Die Akzeptanz des Tourismus schwindet bei vielen Einheimischen in Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigt eine aktuelle Studie.
Die Akzeptanz des Tourismus schwindet bei vielen Einheimischen in Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigt eine aktuelle Studie. Jens Büttner
Ärgernis Tourismus

Zu viele und zu rücksichtslos – Einwohner in MV von Urlaubern genervt

Die SPD spricht ganz offen von einer „dunklen Seite des Tourismus“ – aber offenbar haben auch die Einheimischen ein Problem mit einem der wichtigsten Wirtschaftszweige in Mecklenburg-Vorpommern.
Schwerin

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig spricht gerne von der „DNA Mecklenburg-Vorpommerns”, wenn sie über den Tourismus und dessen Bedeutung für den Nordosten berichtet. Doch offenbar sind die Bürger an Ostsee und Seenplatte mit dieser DNA gar nicht so glücklich.

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Das zeigt eine aktuelle Studie zur Akzeptanz des Tourismus, die am Mittwoch in Kühlungsborn im Rahmen der MV-Tourismustage vorgestellt wurde. Demnach sehen die Mecklenburger und Vorpommern die große Zahl von Urlaubern in ihrem Bundesland nicht nur positiv. Zwar würden Vorteile des Tourismus – etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Förderung der lokalen Wirtschaft oder den Beitrag zum Erhalt der Kultur – registriert.

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Dann folgt das große Aber bis hin zur Ablehnung. Die Überlastung der Ferienorte durch die Urlauber nervt die Einheimischen laut Studie. „Das muss man zur Kenntnis nehmen“, betonte der Präsident des Landestourismusverbands, Wolfgang Waldmüller, in einem ersten Statement. „45 Prozent sagen, es ist zu voll.“ Auf der Insel Usedom seien es sogar 67 Prozent der Einwohner, die diese Meinung vertreten, auf Rügen 30 Prozent. 59 Prozent fänden, dass Tourismus zur Belastung der Natur beiträgt. 53 Prozent seien der Meinung, dass Tourismus für einen Preisanstieg sorge, und zwei Drittel erkennen keine Steigerung der Lebensqualität.

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Die Umfrage bestätige die Ausrichtung des Verbands, sich auf einen qualitativen und auf die Einwohner ausgerichteten Ausbau zu konzentrieren. Der Erfolg des Tourismus werde von der Akzeptanz der Einwohner abhängen. Künftig müsse geprüft werden, ob der Tourismus für die Menschen am Ort funktioniert und sie die positiven Aspekte erkennen. Sie müssten auch vom Tourismus leben können, sagte Waldmüller. Alle Konzepte und Strategien müssten unter diesen Aspekten geprüft werden.

Um das zu erreichen, wurde am Mittwoch die Diskussionsplattform „wirsindurlaubsland.de“ freigeschaltet. So sollen die Bedürfnisse der Bevölkerung erkannt werden.

Innovationen im Tourismus notwendig

Tourismus-Verbandsgeschäftsführer Tobias Woitendorf sagte im Hinblick auf die Studie, dass die Branche dynamisch bleiben müsse. Dies bedeute, dass sich der Tourismus gerade nach der Corona-Pandemie Innovationen stellen müsse. „Wenn ein Besserer kommt, dann muss der Schlechteste vielleicht Platz machen.“ Dann sei diese Entwicklung für das Gesamtsystem gut, es sei aber nicht weiter gewachsen. „Das ist der Weg, an dem wir uns in den nächsten Jahren entwickeln müssen.“

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Zum Auftakt der Tourismustage hatte Manuela Schwesig für eine dauerhaft niedrigere Steuerbelastung der Branche plädiert. „Die Branche braucht auch in den nächsten Jahren verlässliche Unterstützung. Deshalb sollte die Mehrwertsteuersenkung dauerhaft sein“, sagte Schwesig. Die Corona-Pandemie habe die Branche hart getroffen. Sie betonte zudem die Bedeutung der Branche für das Land, mehr als 100.000 Menschen seien im Nordosten im Tourismus beschäftigt.

Parallel machte Schwesigs Parteifreund Thomas Krüger, SPD-Fraktionschef im Landtag, deutlich, dass mit guten Löhnen auch Branchen wie das Gastgewerbe wieder interessanter für Fachkräfte gemacht werden könnten. Aktuell würden viele Arbeitskräfte fehlen.

In dem Zusammenhang wies Krüger auf die „dunkle Seite des Tourismus“ hin. Zu oft würden in der Hotellerie und Gastronomie nur niedrige Löhne gezahlt. Schlechte Arbeitsbedingungen wie wenig Urlaub, viele Überstunden, kaum Vereinbarkeit mit Familie und Beruf herrschten noch immer vor. Krüger wörtlich: „Um Beschäftigte dagegen zu schützen, braucht es Tarifverträge, die auch angewendet werden. Das wäre auch ein wirksames Mittel, um die Branche vor der bereits eingesetzten Abwanderung von Arbeitskräften zu schützen.“

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