Zita Mörke aus Tressow möchte jedem etwas Schönes auf den Weg mitgeben. Wie Blüten „wachsen“ G
Zita Mörke aus Tressow möchte jedem etwas Schönes auf den Weg mitgeben. Wie Blüten „wachsen“ Gedichte an einem Baum in ihrem Vorgarten. Voß
Wie Büten „wachsen“ Gedichte an einem Baum im Vorgarten von Zita Mörke.
Wie Büten „wachsen“ Gedichte an einem Baum im Vorgarten von Zita Mörke. Voß
Poesie am Wegesrand, gepflückt im Vorgarten von Zita Mörke.
Poesie am Wegesrand, gepflückt im Vorgarten von Zita Mörke. Voß S.
Die Verse am Gedichtebäumchen sollen die Leser inspirieren.
Die Verse am Gedichtebäumchen sollen die Leser inspirieren. Voß S.
Frank Poschau aus Grabowhöfe hat für jedes Thema ein eigenes Gedicht parat. Die stecken in einem Briefkasten –
Frank Poschau aus Grabowhöfe hat für jedes Thema ein eigenes Gedicht parat. Die stecken in einem Briefkasten – was für eine schöne Gabe auf den Weg! Silke Voß
Frank Poschau faltet und bebildert seine Gedichte gern.
Frank Poschau faltet und bebildert seine Gedichte gern. Voß S.
Gedichte to go

Wo Volks-Poesie in direkt am Straßenrand wächst

MV ist da, wo dem Wanderer Verse am Straßenrand verabreicht werden, um das Leben poetischer zu machen. Ein Besuch dort, wo es Gedichte zum Pflücken gibt – und in Briefkästen.
Grabowhöfe

Sagenhafte Gegend! Ist es diese Natur, die Poeten das Schreiben lehrt? Sind es Seewellen im Mondenglanz wie Elfentanz? Hügelschwünge wie die sanften Formen einer Frau? Herausragende Schriftstellerinnen wie Sigrid Damm, Angelika Klüssendorf oder Marica Bodrozic haben schließlich aus guten Gründen den Nordosten zu ihrer Schreibheimat auserkoren. Denn hier scheint den wortbegabten Naturwanderer nicht nur unentwegt die Muse zu küssen – hierzulande kann man sogar Gedichte von Bäumen und aus Briefkästen „pflücken“!

Zita Mörke spürt offenbar noch den Geist der romantischen Dichterin Ida von Hahn in Tressow. Gedeihen in anderen Vorgärten Lebensbäume, Kirschlorbeer und Magnolie, so schaukeln bei Zita in dem Dorf bei Ulrichshusen papierne Früchte am Baum ihrer „Freiluftlesegalerie“. Das sind buntgefaltete wetterfeste Zettelchen mit Botschaften für den, der am Gartenzaun vorbeikommt. Beschenkt wird er mit Lebensweisheiten und guten Wünschen auf den Weg, wie man sie noch aus Omas Poesiealbum kennt: Viel von Theodor Fontane, Rainer Maria Rilke, Volksweisheiten.

Zita Mörke möchte in dieser „uninspirierten, prosaischen Zeit“ durch die unkonventionelle „Blütenlese“ mehr Schönheit ins Leben bringen, und zwar „portionsweise wie Himbeeren vom Strauch“. Wie weiterzureichende Samenkörner der Poesie bringt die Lehrerin schöne Zeilen auch zu den Leuten: In eine Warener Schule, in die Malchiner Bibliothek oder in den Japanischen Hain von Schloß Mitsuko Todendorf beispielsweise.

Fast jeden Tag ein neues Gedicht

„Gedichte sind für ich wie Pflanzen“, bekennt Zita Mörke, „sie stellen genauso Geformtes dar, atmen Ruhe und Struktur. Und sie bieten schließlich eine Möglichkeit des Austausches.“ Über deren Inhalt könne man einander auf einer unkomplizierten Ebene begegnen, wie die erfreute Resonanz auf ihr Gedichtbäumchen zeige.

Das freundliche Gespräch unter Menschen, angeregt durch Gedichte, ist auch ein Ansinnen von Frank Poschau. Wer an seinem gelbleuchtenden Haus in Grabowhöfe vorbeispaziert, den lockt eine Bank auf stets frischgeharkter Erde zum Verweilen. Aus einem Kästchen daneben kann man kunstvoll gefaltete Brieflein ziehen. Wer sie entblättert, wird mit einem Gedicht aus Frank Poschaus Feder belohnt. Fast jeden Tag findet sich ein neues Gedicht. Nahezu alles Nachdenkenswerte regt den Ex-Berliner zum Reimen an: Musik, die Liebe, Emotionen, das Allzumenschliche, die Gesellschaft und natürlich die Natur. Mittlerweile passen seine vielen geformten Einfälle in Kisten für jedes Thema: Für Hochzeiten, Reisen, sogar die Feuerwehr.

Heimat und Geborgenheit in MV

„Wir Menschen sind nun mal die einzige Spezies, die über sich selbst reflektieren und das zu einer Kunstform erheben kann“, sinniert der gelernte Maurer. Diese Reflexionen sollen zwar in Kartons lagern, aber nicht für die Schublade geschrieben sein, Austausch ist durchaus erwünscht. Im bunten Wohnmobil tourte der offenherzige Frank Poschau deshalb mit seiner Partnerin durch ganz Europa und verschenkte überall seine Gedichte.

Hier in Mecklenburg aber fühlt er so etwas wie Heimat und Geborgenheit. Jetzt teilt er sich eben auf „sesshafte Art“ mit. Und freut sich, wenn jemand klingelt oder eine Antwort auf seine Tagesverse im Kasten steckt.

Frank Poschau definiert sich dabei als „Volksdichter“: „Mir ist klar, dass das politisch möglicherweise missverstanden werden könnte“, denkt er und will doch vielmehr mit dem aufgrund der schwierigen deutschen Geschichte viel missbrauchten Wort „Volk“ einen spielerischen Umgang pflegen. „Mir geht es dabei im ursprünglichen Sinne um Verbundenheit und Einfachheit, und um das Überwinden von Grenzen untereinander.“

Und so formuliert der „Volksdichter“ in einer seiner Botschaften: „Heimat ist da, wo Du Deine Tür nicht absperren musst, wo Du Lachen hörst und die Mahlzeiten zusammen eingenommen werden. Heimat ist da, wo Vorräte an Kultur und Vertrauen für die Kinder und deren Kinder ausreichen.”

 

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