Nasibullah S.

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Richter Benjamin Ruhnow und Nasibullah S. (rechts) am Mittwoch im Verwaltungsgericht Greifswald.
Richter Benjamin Ruhnow und Nasibullah S. (rechts) am Mittwoch im Verwaltungsgericht Greifswald.
Carsten Korfmacher

Sein Fall hatte bundesweit für Aufregung gesorgt: Der Afghane Nasibullah S. wurde im Juli aus Neubrandenburg abgeschoben. Zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Nun äußerte er sich ausführlich vor Gericht.

Der zu Unrecht abgeschobene Afghane Nasibullah S. hat am Mittwoch vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald jene Aussage nachgeholt, die er aufgrund seiner unrechtmäßigen Abschiebung im Juli nicht tätigen konnte. Das Verwaltungsgericht sollte bereits im Juli die Frage klären, ob der Klage des 20-Jähigen gegen den negativen Asylbescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) stattgegeben werde. Doch S. wurde abgeschoben, bevor er zu dieser Frage gehört werden konnte.

In der rund eineinhalbstündigen Verhandlung am Mittwoch äußerte sich S. ausführlich zu den Umständen seiner Flucht aus Afghanistan. Die radikalislamischen Taliban hätten ihn in seinem Heimatort in der umkämpften afghanischen Provinz Helmand beschuldigt, mit der Zentralregierung zusammenzuarbeiten. Als bei einem Gefecht zwischen Taliban und Sicherheitskräften der Regierung mehrere Taliban ums Leben kamen, beschuldigten die radikalen Islamisten S. der Preisgabe von Informationen, die zu dem Gefecht führten. Somit machten sie ihn für den Tod der Kämpfer verantwortlich. Nachdem sein Vater festgehalten und von den Taliban getötet wurde, floh S. über den Iran und die Balkanroute nach Deutschland.

Mit sanfter Stimme beantwortete S. die Fragen des vorsitzenden Richters Benjamin Ruhnow, der in den kommenden zwei Wochen eine Entscheidung über die Klage treffen wird. Die Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen, die S. vor Gericht vertritt, äußerte sich im Anschluss an die Verhandlung gegenüber dem Nordkurier positiv zu den Aussichten ihres Mandanten: „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine gute Entscheidung bekommen.” Ihr Mandant sei am Anfang der Verhandlung nervös und auch durch die Ereignisse der vergangenen Monate sichtlich bewegt gewesen. Doch er habe sich wacker geschlagen.