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Mindestlohn: Jobkiller oder Erfolgsmodell?

Mindestlohn oder nicht? Auch bei den Unternehmen der Region sind die Meinungen darüber geteilt.
Mindestlohn oder nicht? Auch bei den Unternehmen der Region sind die Meinungen darüber geteilt.
dpa

Wenn die Politik den Lohn festlegt, dürfte es in einigen Branchen der Region ganz schön eng werden. Beispiel Friseurhandwerk: Hier bekommt man seit drei Monaten zu spüren, was ein Mindestlohn bedeuten kann.

Ganz toll, ein Erfolgsmodell. Eva-Maria Repnak hält eine ganze Menge vom viel diskutierten Mindestlohn. Sie muss es wissen. Das Friseurhandwerk, dessen Obermeisterin die Malchinerin ist, hat einen Mindestlohn zum 1. August eingeführt: 6,50 Euro die Stunde. „Ich habe mich anfangs nicht gerade darüber gefreut. Aber jetzt muss ich sagen, es funktioniert“, schätzt Frau Repnak ein. Als Geschäftsführerin der Figaro-Friseur-Genossenschaft weiß sie aber auch, wie es funktioniert. Natürlich seien „Preisanpassungen“ nötig, die die Kunden spüren. „Doch wir müssen auch sehen, wie wir Kosten sparen.“

Einen Salon haben die „Figaros“ in Malchin geschlossen, in Stavenhagen ziehen sie gerade in ein kleineres Geschäft um. Es seien auch Angestellte entlassen worden, bei anderen wurden die Arbeitsstunden herunter gesetzt. Das alles nach nur drei Monaten Mindestlohn. Ein Erfolgsmodell?

Sollten nun 8,50 Euro pro Stunde – wie bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin diskutiert – Gesetz werden, dann habe er große Bauchschmerzen, sagt Lars Schwarz. Der Gnoiener Gastronom ist Mitglied der Tarifkommission des Hotel- und Gaststättenverbandes. „Hoteliers an der Küste zahlen jetzt schon über 8,50 Euro, weil sie sonst keine Leute mehr bekommen würden. Doch im Hinterland wird das für viele extrem schwierig, derartige Löhne auch zu erwirtschaften“, findet Schwarz. 

Bei politisch festgelegten Mindestlöhnen winkt auch die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Müritz-Demmin, Marlies Händschke, ab: „Das ist eine Vorstellung, die das Handwerk nicht teilt.“ Zu unterschiedlich seien die Bedingungen in den einzelnen Branchen, zu spezifisch die Probleme, zu gering die Kaufkraft in der Region. 

Ganz anders dagegen die Meinung von Hubert Börger, Chef des Vereins mittelständischer Unternehmen in Teterow. Der Mindestlohn müsse sein. „Mit einem Stundenlohn von 6,50 Euro kann man nicht leben und nicht sterben.“ Im Friseurhandwerk oder bei Beerdigungsinstituten könne es schon um den Verlust von Jobs gehen.