In Bülow saß diese Gottesanbeterin auf dem Baugerüst. Wie sich herausstellte, ist es ein begattetes Weibchen.
In Bülow saß diese Gottesanbeterin auf dem Baugerüst. Wie sich herausstellte, ist es ein begattetes Weibchen. privat
Seltenheit

Fund einer Gottesanbeterin versetzt Insektenforscher in Aufruhr

In Bülow wurde das hierzulande seltene Exemplar entdeckt. Es ist der dritte Nachweis dieses Insekts in Mecklenburg-Vorpommern. Den ersten Fund gab es 2011.
Bülow

Insektenforscher in M-V sind in heller Aufregung. In Bülow wurde eine Europäische Gottesanbeterin entdeckt. Es ist offiziell der dritte Nachweis dieses Insekts im Land. Den ersten Fund gab es 2011 in Silz, später einen weiteren in Waren, weiß Paul Blei. Der Landschaftsökologe und Insekten-Kenner aus Carlshof hatte ein Foto der Gottesanbeterin an Entomologen weitergegeben. „Sie haben das Tier als frisch begattetes Weibchen bestimmt“, sagt er. Und erklärt: „Auf den Hinterflügeln hatte die Gottesanbeterin zwei kleine Löcher, was bedeutet, dass sie begattet wurde.“

Außergewöhnliches Paarungsverhalten

Um die Gottesanbeterin ranken sich viele Mythen. Unter anderem gilt sie als Vorbild für Kung Fu-Kämpfer und japanisches Symbol für Wachsamkeit, Geduld und Beständigkeit, vor allem aber wohl als Femme fatale. Wegen ihres außergewöhnlichen Paarungsverhaltens. Denn – jedenfalls gelegentlich – kostet die Fortpflanzung das männliche Tier den Kopf, das heißt, das Weibchen verspeist ihn.

Dass die Gottesanbeterin, die ursprünglich aus Afrika stammt, jetzt auch in nördliche Gefilde kommt, ist eine Folge des Klimawandels. Paul Blei verweist auf Trockenheit im Frühjahr und warme Sommer in den letzten Jahren, von denen die Art profitiere. In Bülow, wo Paul Blei gerade beim Hausbau ist, hatten die Handwerker die Gottesanbeterin auf dem Baugerüst entdeckt und ihn gleich benachrichtigt. „Es gibt natürlich auch die Theorie, dass sie mit den Wänden für unser Haus gekommen ist. Wir bauen ein Holzhaus“, räumt er ein. „Aber da die Funde in Silz, Waren und jetzt in Bülow in einem räumlichen Zusammenhang stehen, kann davon ausgegangen werden, dass sie eventuell schon eine Population bilden.“

Tiere sind normalerweise sehr gut getarnt

Seitens des Entomologischen Vereins Mecklenburg, ein unabhängiger Verein von Insektenfreunden, 1997 gegründet, wurde Paul Blei schon gebeten, den Fund der Gottesanbeterin in Bülow in der Vereinszeitschrift „Virgo“ zu publizieren. „Das möchte ich aber gern mit dem Finder Tim Emmerich zusammen machen“, sagt er. Er ist übrigens der Sohn des Vorsitzenden des NABU-Regionalverbandes Mittleres Mecklenburg. Also auch ein bisschen vorgeprägt. Ob ein anderer auch auf die Gottesanbeterin aufmerksam geworden wäre? Normalerweise seien die Tiere auch super gut getarnt, so Paul Blei. Sie verstecken sich im Blattwerk, in Zweigen, in Büschen und daher sei es eher Zufall, dass man sie sieht. „Wir gehen aber davon aus, dass es mehr Tiere als bisher offiziell nachgewiesen gibt“, meint er. Deshalb gibt es auch die Bitte, dass sich meldet, wer eine Gottesanbeterin sieht, um deren Ausbreitung zu erforschen. Meldungen sind in der Naturparkverwaltung Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See möglich, telefonisch zu erreichen unter 039957 29970, per E-Mail an [email protected]

Übrigens, die Gottesanbeterin legt einige Tage nach der Begattung – das kann bis Oktober sein – ihre Eier ab in sogenannten Ootheken, in denen die Larven auch sehr kalte Temperaturen überstehen, bis sie im Frühjahr schlüpfen.

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