wolfssichtung und jedem neuen Angriff auf Weidetiere wird diese Frage erneut diskutiert. Nachdem jetzt in der Feldberger Seenlandschaft eine Abschussgenehmigung für einen Wolf beantragt wurde, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus (SPD) auf Nordkurier-Nachfrage den aktuellen Stand im Wolfsland MV.

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Wann wird eine Entscheidung über den künftigen Umgang mit Wölfen getroffen? Soll auch weiterhin gewartet werden, bis ein Wolf Tiere tötet? Oder soll die Anzahl der Wölfe in Mecklenburg-Vorpommern vorsorglich reduziert werden? „Minister Backhaus unterstützt perspektivisch die Forderung nach einem aktiven Wolfsmanagement einschließlich einer Bestandsregulierung. Dafür müssen jedoch zunächst die tatsächlichen Voraussetzungen, insbesondere der günstige Erhaltungszustand der Art Wolf, gegeben sein und die rechtlichen Voraussetzungen insoweit angepasst werden”, ließ der Politiker seinen Sprecher Claus Tantzen ausrichten.

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Bis es soweit ist, dürfe ein Wolf unter anderem dann „entnommen” werden, wenn er nachweislich mehrfach Nutztiere gerissen hat und ein Herdenschutzhund die Tiere nicht verteidigen konnte. Mischlinge zwischen Wolf und Hund, sogenannte Hybriden, dürfen ebenfalls erlegt werden, „da Hybride eine Gefahr für die Erhaltung der Art Wolf darstellen”. Wölfe, die sich Menschen mehrfach auf weniger als 30 Meter nähern oder grundlos aggressiv auf Menschen reagieren, dürften gleichermaßen zur Strecke gebracht werden. Alles bedürfe behördlicher Genehmigung und werde nur dann erlaubt, wenn sich trotz aller Bemühungen keine Alternative findet.

27 tote Wölfe gefunden

Dafür hat nicht jeder Verständnis. Manch einer schafft Tatsachen, indem er ohne amtlichen Segen zur Waffe greift. Seit 2016 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 27 tote Wölfe gefunden und im Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin untersucht. Bei dreien aus den Jahren 2016, 2019 und 2020 gibt es den dringenden Verdacht auf illegale Tötung, teilte Claus Tantzen mit.

Genehmigt worden sei der Abschuss in MV bislang ein einziges Mal: im Jahr 2020, als der Verdacht bestand, eine Wölfin habe sich mit einem Hund gepaart. Acht andere Anträge, die seit 2017 gestellt wurden, seien abgelehnt, zurückgezogen oder noch nicht entschieden worden. Noch nicht entschieden wurde auch über den jüngsten Antrag aus der Feldberger Seenlandschaft.

In Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit 14 Rudel bekannt, dazu ein einzelnes Wolfspaar und fünf standorttreue Einzelwölfe in MV. Da ständig Wölfe zu- oder abwandern, sterben oder Junge bekommen, ist die genaue Anzahl der Wölfe im Land nicht ermittelbar, heißt es aus dem Ministerium.

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In der Feldberger Seenlandschaft war unlängst der Abschuss eines Wolfs beantragt worden, weil dieser sich zwischen Hullerbusch und Wittenhagen einem Mädchen genähert haben soll. Aus den Dörfern rings um Feldberg werden seit einigen Monaten vermehrt Wolfssichtungen gemeldet. Einer soll im Sommer ein Stück Damwild unmittelbar neben einem bewohnten Haus am Ortsrand von Rosenhof gerissen haben.

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