Gähnende Leere herrschte am Dienstag vor dem Audimax in Greifswald. Dabei wollten Studenten jede Woche demonstrieren.
Gähnende Leere herrschte am Dienstag vor dem Audimax in Greifswald. Dabei wollten Studenten jede Woche demonstrieren. Maximilian Lill
So sah es noch am Dienstag vor einer Woche, am 9. November, vor Ralph Webers Vorlesung in Greifswald aus.
So sah es noch am Dienstag vor einer Woche, am 9. November, vor Ralph Webers Vorlesung in Greifswald aus. Maximilian Lill
Universität Greifswald

Zorn der Studenten über Rechts-Professor Weber ebbt ab

Jeden Dienstag wollten junge Leute in Greifswald vor den Vorlesungen des ehemaligen AfD-Landtagsmitglieds Ralph Weber demonstrieren. Zwei Wochen später stand niemand mehr vor dem Gebäude.
Greifswald

Die Proteste gegen den früheren AfD-Landtagsabgeordneten und Greifswalder Jura-Professor Ralph Weber sollten weiter gehen. Das hatten Teilnehmer der Demonstration in Greifswald Anfang November angekündigt. Doch nun ist nach nur zwei Wochen offenbar Schluss damit. Von den anfangs knapp 600 Demonstranten war am Dienstag kein einziger mehr vor dem Hörsaal-Gebäude anzutreffen.

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Noch vor einer Woche hatten sich etwa zwei Dutzend Studenten versammelt, um gegen die Rückkehr des umstrittenen Politikers an die Universität zu demonstrieren. Schon bei dieser zweiten Demo hatte die Zahl der Kräfte von Polizei und Sicherheitsdienst überwogen. Damals hatte Weber noch aus dem Fenster des Hörsaals im zweiten Obergeschoss gerufen, er freue sich schon auf ein Wiedersehen mit den Demonstranten.

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Doch die haben offenbar die Lust verloren. Allein ein Mannschaftswagen der Polizei war am Dienstagmorgen noch vor Ort.

Nur Studenten dürfen ins Gebäude

Das Einzige, das vorerst bleibt, sind strenge Sicherheitskontrollen vor Webers Vorlesungen. Die Universität lässt Personalausweise und Impfpässe kontrollieren. Jeder, der in das Gebäude möchte, muss die Dokumente vorzeigen. Vier Sicherheitsleute der Universität sorgen dafür, dass nur Studenten das Gebäude betreten. Es gilt die sogenannte 3G-Regel. Um tatsächlich Webers Vorlesung besuchen zu können, müssen die Studenten in der ersten Etage durch eine weitere Kontrolle. Dort werden erneut der 3G-Nachweis und der Studentenausweis gefordert. Darüber hinaus muss man sich online zur Vorlesung angemeldet haben. Letzteres ist allein Jurastudenten vorbehalten.

Die Hürden, eine Vorlesung von Werber besuchen zu können, sind also deutlich höher als bei anderen Vorlesungen, zu denen im Regelfall jeder Zutritt hat. Die Vorlesung selbst wird in einer Mischung aus Präsenz und Online gehalten. So referierte Weber am Dienstag vor etwa 35 Studenten in Präsenz über das römische Recht, während die Vorlesung parallel online übertragen wurde. Ist man erst einmal drin, erlebt man also nichts Besonderes – bis auf ein dauerhaft eingeblendetes Zitat des englischen Schriftstellers George Orwell (1903 – 1950): „Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ Orwell war ein Sozialist, welcher sich vor allem für ein geeintes Europa und einen demokratischen Sozialismus einsetzte.

2016 hatte Ralph Weber der Universität den Rücken gekehrt und war für die AfD in den Landtag eingezogen. Zuletzt war er von der Partei nicht mehr aufgestellt worden und später aus der AfD ausgetreten. Seine Rückkehr an die Uni sorgte unter vielen Studenten für Unmut.

Umstrittene Zitate aus dem Jahr 2017: AfD-Rechtsprofessor fordert arische Leitkultur

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