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Zeichen der Trauer mahnen am Straßenrand

Zeichen der Trauer am Straßenrand: So wie hier an der Abfahrt nach Kämmerich zwischen Neukalen und Gnoien zeugen an vielen Stellen in der Region Kreuze von tragischen Unfällen.
Zeichen der Trauer am Straßenrand: So wie hier an der Abfahrt nach Kämmerich zwischen Neukalen und Gnoien zeugen an vielen Stellen in der Region Kreuze von tragischen Unfällen.
Torsten Bengelsdorf

Die Straßenbehörden sehen es nicht gerne, wenn Trauernde Kreuze am Straßenrand aufstellen. Dennoch schreiten sie nicht ein. Die Kreuze warnen auch vor den Gefahren.

Der Verkehr donnert vorüber. Motorengeräusche, Bremsenquietschen und Abgaswolken säumen die Straßenränder. Eigentlich ist hier kein Ort der Stille. Und doch kommen immer wieder Menschen hierher, um Toter zu gedenken, die hier am Straßenrand ihre Leben verloren haben. Sie haben Kreuze aufgestellt oder an Bäumen angebracht. Manchmal sind Kerzen angezündet. Manchmal ist der Name eingraviert, manchmal ein letzter Gruß angebracht, der zeigen soll, wie sehr man diese Menschen vermisst und liebt. Auch nach ihrem Tod.

Wieviele solcher Kreuze die Landstraßen der Mecklenburgischen Schweiz säumen, das weiß niemand. Die Autofahrer und auch die Straßenwärter begegnen den Kreuzen zwar allerorten am Straßenrand. Doch sie wurden nie gezählt. Weder das Straßenbauamt Güstrow noch die Kreisstraßenmeisterei in Neukalen haben diese Tauerorte in einer Statistik erfasst.

Matthias Sonntag ist Leiter der Straßenmeisterei in Neukalen. Wenn er die Straßenränder mäht oder sonstige Arbeiten bewältigt, fährt er immer wieder an solchen Trauerstätten vorüber. Sie sind ihm mit den Jahren Vertraute im Arbeitsalltag geworden. Er kann sich in die Trauer der Leute hineinversetzen. „Doch man wird auch immer wachgerüttelt, wenn man an solchen Kreuzen vorbeifährt“, erzählt Sonntag. So ist er sich sicher, dass die Kreuze auch viele Autofahrer mahnen und sie den Fuß etwas vom Gas nehmen. „Wir haben nun mal viele Alleenstraßen.“

Er weiß von Kreuzen, die zwischen Lindenhof und Verchen oder bei Schwinkendorf stehen. Besonders viele säumten früher die „Disco-Strecke“ zwischen Neukalen und Teterow, erinnert er sich. „Aber ich habe das Gefühl, dass es weniger Kreuze sind als früher.“ Das hat für ihn mehrere Ursachen: „Die Polizei kontrolliert stärker“, meint Matthias Sonntag. Die Jugendlichen seien verantwortungsvoller oder würden gleich mit dem Taxi von der Neukalener Disco nach Hause fahren.

Polizeisprecherin Verena Splettstößer denkt, dass auch die bessere Autotechnik, wie das ESP, oder nervige Pieptöne, die zum Gurtanlegen animieren, Leitplanken und Präventionsmaßnahmen Anteil an dieser Entwicklung haben. Im Bereich des Reviers Malchin sei die Zahl der Verkehrstoten von 7 (2011) auf 3 (2012) zurückgegangen. In diesem Jahr verunglückte in dem Gebiet bisher nur ein Mensch tödlich.

Ronald Normann vom Straßenbauamt Güstrow betont aber, dass die Kreuze nur geduldet werden. Der Straßenrand sei kein Trauerort. Die Kreuze würden die Straßenwärter dennoch stehen lassen. „Das gebietet die Pietät.“ Normann beobachtete, dass viele Angehörige ihre Trauer mit der Zeit ganz an die Grabstätte verlagern. „Aber ich kenne auch Fälle, da werden nach 15 Jahren noch die Holzkreuze ersetzt“, sagte er.