Rechtsanwalt Thomas Ehling (links) begrüßte an einem früheren Prozesstag seinen Mandanten, der wie zwei andere
Rechtsanwalt Thomas Ehling (links) begrüßte an einem früheren Prozesstag seinen Mandanten, der wie zwei andere nicht mehr in U-Haft sitzt. Thomas Beigang
Anklage

Mutmaßliche Drogendealer gegen Kaution auf freiem Fuß

Zum ersten Mal seit dem Start der Verhandlung gegen mutmaßliche Rauschgifthändler in Neubrandenburg erscheinen die Angeklagten ohne Bewachung vor dem Richtertisch.
Neubrandenburg

Das Landgericht in Neubrandenburg hat die bestehenden Haftbefehle gegen drei der vier Angeklagten im Prozess wegen des Handels mit Kokain gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Das bestätigte am Donnerstag ein Sprecher des Gerichts auf Nordkurier-Nachfrage. Die drei Männer haben Kautionen in Höhe von 5000, 50 000 und 100 000 Euro zur Sicherheit hinterlegt. Der vierte Angeklagte saß nicht in Untersuchungshaft. Noch vor Weihnachten hatten die Anwälte der Angeklagten die Aussetzung beantragt. Anlass waren die lange Dauer der U-Haft, die Männer schmorten schon seit 13 Monaten hinter Gittern. Die Verhandlung wird am Freitag (8. Januar) fortgesetzt.

Bei einer Razzia geschnappt

Den vier Männern im Alter von 39 bis 59 Jahren wird bandenmäßiger Drogenhandel und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Die Beschuldigten von der Mecklenburgischen Seenplatte – unter anderem aus Rosenow und Stavenhagen – sowie aus Schwerin sollen 2020 größere Mengen Rauschgift in mindestens zwei präparierten Autos aus den Niederlanden geholt und damit gehandelt haben. Sie waren im November 2020 bei einer Razzia des Landeskriminalamtes Mecklenburg-Vorpommerns geschnappt worden, bei der auch zwei Kilogramm Kokain gefunden wurden. Die Vorgehensweise war immer ähnlich, hieß es in der Anklage während des ersten Prozessversuches. Einer der Männer fungierte als der Geldgeber – die Rede ist immer wieder von 32 000 Euro pro Fuhre und einem eingeführten Kilogramm Kokain. Der Mann soll auch über die Kontakte in den Niederlanden verfügt haben. Die anderen waren als Zwischenhändler oder Kuriere tätig. Unterwegs waren sie mit extra für den Drogenschmuggel präparierten Autos, in denen fantasievoll und trickreich Verstecke ausbaut wurden.

Französiche Ermittler fingen Daten ab

Der Fall steht im Zusammenhang mit einer Datenabfangaktion französischer Ermittler, den sogenannten Encrochat-Daten. Die Kryptierungs-Software Encrochat wurde von der organisierten Kriminalität zur Abwicklung illegaler Geschäfte genutzt. Der Dienst galt wegen seiner aufwendigen Verschlüsselung als nicht zu knacken. Der niederländischen und französischen Polizei gelang es aber 2020 die Software zu entschlüsseln und Millionen geheimer Daten abzuschöpfen. Dies führte zu Verhaftungen in ganz Europa.

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