Im Zentrum der Weltpolitik: die Anlandestation der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 in Lubmin nahe Greifswald in Mecklenburg-V
Im Zentrum der Weltpolitik: die Anlandestation der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 in Lubmin nahe Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Stefan Sauer
Gaspipeline

Zeitbombe oder Industrieruine? Das Geheimnis um Nord Stream 2

Moderne Technik, begehrter Inhalt, milliardenschwere Investition: Wer kümmert sich jetzt eigentlich um die mit 350 Millionen Kubikmeter gefüllte Gaspipeline?
Schwerin

Es ist der Stoff, um den sich aktuell die meisten Kontroversen ranken: Erdgas. Reichlich von diesem nachgefragten Rohstoff lagert seit Monaten ungenutzt in der für gut zehn Milliarden gebauten Pipeline Nord Stream 2. Doch da Russland aufgrund seines Angriffskrieges in der Ukraine als Energielieferant geächtet und sanktioniert ist und deshalb die Betriebsgenehmigung für die Nord Stream 2 verweigert wird, sind die 350 Millionen Kubikmeter in der prall gefüllten Leitung nutzlos – üben mit 105 bar allerdings einen immensen Druck auf die Pipeline aus. Zum Vergleich: Der Luftdruck in einem normalen Autoreifen liegt bei rund 2,5 bar.

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Zeitbombe in der Ostsee?

Kritiker sprechen deshalb schon von einer „Zeitbombe”, die auf dem Ostseegrund tickt. Dies aber weisen sowohl Landes- als auch Bundeswirtschaftsministerium zurück. „Die Pipeline ist auf mindestens 50 Jahre ausgelegt. Tests, die vor einer angestrebten Inbetriebnahme gemacht wurden, haben belegt, dass die Pipeline dicht ist. Die Leitungen werden ständig gemonitort”, hieß es am Mittwoch aus Schwerin und Berlin auf eine entsprechende Nachfrage.

Doch wer übernimmt das Monitoring, die Kontrolle, die Wartung dieser komplexen Industrieanlage, deren aktueller Inhalt 100.000 Einfamilienhäuser durch den nächsten Winter bringen könnte? Die Nord Stream 2 AG als Betreiber der Pipeline steht seit Monaten am Rande der Insolvenz – hat bereits im Frühjahr einen Großteil der Mitarbeiter entlassen. Für das Unternehmen mit Sitz im schweizerischen Zug ist mittlerweile ein Sachverwalter eingesetzt worden. Das Ministerium von Robert Habeck schiebt die Verantwortung nach Mecklenburg-Vorpommern zum Bergamt Stralsund.

„Dies ist für Nord Stream die Planfeststellungs- und Aufsichtsbehörde – zuständig für alle technischen Angelegenheiten, das betrifft auch die Aufsicht über die Wartung und die Kontrolle”, so die Auskunft aus Berlin. Durchführen müsse die Aufgaben die Nord Stream 2 AG. Die wiederum habe dafür Wartungsfirmen beauftragt. Eine Aussage, die nicht mit den Informationen des Landeswirtschaftsministeriums in Schwerin konform geht. „Laut Mitteilung vom Bergamt Stralsund sind Mitarbeiter der Nord Stream 2 AG vor Ort in Lubmin”, versicherte eine Sprecherin des Ministeriums aus der Landeshauptstadt.

Wirtschaftsruine oder wichtige Energieversorgung?

Anne Shepley traut den Aussagen nicht. „Eine verwaiste Anlandestation in Lubmin bei gleichzeitig gekappter Datenleitung in die Schweiz ist kein akzeptabler Umgang mit den bestehenden Risiken. Die Entleerung der Röhre muss als Ziel verfolgt werden, um Leckagen und auch Explosionsgefahren zu minimieren”, mahnte die grüne Landtagsabgeordnete. Anschließend müsse geprüft werden, welcher Umgang mit der leeren Röhre für die Umwelt am verträglichsten ist. Shepley forderte „eine unabhängige Beaufsichtigung der weiteren Schritte mit der Ruine”.

Von wegen Ruine, setzten am Mittwoch sieben Bürgermeister von der Insel Rügen einen Kontrapunkt. Die Bürgermeister halten die nicht zugelassene Nord Stream 2 als eine „zusätzliche Gasversorgung” weiter für nötig. Sie sei wichtig für eine Energiesicherheit „auf Dauer”. Ein entsprechendes Positionspapier schickten die Politiker auch an Robert Habeck und MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

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Kommentare (1)

Die Expertine der Grünen spricht echt von Explosionsgefahr? Da ist wohl ihre Bildung implodiert. Andernfalls wüsste sie, dass eine Explosion Sauerstoff braucht. Der kommt dann wohl aus dem Wasser, so wie die Grünen Strom im Netz speichern wollen.