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Zahl der Sprengstoffdelikte explodiert

Die Zahl der Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz ist von 90 Fällen 2012 auf 167 Straftaten im vergangenen Jahr gestiegen.
Die Zahl der Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz ist von 90 Fällen 2012 auf 167 Straftaten im vergangenen Jahr gestiegen.
Jens Büttner

Es ist eine Statistik, die aufhorchen lässt: Die Zahl der Sprengstoffdelikte in Mecklenburg-Vorpommern ist binnen zehn Jahren um sagenhafte 1800 Prozent gestiegen. Woran liegt das?

Die Zahl der Straftaten gegen das Sprengstoffgesetz ist in den vergangenen zehn Jahren in Mecklenburg-Vorpommern geradezu explodiert: Die Sicherheitsbehörden registrierten nahezu eine Verzwanzigfachung der Fälle. Zählten die Ermittler im Jahr 2006 neun Fälle, waren es 2012 schon 90 und im vergangenen Jahr dann 167 Straftaten. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Landtag hervor.

Eben erst hatte die spektakuläre Festnahme eines terrorverdächtigen Syrers in Schwerin Schlagzeilen gemacht. Dem 19-Jährigen wird die Vorbereitung eines Bombenanschlags vorgeworfen. Spätestens im Juli soll er den Entschluss gefasst haben, inmitten einer größeren Menschenansammlung einen Sprengsatz zu zünden und dadurch eine möglichst große Zahl von Personen zu töten oder zu verletzen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Ermittler Komponenten für einen hochexplosiven Sprengsatz, die er im Internet bestellt haben soll.

Gefährdung durch Islamisten beileibe nicht die einzige Bedrohung

Der Fall zeige, dass das Internet zum Tummelplatz von Sprengstoffanbietern werde, sagte Linken-Abgeordneter Peter Ritter. Seine Forderung: „Diesen Verflechtungen zwischen allgemeiner und Cyber-Kriminalität müssen die Ermittlungsbehörden besondere Aufmerksamkeit widmen.“ Die Gefährdung durch Islamisten sei aber beileibe nicht die einzige Bedrohung.

Das belege ein Fall aus Güstrow, bei dem ebenfalls ein Verfahren wegen „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ eingeleitet worden war. Den Tatverdächtigen stufte das Innenministerium in seiner Antwort als „allgemeinkriminell“ ein und ordnete ihn dem rechtsextremistischen Spektrum zu. Der Mann soll ebenfalls Komponenten für Sprengstoff im Netz bestellt haben.

„Dass dieser Verdacht eines Gewaltverbrechens offenbar begründet war, zeigen die weiteren Funde – eine Pistole, zwei Schlagringe und ein verbotener Elektroschocker“, sagte Ritter. Da die vermuteten 60 Kilogramm Pyrotechnik nicht gefunden worden seien, müsse davon ausgegangen werden, dass die darin enthaltenen 12,5 Kilogramm Nettosprengstoffgehalt noch kursieren.

Innenministerium: Täter setzen öfter Pyrotechnik ein

„Hier muss weiterhin von Gefahr für Leib und Leben ausgegangen werden, vor allem wenn die mutmaßlichen Vorbesitzer über Begriffe wie Bombe, Rohrbombe und Zündschnur im Internet recherchierten“, sagte Ritter. Es sei bedenklich, dass die Ermittlung ohne Ergebnis eingestellt worden sei.

Das Innenministerium erklärte den exorbitanten Anstieg ebenfalls mit mehr Fällen, bei denen die Täter Pyrotechnik eingesetzt hatten. Ministeriumssprecher Michael Teich: „Wir haben eine deutliche Zunahme bei aufgesprengten Zigaretten- und Parkautomaten, dem Missbrauch von Pyrotechnik bei Demos und Fußballspielen sowie bei der Einfuhr von illegalen Böllern.“