Vorfall in Nordwestmecklenburg

Wolf näherte sich zwei Frauen - kein Abschuss

Nachdem sich ein Wolf in einem Wald bei Herrnburg zwei Frauen bis auf fünf Metern genähert und sie umkreist haben soll, wollte der Umweltminister einen Abschuss des Tieres „intensiv prüfen lassen”.
Christine Gerhard Christine Gerhard
Ein wilder Wolf kam in Nordwestmecklenburg zwei Frauen so nahe wie sonst nur seine Verwandten im Tierpark (hier der Wildpark Schorfheide). Ein Abschuss des Tieres wurde geprüft.
Ein wilder Wolf kam in Nordwestmecklenburg zwei Frauen so nahe wie sonst nur seine Verwandten im Tierpark (hier der Wildpark Schorfheide). Ein Abschuss des Tieres wurde geprüft. Patrick Pleul
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Herrnburg.

Dass es tatsächlich ein Wolf war, der die Frauen durch sein Verhalten bei Herrnburg (Nordwestmecklenburg) verängstigt hatte, ist für die zuständigen Fachleute so gut wie sicher.

Auf der Grundlage von Fotos gehen das Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (LUNG) und das Wolfsmonitoring davon aus, dass es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handelt.

Das bestätigte das Landesministerium für Landwirtschaft und Umwelt dem Nordkurier. Die Indizien deuteten weiter auf einen Wanderwolf hin, der die Gegend lediglich durchquerte. Auf der Suche nach Revieren und Geschlechtspartnern legen Wölfe an einem Tag Strecken von 40 bis 75 Kilometer zurück, auch Wanderungen über 1.500 Kilometer etwa von der Lausitz bis nach Weißrussland sind nachgewiesen.

Abschuss abgelehnt

Ein Abschuss des Tieres, das derzeit wohl schon die Wälder nahe Lübeck durchstreift, wurde von den Fachbehörden nicht für nötig befunden. Aggressives Verhalten sei nicht beobachtet worden, das – zum Teil spielerische – Interesse habe offenbar nicht den Frauen, sondern deren Hunden gegolten, so ein Sprecher des Umweltministeriums.

Nach Ansicht der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) ist ein solches Verhalten nicht untypisch: Insbesondere bei Anwesenheit eines Hundes blieben Wölfe, statt sich zurückzuziehen, auch mal länger stehen, um die Szene zu beobachten, manchmal näherten sie sich den Menschen dabei sogar.

Wolf bleibt unter Beobachtung

„Der Vorfall bedarf zwar erhöhter Aufmerksamkeit, wird jedoch noch nicht als kritisch eingeschätzt”, heißt es aus dem Umweltministerium. Lokale Wolfsbetreuer wirkten dafür länderübergreifend zusammen, um bei Bedarf weitere Schritte einleiten zu können.

Falls sich eine Begegnung wie die bei Herrnburg wiederholt, müssten LUNG, das Ministerium und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises gemeinsam prüfen, ob und welche Maßnahmen zu einer Vertreibung möglich seien und ob sogar ein Abschuss angeordnet werden müsse.

Richtiges Verhalten bei Begegnung mit Wolf

Bei einer Begegnung mit einem Wolf rät das Wolfsmonitoring in Mecklenburg-Vorpommern zur Ruhe. Erwachsene Wölfe musterten Menschen oft eine Zeit, zögen sich dann aber, wie auch bei Herrnburg geschehen, zurück.

Sollte dies nicht der Fall sein, wird empfohlen, durch Rufe und Bewegungen auf sich aufmerksam machen. Wolfswelpen könnten Menschen aus Neugier nahekommen, ohne dass dabei jedoch Gefahr bestehe.

In jedem Fall sollte die Sichtung dem Wolfsmonitoring gemeldet werden. Freilebende Wölfe seien in Deutschland nach wie vor ein seltener Anblick, heißt es vom Wolfsmonitoring, daher gelte: „Genießen Sie den Anblick!”

 
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