Peter Balsam hat aus der Schlosskapelle Remplin einen kulturellen Ort für Kunst und Musik gemacht. Jetzt zieht sich der 7
Peter Balsam hat aus der Schlosskapelle Remplin einen kulturellen Ort für Kunst und Musik gemacht. Jetzt zieht sich der 73-Jährige zurück. Nach der Saison ist hier vorerst Schluss. Wer die „Rempliner Musiktage” hier erleben will, hat am Wochenende die letzte Gelegenheit dazu. Kirsten Gehrke
Beendet

Nach der Saison ist Schluss in Kunstkapelle Remplin

Einst mit großen Visionen nach Remplin gekommen, gibt der Veranstalter jetzt auf. Er will die Schlosskapelle nicht mehr als kulturellen Ort weiterführen.
Remplin

Peter Balsam hat die Schlosskapelle Remplin als historisches Gebäude erhalten und ein kulturelles Zentrum mit Kunst-Galerie und Musik daraus gemacht. Doch jetzt zieht sich der 73-Jährige zurück. Er wird die Schlüssel abgeben und den Mietvertrag kündigen. Wenn am Freitag (5. August) die 10. Rempliner Musiktage eröffnet werden, dann werden es die letzten sein. „Nach zehn Jahren habe ich eine Zwischenbilanz gezogen“, sagt Balsam. Er sieht für sich keine Zukunft mehr, das Objekt weiter zu betreiben. Das hat mehrere Gründe. Zum einen habe es die Unterhaltungsbranche allgemein im Moment schwer, weil der Besucher-Zuspruch nachlasse. Seine Veranstaltungen seien zwar in Coronazeiten auch noch recht gut besucht worden, aber während die Kosten steigen, tun es die Besucherzahlen nicht. Finanziell sei es nicht mehr möglich, die Kunstkapelle offen zu halten.

Verträge mit Künstlern müssten jetzt geschlossen werden

Das erste Mal sei er in der Situation, dass er noch alles bezahlen könne, wenn das Jahr aber zu Ende sei, kein Geld mehr fürs nächste hat. Er müsse aber jetzt Verträge mit den Künstlern machen. Das könne er aber nicht, wenn er nicht wisse, wie er die bezahlen kann. Aufgrund der politischen Situation sei auch nicht davon auszugehen, dass die Massen strömen und Geld für Kultur ausgeben, das sie für ihre Energie-Rechnung brauchen. Zum anderen kommt eine Unsicherheit aus einem Eigentümerwechsel hinzu. Unklar sei, was der neue Eigentümer vorhat, ob er die Kapelle weiter betreiben oder anders nutzen will. Am meisten aber ärgert Balsam, dass es in zehn Jahren in der Region keine Entwicklung im kulturellen Bereich, kein Miteinander gegeben habe. Zwischen Malchin, Teterow und Stavenhagen gebe es kulturell keine überregionale Zusammenarbeit und touristische Entwicklungsperspektive, keine Verbindung zur Müritz. „Wenn man das sieht, was soll ich noch hier“, fragt der 73-Jährige frustriert. Die erhoffte Belebung der Mecklenburgischen Schweiz durch Besuchergruppen, Urlauber, Gäste sei ausgeblieben. „Alle diesbezüglichen Aktivitäten sind ins Leere gelaufen und eine Veränderung oder Verbesserung nicht in Sicht“, so Balsam.

Neues musikalische Format an anderem Ort

Doch ganz will der Berliner die Region nicht verlassen. In reduzierter Form wolle er seine musikalischen Veranstaltungen in der Kulturschule fortsetzen, wie die Blues- und Jazz-Tage. Für Open-Air-Konzerte habe er sich indes ein neues Feld gesucht und gehe damit nach Waren. Dort werde er ab nächstem Jahr im Juni und Herbst Events auf der Nordmole organisieren. Ein Konzert mit der Bruce-Springsteen-Tribute-Band „Bosstime“ am 13. August soll dafür bereits der Einstieg sein. Doch bevor die Rempliner Musiktage an der Müritz mit einer neuen Konzertreihe aus der Taufe gehoben werden, finden sie zum letzten Mal in der Schlosskapelle statt.

 

Rempliner Musiktage:

Freitag, 18 Uhr:

Irisches Duo „Birds of a Feather“, danach die „Four imaginary Boys“ aus Stuttgart, eine Cure-Coverband, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Musik von The Cure möglichst weit zu verbreiten und das gelingt ihnen in erstaunlicher Weise.

Sonnabend, 18 Uhr:

„Verrockte Jungs“ aus Neubrand.

Sonntag, 19 Uhr:

Friedemann Wuttke aus Stuttgart, der in der ganzen Welt unterwegs ist und die Zuhörer mit seiner Spielweise begeistert.

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