Die schärfsten Corona-Maßnahmen gelten mitunter in Pflegeheimen. Das stößt auf Kritik in MV. Mehrere Ein
Die schärfsten Corona-Maßnahmen gelten mitunter in Pflegeheimen. Das stößt auf Kritik in MV. Mehrere Einrichtungen fordern jetzt ein Ende der FFP2-Maske. Marijan Murat / Archiv
Altenpflege

Erste Pflegeheime wollen ein Ende der FFP2-Maskenpflicht

Schärfste Corona-Maßnahmen gelten in Pflegeheimen. Das stößt auf Kritik in MV. Mehrere Einrichtungen fordern jetzt ein Ende der Maskenpflicht.
Neubrandenburg

In den Pflegeheimen der Region wird Kritik an den Corona-Maßnahmen immer lauter. Mehrere Seniorenheime sprechen sich jetzt für die Abschaffung der FFP2-Maskenpflicht für Pflegekräfte aus, wie eine Umfrage des Nordkurier ergeben hat. Diese Vorschrift war erst im Oktober vom Bund verlängert worden. Baden-Württemberg und Hessen wenden die Regel dessen ungeachtet nicht mehr an.

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Das permanente Tragen der FFP2-Maske sei für Pflegekräfte trotz Pausen „eine große Belastung” beim Atmen, meint Sylvia Splettstößer, Pflegedienstleiterin im Pflegeheim St. Spiritus Pasewalk. „Es reicht doch, wenn der Bewohner eine FFP2-Maske tragen kann, wenn er dies für erforderlich hält”, sagt sie. Auch ein Wechsel zur medizinischen Maske wäre bereits „eine große Erleichterung”, so Splettstößer.

Verständigungsprobleme mit Bewohnern wegen Masken

Kathi Depoorter vom Ueckermünder Pflegeheim „Haus der Vertrautheit“, das zur Volkssolidarität gehört, nennt die FFP2-Maskenpflicht für das Pflegepersonal „völlig absurd”. Mittlerweile habe sich jede Pflegekraft mindestens einmal mit Corona angesteckt, trotz FFP2-Maske, ob sie geimpft oder ungeimpft sei. Wenn es nach der Einrichtungsleiterin geht, solle die FFP2-Maske daher komplett und ersatzlos abgeschafft werden.

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Es spreche zudem nicht nur das schwerfällige Atmen gegen die FFP2-Maske. Husten und Schnupfen würden gar nicht mehr weggehen, so die Beobachtung der Ueckermünderin. Teils würde sich ein Ausschlag im Gesicht bilden. Die Patienten würden die Pfleger teils gar nicht mehr verstehen.

FFP2-Maske für geimpfte Besucher

Ronald Hinkelmann, Leiter des Teterower DRK-Pflegeheims, findet den Vorschlag, bei Pflegern auf medizinische Masken umzustellen, sinnvoll. Die Mitarbeiter würden ohnehin dreimal pro Woche getestet, um Infektionsketten zu verhindern, so Hinkelmann. „Vollkommen absurd” sei dagegen die Regelung, dass vollständig geimpfte Besucher keine Maske im Pflegeheim tragen müssen. „Die Geimpften können schließlich ebenso Infektionen übertragen”, sagt er und empfiehlt daher allen Besuchern die FFP2-Maske.

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Lars Krychowski, Leiter des Altenhilfezentrums Haus auf dem Lindenberg Neubrandenburg, das vom Diakoniewerk Kloster Dobbertin betrieben wird, ist hingegen dafür, die FFP2-Masken vorerst beizubehalten. Diese sei sinnvoll, um Mitarbeiter zu schützen, weil sie engen Kontakt zu Bewohnern haben.

Er sieht auf der anderen Seite auch Probleme beim Atmen, aber die Maske könne in sinnvollen Situationen abgesetzt werden, um Luft zu schnappen. Wenn im Winter aber „keine schlimme Coronavariante” auftauche, sollte seiner Meinung nach die Maskenpflicht zum Frühjahr aufgehoben werden, findet auch Krychowski.

 

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