Besucherinnen besichtigen das neue Königsstuhl-Modell, das den zu bauenden Königsweg, ein Pylonbauwerk in Form eines
Besucherinnen besichtigen das neue Königsstuhl-Modell, das den zu bauenden Königsweg, ein Pylonbauwerk in Form eines schleifenartigen Rundwegs, präsentiert. Sommer
Fotomontage: So soll die Plattform einmal aussehen.
Fotomontage: So soll die Plattform einmal aussehen. www.koenigsweg-ruegen.de.
Oktober 2020: Touristen besuchen an der Steilküste im Nationalpark Jasmund bei Sassnitz auf der Insel Rügen den Auss
Oktober 2020: Touristen besuchen an der Steilküste im Nationalpark Jasmund bei Sassnitz auf der Insel Rügen den Aussichtspunkt Königsstuhl. Stefan Sauer
Blick auf den Kreidefelsen „Königsstuhl” auf der Insel Rügen.
Blick auf den Kreidefelsen „Königsstuhl” auf der Insel Rügen. Stefan Sauer
„Königsweg“

Zugang zu Rügens Königsstuhl wird für immer gesperrt

Die Tage zum Betreten des Königsstuhls sind gezählt. Denn Rügens berühmter Kreidefels wird für immer gesperrt. Das Nationalparkzentrum stimmt schon mal auf den Bau des neuen Königswegs ein.
Sassnitz

Eisiger Wind zieht durch die Buchenwaldwipfel im Jasmund. An der steilen Kreideküste spielen Schneegestöber im Aufwind über die Felsenhänge. Nur wenige Spaziergänger von der Insel Rügen zieht es jetzt im eiskalten Februar zum Königsstuhl. Und wegen des Lockdowns finden sich auch kaum Touristen, die Rügens berühmtes Wahrzeichen in Augenschein nehmen möchten.

Dabei wäre die Gelegenheit jetzt günstig. Zwar ist das vor 16 Jahren eingeweihte Nationalparkzentrum derzeit pandemiebedingt geschlossen, doch der Zugang zum Königsstuhl ist für jedermann weit geöffnet. Nicht nur Rüganer, denen schon vor zweieinhalb Jahren der Eintrittspreis erlassen wurde, können in diesen Tagen die atemberaubende Aussicht vom 118 Meter hohen Kreidefelsen kostenfrei genießen.

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Bauarbeiten für Königsweg beginnen

Eine solche Einladung sollte man sich nicht entgehen lassen. Denn die Tage, an denen man noch einmal den Königsstuhl betreten kann, sind gezählt. Voraussichtlich im Sommer wird der jahrzehntelang genutzte Zugang für immer gesperrt. Denn dann beginnen auf dem Hochplateau nahe des Besucherzentrums die Bauarbeiten für den sogenannten Königsweg, ein Pylonbauwerk in Form eines schleifenartigen Rundwegs, der künftig zu barrierefreien Aussichten über der mächtigen Kreideklippe einladen soll.

Über den Bau des neuen, ambitionierten und einige Zeit durchaus umstrittenen Tourismus-Highlights auf Rügen und seine Gestaltung soll eine kleine Sonderausstellung informieren, die das Nationalparkzentrum derzeit vorbereitet. „Spätestens zum Saisonauftakt im Frühjahr wollen wir unsere Gäste in einem eigens geschaffenen Ausstellungsraum nicht nur über das geplante Bauvorhaben im Detail informieren, sondern auch darüber, wie die neue Plattform später aussehen und welche Aussichten es dort künftig geben wird“, sagt Geschäftsführer Mark Ehlers. Details verrät er noch nicht, verspricht aber mehrere interessante Präsentationen und Angebote, die demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt würden.

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Bis zu 300.000 jährliche Besucher des Königsstuhls

Erstmals gezeigt wird zum Beispiel ein Modell des Königsstuhls, das schon mal einen Vorgeschmack auf den neuen Aussichtsrunggang, den Königsweg, liefert. Entstanden ist das mehr als einen Meter große Reliefmodell in der Werkstatt des Hannoveraners Architekturmodellbauers Jan Kreutzmann. „Meine Auftraggeber haben sehr viel Wert auf Details gelegt“, sagt Kreutzmann. Sogar abgestürzten Buchen und die in der Kreide eingelagerten Feuersteinlinien sind zu sehen.

Bis zu 300.000 Einheimische und Touristen aus aller Welt besuchen alljährlich Rügens Königsstuhl. Doch der stetige Gästeansturm hatte Folgen. Zwar gilt der Königsstuhl an sich als stabil und nicht einsturzgefährdet. Doch vor allem der Zugang zu der Felsformation, ein schmaler Steg über ein teilweise schon eingestürztes Hünengrab aus der Eisenzeit, ist dem Massenandrang nicht mehr gewachsen und droht schon in einigen Jahren unpassierbar zu werden.

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Rügens Kreideküste aus sicherem Abstand erleben

Als Alternative hat der Bauingenieur Professor Mike Schlaicher eine gewagte, filigrane und seilverspannte Brückenkonstruktion entworfen, die zuletzt in einer Modellvariante im Windkanal erfolgreich getestet wurde. Die Kosten dafür werden auf 7,6 Millionen Euro beziffert. Rund 7,2 Millionen Euro steuert das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern dazu. „Mit dem neuen Weg haben Besucher die Möglichkeit, aus sicherem Abstand die Kreideküste Rügens mit ihrem Königsstuhl in natürlicher Schönheit zu erleben“, sagt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU).

Hoffnung gibt es nun auch wieder für den sehr beliebten Abstieg am Königsstuhl, der 2016 behördlich gesperrt wurde, nachdem ein Baum Teile der Holzkonstruktion zerstört hatte. Zwar lehnte das Umweltministerium die Instandsetzung des vor über 200 Jahren angelegten und mehrfach ausgebesserten Abstiegs zum Strand ab. Doch jetzt hat der Landkreis Vorpommern-Rügen ein Gutachten vorgelegt, das den Vorstellungen einer Lohmer Bürgerinitiative für die Wiederherstellung entgegenkommen dürfte.

Der Studie zufolge wäre der Bau einer stahlverzinkten Treppenanlage entweder als wendel- oder absatzartiger Abstieg in einem etwa 100 Meter entfernten und deutlich weniger gefährdeten Kerbtal möglich. Die Kosten dafür würden sich auf 2,6 bis 3,4 Millionen Euro beziffern.

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