NACH SOMMERFERIEN

Zum Schulstart in MV fehlen offenbar 300 bis 400 Lehrer

Nur noch zwei Wochen, dann beginnt in MV schon wieder die Schule. Und weiter bleibt die Angst vor dem Coronavirus. Trägt das Schulkonzept der Landesregierung? Zweifel sind erlaubt.
Das Corona-Konzept für die Schulen in MV nach den Sommerferien wird scharf kritisiert.
Das Corona-Konzept für die Schulen in MV nach den Sommerferien wird scharf kritisiert. (Symbolbild) Sven Hoppe
Schwerin.

Die Bildungsministerin hat sich vor den Sommerferien weit aus dem Fenster gelehnt. Fast schon mantramäßig betonte Bettina Martin, dass Anfang August in Mecklenburg-Vorpommern zu einem „verlässlichen, täglichen Regelunterricht an den Schulen zurückgekehrt wird“ – unter Pandemiebedingungen fügte die SPD-Politikerin stets hinzu. Ein Zusatz, den aufmerksame Zuhörer als entsprechende Einschränkung wahrnahmen.

In der Tat: „Verlässlich und täglich“ heißt noch lange nicht, dass in den Schulen voller Präsenzunterricht auf dem Stundenplan steht – wie vor der Corona-Krise gewohnt und selbstverständlich. Simone Oldenburg, ausgewiesene Schulexpertin, Fraktionschefin der Linkspartei im Landtag MV und selbst ausgebildete Lehrerin, befürchtet mit Schulstart am 3. August das große Chaos. „In Grundschulen sind vier Stunden vorgesehen, an Regionalen Schulen und Gymnasien fünf Stunden – der fehlende Rest soll digital unterrichtet werden. Das Problem: Im Bildungsministerium ist überhaupt nicht bekannt, wie die digitale Ausstattung auf Seiten von Lehrern und Schülern ist“, kritisiert Oldenburg.

Die Große Koalition habe komplett den Überblick verloren, so Oldenburg (Die Linke)

Und: „Aus Datenschutzgründen dürfen Lehrer ihre privaten, digitalen Endgeräte gar nicht benutzen.“ Motto der Landesregierung: „Wir wissen von nichts und machen trotzdem weiter.“ Die Große Koalition habe komplett den Durchblick verloren und im Frühjahr einfach nur gehofft, sich irgendwie in die Sommerferien zu retten. Doch die Corona-Krise lasse sich nicht einfach aussitzen, betont Oldenburg. Das Virus sei kein Husten, der einfach nach ein paar Ferienwochen an der Ostsee verschwinde.

Jetzt sollen ab August laut Oldenburg mehrere Schulklassen zu Lerngruppen zusammengefasst werden. Für diese Gruppen gebe es feste Räume und feste Lehrer – „doch in Anbetracht des Lehrermangels in MV fallen dann ganze Fächer für diese großen Gruppen hinten runter. Weil es beispielsweise nicht genügend Französischlehrer gibt.“ Die Zahlen der fehlenden Lehrkräfte seien erschreckend.

Tausende Unterrichtsstunden würden ausfallen

Aus einer Antwort der Landesregierung auf eine aktuelle Anfrage der Linksfraktion, die dem Nordkurier vorliegt, ist ersichtlich, dass bereits Mitte September des vergangenen Jahres 200 Lehrerstellen in MV unbesetzt waren. Damit nicht genug: „Im Schuljahr 2019/20 war jede dritte Neueinstellung keine ausgebildete Lehrkraft. Ich gehe davon aus, dass zum Schulstart in zwei Wochen zwischen 300 und 400 Lehrerstellen unbesetzt bleiben werden“, sagt Oldenburg. Da durchschnittlich eine Lehrerstelle mit 27 Stunden berechnet werde, würden tausende Unterrichtsstunden ausfallen.

Das ganze Schulkonzept für das nächste Corona-Schuljahr sei lediglich theoretischer Natur – und werde den Praxistest nicht bestehen. 

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Kommentare (6)

Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln...
Wo ist Die Zeit hin, als damals alles vernünftig geregelt war...
Heute ist doch alles Makulatur...
Gier, Macht und Einfluss hat Gott überholt...

Was soll dieses "Gott" sein??

Schau in dir dann siehst du es vielleicht..

Lieber lese ich aktuelle Märchen, wie Herr der Ringe oder so..

Wissenschaft first!

Covid kommt wie eine glückliche Fügung für unsere Politik.
So lässt sich in Teilen über deren Fehler und Unfähigkeit hinwegtäuschen.
Schuld ist am Ende ja Corona.
Corona-Schuljahr, Corona-Ferien, Corona-BlaBla, kann die Presse nicht langsam mal aufhören vor jedes Wort Corona zu schreiben?! Es nervt.

, denn Anfang der 90-er Jahre gab es in M-V ein "LEHRERPERSONALKONZEPT". Hierin wurde bemängelt, dass es in unserem Land 20.000 LehrerInnen gäbe, was eindeutig zuviel sei. Heute haben wir nur noch 1/2 so viele Schüler und dafür knapp 11.000 LehrerInnen. Davon sind 60 % über 55 Jahre alt, dank des Konzeptes und der Weitsichtigkeit damals von Ministerin Frau G. Marquardt. Zuerst Kollegen aus dem Schuldienst drängen oder in die Teilzeit beordern, dann möglichst viele in Frührente und bloß niemanden einstellen. Das Ergebnis erleben wir heute und unsere Kinder müssen es ausbaden! Sie werden sich erkenntlich zeigen und sich später entsprechend bedanken!