Noch läuft die Produktion im Rempliner Betrieb in gewohnter Weise. 22 Mitarbeiter zählt das Unternehmen.
Noch läuft die Produktion im Rempliner Betrieb in gewohnter Weise. 22 Mitarbeiter zählt das Unternehmen. Thomas Koch
Energiekrise

50.000 Euro Energiekosten – Fleischer fürchtet um seinen Betrieb

Seit 20 Jahren führt Christian Deutscher die Rempliner Fleischerei Farms. Große Sorgen bereiten ihm die steigenden Energiepreise. Doch die sind nicht das einzige Problem.
Remplin

Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, an dem sich der Chef der Rempliner Fleischerei Farms nicht Gedanken machen muss um die Zukunft seines Betriebes. Es ist erst wenige Monate her, da feierte Christian Deutscher gemeinsam mit seinen Angestellten sein 20-jähriges Betriebsjubiläum. Ein schönes Fest soll es gewesen sein, und von Sorgen um die Zukunft war da noch keine Rede. Doch die Situation hat sich gewandelt. Nein, schlaflose Nächte habe er noch nicht, aber Sorge bereite es ihm schon, was da mit den explodierenden Energiepreisen auf das ganze Land und natürlich auch auf sein Unternehmen zukomme.

50.000 Euro Energiekosten pro Jahr

Kaum ein Handwerk sei so energieintensiv wie das Fleischerhandwerk. Strom und Gas werden in Größenordnungen für die Wurstproduktion und natürlich auch für die Kühlung der Waren benötigt. Seit Jahren rangiere Deutschland bei Energiekosten ohnehin schon an der Spitze. In seinem eigenen Betrieb schlägt das jährlich mit zirka 50.000 Euro zu Buche. Da sind die Ausgaben für die Verkaufsfilialen in Malchin, Teterow und Remplin noch nicht einmal mitgerechnet. Noch habe er verbindliche Verträge mit den Versorgern – sollte die Bundesregierung aber die sogenannte Alarmstufe 3 auslösen, seien die nichts mehr wert und die Kosten könnten in einem exorbitanten Maße in die Höhe schnellen, befürchtet Deutscher.

„Wer kauft denn eine Bockwurst für fünf Euro?“

Was das für seinen Betrieb bedeuten würde, das könne sich jeder an fünf Fingern abzählen. Ein kostendeckendes Arbeiten wäre dann nicht mehr möglich. „Diese Preissteigerungen können wir schließlich nicht auf das Produkt umlegen. Wer kauft denn noch eine Bockwurst, die fünf Euro kostet“, sagt Deutscher. Von Berufskollegen wisse er, dass sie ihr Geschäft aufgeben müssen. Wie nahezu alle anderen Wirtschaftszweige ächzt auch das Fleischerhandwerk nicht nur unter den hohen Energiekosten, sondern unter den steigenden Preisen für Dinge, die man für die Produktion benötigt. „Fleisch, Zutaten, Gewürze – das alles ist extrem teuer geworden und mitunter gar nicht mehr zu bekommen“, zählt er auf.

Lesen Sie auch: Restaurant an Malchiner See gibt auf wegen hoher Strom- und Gaspreise

Von der Politik sei er schwer enttäuscht und fordert sie auf, zum einen für Versorgungssicherheit zu sorgen und das auch zu bezahlbaren Preisen. Dass auch die Handwerkskammer ihre Stimme erhebt und lauter als bisher auf die prekäre Situation vieler Betriebe hinweist, auch das wünscht sich Christian Deutscher. In seiner Familie werde in vierter Generation das Fleischerhandwerk betrieben, sein Sohn, der auch im Betrieb arbeitet, soll die Firma einmal übernehmen. Wie sicher das alles noch ist, dahinter stehe derzeit aber ein ganz großes Fragezeichen.

zur Homepage