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Verschwendung? Kirche kämpft um Glaubwürdigkeit

Im katholischen Gemeindehaus von Dargun wurde 1998 eine Kapelle eingeweiht. 2001 erfolgte für die Gläubigen in Neukalen und Dargun die Zusammenlegung zum Gemeindeverbund mit Teterow und Raden, die heutige Sankt Petrusgemeinde.
Im katholischen Gemeindehaus von Dargun wurde 1998 eine Kapelle eingeweiht. 2001 erfolgte für die Gläubigen in Neukalen und Dargun die Zusammenlegung zum Gemeindeverbund mit Teterow und Raden, die heutige Sankt Petrusgemeinde.
Gerald Gräfe

Als "Protzbischof" wird er in den Medien bezeichnet. Dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van-Elst wird nicht nur Verschwendung nachgesagt. Die Gläubigen auch hier in der Region fordern Aufklärung.

Die seismischen Wellen des Eklats um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst bewegen auch die Katholiken der Mecklenburgischen Schweiz. „Diese Kostenexplosion beim Bau des Bischofssitzes hat mich erschüttert“, sagt der Teterower Reinhold Hellwig. Dass Baukosten über den veranschlagten Prognosen liegen, sei leider fast normal geworden. Doch wenn Prunk mit ins Spiel kommt, sei das aus christlicher Sicht höchst fragwürdig und ihm bei einem Bischof unverständlich.

Die im Raum stehenden Vorwürfe beschäftigten die Gläubigen sehr, räumt auch Pfarrer Michael Elsner ein. Er betreut mehrere Kirchengemeinden rund um Teterow, einschließlich Neukalen und Dargun. Das Ansehen der Kirche und die Glaubwürdigkeit ihrer Botschaft drohten in Misskredit zu geraten.

„Deshalb ist dringend Aufklärung geboten“, folgert der Geistliche. Kirchenaustritte habe es in seinem Wirkungskreis wegen dieser Affäre nicht gegeben. Aber die Gläubigen erwarteten, dass Fakten auf den Tisch kommen und Konsequenzen gezogen werden.

Auch Katja Laber, die Gemeindereferentin der Katholischen Gemeinde in Stavenhagen, ist in den vergangenen Tagen auf den Limburger Bischof angesprochen worden. „Das schmerzt mich auch deshalb, weil Limburg in der Nähe meiner Heimat liegt“, sagt sie. Verschwendung sei an sich nicht gut und wenn sich herausstellen sollte, dass ein Bischof verschwenderisch mit Geld umgegangen ist, dann sei die Empörung nachvollziehbar. Aber die Gemeindereferentin plädiert auch dafür, nicht vorschnell zu urteilen.

„Ich finde es weise vom Papst, dass er sich offenbar zuerst gründlich informiert. Er hat ja auch eine Fürsorgepflicht gegenüber dem Bischof“, meint sie. Außerdem habe sich ja herausgestellt, dass noch andere Stellen um die horrenden Summen für den Bischofssitz wussten. Von Kirchenaustritten wegen der Angelegenheit habe sie in ihrer Gemeinde noch nichts gehört. Dass hier in Mecklenburg die katholische Kirche verschwenderisch mit Mitteln umgeht, das glaube sie nicht. Hier sei man sparsam, meint Katja Laber, die vor eineinhalb Jahren nach Stavenhagen gekommen ist.

Reinhold Hellwig erinnert in diesem Zusammenhang an die Baugeschichte des Teterower Gotteshauses. In den 1920er Jahre hatte die Kirche eine insolvente Fabrik am Bahnhof gekauft. Eine Werkhalle wurde als Kirchenraum ausgebaut, in das Fabrikantenhaus zog der Pfarrer. Als Ende der 1960er Jahre ein Neubau erforderlich wurde, leisteten die Gläubigen unzählige Einsatzstunden auf der Baustelle.

Ähnlich war es 30 Jahre später beim Bau der jetzigen Kirche. „Dazu kam, dass zur Finanzierung der Baukosten Spendengelder in erheblichem Umfang beitrugen“, merkt Hellwig an. Was die Transparenz der kirchlichen Finanzen betrifft, so sieht Pfarrer Elsner in seinen Gemeinden keine Probleme. „Das funktioniert bei uns nach den üblichen demokratischen Spielregeln. Der Kirchenvorstand beschließt den Haushalt der Pfarrgemeinde. Überschreiten Ausgaben eine gesetzte Größe, muss das Generalvikariat des Erzbistums das genehmigen. Jedes Gemeindeglied kann im Übrigen Einsicht in den Haushalt nehmen.“