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Ostsee-Küste

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Zahl der toten Robben und Wale erreicht neuen Rekord

Im langjährigen Vergleich ist der Anstieg bei den Kegelrobben besonders deutlich: Waren es 2012 bis 2016 im jährlichen Durchschnitt noch 19 Tiere, wurden im vergangenen Jahr bereits 43 verendete Kegelrobben gefunden.
Im langjährigen Vergleich ist der Anstieg bei den Kegelrobben besonders deutlich: Waren es 2012 bis 2016 im jährlichen Durchschnitt noch 19 Tiere, wurden im vergangenen Jahr bereits 43 verendete Kegelrobben gefunden.
Stefan Sauer

In diesem Jahr sind in MV schon mehr als 140 tote Robben und Schweinswale gefunden worden. Die Todesursachen sind noch unklar.

Die Zahl der toten Robben und Wale an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns hat schon jetzt den Rekord des vergangenen Jahres weit übertroffen: Waren es 2017 noch 110 Totfunde sind es nun schon 140. Das sagte am Mittwoch Meeresbiologin Linda Westphal vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund dem Nordkurier. Die Totfunde aus dem vergangenen Jahr hatten für überregionale Schlagzeilen gesorgt. In polnischen Medien war sogar von Sadisten die Rede, die die Tiere bestialisch verstümmelt haben könnten.

Im Juli hatte die Stralsunder Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen einen Fischer eingestellt, der verdächtigt wurde, für den Tod von 23 Kegelrobben im Greifswalder Bodden verantwortlich zu sein. So solle er Fischreusen absichtlich so gestellt haben, dass sich Robben darin verfangen und ertrinken können. Die Kadaver der streng geschützten Robben waren zwischen September und Dezember an der Südküste Rügens angespült worden.

Allerdings konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Robben in den Reusen starben. Gegen den Fischer war wegen des möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz ermittelt worden. Die Fischereibranche moniert seit Jahren wachsende Robbenbestände. Fischer beklagten bei ihren Heringsfängen im Frühjahr Verluste von 20 Prozent und mehr, weil ein Teil ihres Fangs in den Stellnetzen angefressen war.

60 Kegelrobben und Schweinswale bestätigt

„Da viele der diesjährigen Totfunde noch nicht seziert sind und viele Tiere in Plastiktüten verpackt dem Museum übergeben werden, sind die Todesursache sowie die Art noch nicht bestimmt“, sagte Linda Westphal. „Bestätigt sind jedoch bisher mehr als 60 Kegelrobben und Schweinswale“, so die Meeresbiologin.

Zu den Robben zählen auch Seehunde. Im langjährigen Vergleich sei der Anstieg bei den Kegelrobben besonders deutlich: Waren es 2012 bis 2016 im jährlichen Durchschnitt noch 19 Tiere, wurden im vergangenen Jahr bereits 43 verendete Kegelrobben gefunden. Gelegentlich würden auch seltene Gäste tot an die hiesigen Küsten gespült – dieses Jahr bereits ein Buckelwal vor Graal-Müritz und ein Delfin auf Usedom.

Gefahr durch Beifang in Fischernetzen

„Größte Gefahr für die Meeressäugetiere in der Ostsee ist der Beifang in Fischernetzen. Besonders die häufig verwendeten Stellnetze sowie geschlossenen Reusensysteme ohne Sperrgitter am Einlass können für Wale und Robben gefährlich werden“, sagte Westphal. Leider würden nur wenige Fischer die Beifänge melden und abgeben, obwohl diese jedoch wissenschaftlich von hohem Interesse seien. Darüber hinaus setzten den Walen und Robben der Lärm, Überfischung und die Meeresverschmutzung zu.

Im vergangenen Winter und Frühjahr war die Population der Kegelrobben in den vorpommerschen Küstengewässern zeitweise von zuvor 100 auf rund 300 Tiere angewachsen, weil sie den Heringsschwärmen folgten. Ein Robbenbaby, das erste seit etwa 100 Jahren, wurde an den Stränden Vorpommerns geboren. Im MV-Umweltministerium wird gegenwärtig gemeinsam mit den Naturschutzverbänden und Fischern an einem Robbenmanagementplan gearbeitet.