Elektrounterstützung gibt es inzwischen für Fahrräder in allen Varianten, so natürlich auch für Mount
Elektrounterstützung gibt es inzwischen für Fahrräder in allen Varianten, so natürlich auch für Mountainbikes. Tobias Hase
Fahrrad

Zahl der Unfälle mit E-Bikes steigt in MV stetig an

Fahrräder mit Elektromotor liegen im Trend und das zeigt sich auch in der Unfallstatistik. Die Zahl der verunglückten Radfahrer ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Ein neuer Leichtsinn?
Neubrandenburg

Fahrer von Fahrrädern mit Elektroantrieb sind immer häufiger an Unfällen in der Seenplatte und in Vorpommern beteiligt. Das ergab eine Auswertung des Polizeipräsidiums Neubrandenburg auf Anfrage des Nordkurier. So hat es von 2016 bis 2020 jedes Jahr rund 1500 verunglückte Radfahrer gegeben, diese Zahl blieb konstant. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der verunglückten Pedelecfahrer stetig und erreichte im vergangenen Jahr den bisherigen Höchstwert.

2016 waren es 47 Verunglückte Pedelec-Fahrer, 2020 schon 173. „Somit kann davon ausgegangen werden, dass der Anteil der Pedelecnutzer auch stetig steigt”, so eine Sprecherin des Präsidiums, das für die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen zuständig ist.

In diesem Jahr (Januar bis Mai) gab es bereits 18 Unfälle mit Pedelec-Beteiligung, wobei sich 15 Menschen verletzt haben, davon sechs schwer. Im Vorjahreszeitraum waren es 15 Unfälle, die Verunglücktenzahl lag ebenfalls bei 15. Die Ursachen gestalten sich laut Polizei als verschiedenartig. „Neben Geschwindigkeit, Fehler beim Einordnen in den fließenden Verkehr oder die verbotswidrige Benutzung andere Straßenteile (Gehwegen) spielt auch Alkohol eine nicht unbeachtliche Mitursache”, so die Sprecherin.

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Weil die Akkus immer leistungsfähiger geworden sind und die Hersteller zahlreiche Modelle auf den Markt gebracht haben, sind Fahrräder mit Elektroantrieb in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Das zeigt sich auch bei den Verleihern, wo Urlauber gerne zugreifen. Egal ob Usedom, Darß oder im Müritz-Nationalpark: Überall flitzen unbeschwerte Fahrer mit eingebautem Rückenwind durch die Gegend – das kann schon für kleine Schreckmomente bei anderen Verkehrsteilnehmern sorgen. Doch steigt damit auch der Leichtsinn? Das lässt sich an den Zahlen schlecht ablesen. Auffällig ist, dass die Zahl der Unfälle mit normalen Fahrrädern leicht rückläufig ist: So hat es von Januar bis Mai 2020 241 Fahrradunfälle in der Region gegeben, wobei ein Mensch gestorben ist und 171 verletzt worden sind. Im gleichen Zeitraum dieses Jahres ist die Zahl der Unfälle auf 201 gesunken – ein Rückgang um gut 16 Prozent.

Radfahrer bei Unfall auf Rügen gestorben

Einen Todesfall hat es in diesem Jahr nun aber leider doch schon gegeben. Am vergangenen Sonntag war der Fahrer eines motorisierten Fahrrads auf der Insel Rügen tödlich verunglückt. Der 66-Jährige wurde von einem Auto erfasst, als er B96 zwischen Bergen und Lietzow überquerte. Reanimationsversuche bleiben erfolglos.

Am vergangenen Sonnabend war zudem eine 60 Jahre alte Frau bei Loddin auf der Insel Usedom mit ihrem Pedelec auf das Pedelec ihres Mannes aufgefahren. Sie stürzte und verletzte sich dabei schwer. Ein Rettungshubschrauber brachte sie ins Krankenhaus.

Motor ist nicht gleich Motor

Fährt ein Fahrrad mit Motor, dann ist gemeinhin von E-Bikes die Rede, doch das Gesetz kennt da feine Unterschiede. Als Pedelec werden Fahrräder mit automatischer Tretunterstützung bezeichnet. Ein Elektromotor unterstützt die Fahrerin beim Treten, wobei die Kraftzufuhr bei zunehmender Geschwindigkeit stetig abnimmt. Spätestens bei 25 km/h ist Schluss, so sieht es das Gesetz vor. Will die Fahrerin noch schneller fahren, muss sie wieder aus eigener Kraft strampeln. Mit dieser Begrenzung gelten die Maschinen noch als Fahrrad, für die keine Helmpflicht, Kennzeichen- oder Führerscheinpflicht besteht. Unter den Stromern sind diese Räder am häufigsten unterwegs und dürfen auf Fahrradwegen gefahren werden.

Daneben gibt es noch die leistungsfähigeren S-Pedelecs, für die Führerschein (AM), Helm, Versicherung und Kennzeichen nötig sind. Diese Geräte erreichen Geschwindigkeiten bis zu 45 Kilometer die Stunde und haben auf Radwegen nichts zu suchen. In der Unfallstatistik spielen sie noch eine geringe Rolle: 2020 gab es zwei Verunglückte Pedelec-Fahrer in der Region, allerdings waren es 2017 auch schon einmal 14.

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Das rät die Polizei

Die Polizei rät grundsätzlich dazu, mit Helm zu fahren. Auch wenn das vom Gesetzgeber nicht vorgeschrieben ist. Zusätzliche Reflektoren und helle Kleidung helfen in der Dämmerung oder bei Dunkelheit, erkannt zu werden. Lenker und Sattel sollten auf die Bedürfnisse des Fahrers eingestellt, das Fahrrad nicht zu schwer beladen sein. „Durch eigenes, umsichtiges und vorausschauendes Verhalten erhöht der Radfahrer seine eigene Sicherheit”, so die Polizei. Dabei helfen etwa Handzeichen beim Abbiegen. Radwege sollten generell genutzt werden, wenn sie durch ein blaues Straßenschild ausgewiesen sind, ist dies sogar Pflicht.

Kinder bis acht Jahre müssen auf dem Bürgersteig fahren, Kinder bis zehn Jahren dürfen das auch noch. Bis zum vollendeten achten Lebensjahr dürfen Kinder zudem von einer Aufsichtsperson (ab 16) auf dem Gehweg begleitet werden. Beim Überqueren der Straße müssen Kinder absteigen.

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