Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.
Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Jens Büttner
Noch keine Entwarnung

Zwischenfazit von Schwesig: Harte Corona-Maßnahmen wirken

Die Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen war umstritten, doch scheint sie Wirkung zu zeigen. Regierungschefin Manuela Schwesig warnte aber vor Überschwang.
dpa
Schwerin

Die tendenziell sinkende Zahl von Corona-Neuinfektionen in Mecklenburg-Vorpommern gibt nach den Worten von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) Grund zu verhaltenem Optimismus, darf aber nicht zu Leichtsinn verleiten.

„Die harten Maßnahmen wirken. Wir konnten das exponentielle Wachstum brechen. Aber wir haben noch keine Entwarnung”, sagte Schwesig am Dienstag nach der Kabinettssitzung in Schwerin. Die Sieben-Tage-Inzidenz sei von 150 auf 135 gefallen. Doch halte die Regierung an den strengen Corona-Schutzmaßnahmen fest. „Wir müssen weiter durchhalten, um die Infektionslage stärker in den Griff zu bekommen.” (Anm.d.Red. Schwesig sagte dies vor Veröffentlichung der tagesaktuellen Corona-Zahlen. Die Inzidenz lag am Dienstag bei 138,7.)

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Grenzen unseres Gesundheitssystems

Trotz der rückläufigen Tendenz müsse damit gerechnet werden, dass die Zahl der schwer Erkrankten zunächst noch steige. Aktuell seien 91 der 120 für Corona-Patienten bereitgestellten Intensivbetten belegt. Doch bilde auch das Fachpersonal einen limitierenden Faktor. „Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir nicht an die Grenzen unseres Gesundheitssystems kommen”, warnte Schwesig. Bei 85 Prozent Auslastung der Intensivbetten sei der „dunkelrote Bereich” erreicht. Aktuell liegt sie bei 76 Prozent.

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Die Regierungschefin kündigte für Freitag eine weitere Sondersitzung ihres Kabinetts an, um die Corona-Landesverordnung an die jüngsten Entwicklungen anzupassen. Dann gehe es auch um Erleichterungen für Menschen mit vollständigem Impfschutz. "In allen Regelungen der Landesverordnung, wo eine Testpflicht für die Wahrnehmung von Angeboten oder die Nutzung von Einrichtungen vorgesehen ist, soll diese für vollständig Geimpfte entfallen", erklärte Schwesig.

Damit würde ab Anfang Mai etwa die Testpflicht für Geimpfte vor Friseurbesuchen wegfallen. Die zweite Impfung müsse aber mindestens 14 Tage zurückliegen. Mecklenburg-Vorpommern nutze dabei eine Übergangsregelung, die es den Bundesländern erlaube, bis zum Inkrafttreten einer übergreifenden Bundesregelung Erleichterungen für Geimpfte zu schaffen.

Notwendigkeit umfangreicher Corona-Tests

Schwesig betonte erneut die Notwendigkeit umfangreicher Corona-Tests. Diese seien insbesondere auch für Kleinkinder mit Symptomen wichtig, bevor sie in die Notbetreuung der Kitas aufgenommen werden könnten. Unterstützung erhielt sie dabei von Professor Nils-Olaf Hübner, Leitender Hygieniker der Universitätsmedizin Greifswald.

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Das im Land praktizierte Testsystem habe sich bewährt. Durch die verstärkten Kontrollen seien zuletzt pro Woche etwa 60 infektiöse Kinder ermittelt und so Ansteckungsgefahren in Kitas und Schulen vermindert worden. Es lohne sich, gezielt und engmaschig zu testen. „Das gilt nicht nur für Kinder, es gilt ebenso für Erwachsene”, sagte Hübner.

Impfen senkt Zahl der Todesfälle

Das wirksamste Mittel im Kampf gegen das Corona-Virus sei aber das Impfen, betonte Schwesig. Dadurch habe sich die Zahl der Todesfälle um ein Drittel senken lassen, sagte sie unter Hinweis auf die Einschätzung von Fachleuten. Das Land habe erfreulicherweise beim Impftempo wieder zugelegt und werde weiterhin alles tun, um möglichst vielen Menschen den Impfschutz zu gewähren. Dabei würden auch die Hausärzte noch stärker einbezogen.

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Die Hausärzte in Mecklenburg-Vorpommern sind nach den Worten ihres Verbandsvorsitzenden Stefan Zutz bereit und in der Lage, mit den zusätzlichen Impfstoffen das Impftempo im Land weiter zu erhöhen. „Wir erwarten nun die zwei- bis dreifache Menge an Impfdosen für die Praxen. Das zu verimpfen, ist ein Kraftakt. Aber damit können wir als Hausärzte endlich einen entscheidenden Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie leisten.”

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