Über diese Treppe schritten die Schüler jeden Tag in die Erweiterte Oberschule in Teterow. Heute ist hier die Grunds
Über diese Treppe schritten die Schüler jeden Tag in die Erweiterte Oberschule in Teterow. Heute ist hier die Grundschule am Schulkamp untergebracht. Eckahrd Kruse
Teilnehmer des Treffens mit ihren Urkunden.
Teilnehmer des Treffens mit ihren Urkunden. Eckahrd Kruse
Goldenes Abitur

„Abends unter der Bettdecke immer Westradio gehört”

Nach 50 Jahren versammelten sich Abiturienten der Teterower EOS in der Stadt. Viele verließen Teterow für immer, einige blieben der Stadt treu, einige kehrten in die Heimat zurück.
Teterow

Als Ingo Dieckmann zur 9. Klasse an die Erweiterte Oberschule (EOS) nach Teterow wechselte, da musste er gleich ins Internat einziehen. Zu schlecht waren die Busverbindungen von Teterow nach Schrödershof bei Jördenstorf, damit er täglich nach Hause fahren konnte. So blieb er die Woche über in der Unterkunft in der Otimarstraße. „Wir haben abends unter der Bettdecke immer Westradio gehört“, erzählte er am Sonnabend in Teterow. Dort hatte er sich mit mehr als 20 Mitschülern versammelt, um das Goldenen Abitur zu feiern.

„Wir haben genau am 26. Juni 1971 unsere Zeugnisse erhalten“, sagte Wolfgang Herse, der aus Gnoien stammte. 50 Jahre später erhielten die 68- und 69-Jährigen aus der Hand von Bürgermeister Andreas Lange eine Urkunde zum Goldenen Abitur. Anschließend hatten sie eine Stadtführung mit Holger Schröder gebucht und hatten auch selbst viel zu erzählen.

Später als Kollege an die alte Schule

Eigentlich waren es damals 60 Schüler in drei Klassen gewesen, berichtete Herse. Die Französisch-Klasse zählte gerade einmal 17 Schüler. Die anderen beiden Klassen waren etwas größer. Herse erinnerte sich an seinen Raum, der heute Sekretariat ist, und an Direktor Dr. Toboldt mit seiner scharfe Aussprache. Als Pädagoge wurde Herse dann ein Kollege seiner ehemaligen Lehrer. Später arbeitete am Institut für Lehrerbildung in Templin, an der Akademie der pädagogischen Wissenschaften in Berlin und 15 Jahre als Leiter einer Gesamtschule bei Frankfurt/Oder.

Auch der heutige Steinmetzmeister Wolfgang Freese kehrte seiner Heimatstadt den Rücken. Er studierte Verkehrsbauwesen in Dresden, arbeitete beim Tiefbaukombinat Rostock und in Meinigen. Doch dann stand er vor der Entscheidung, ob er den väterlichen Steinmetzbetrieb in Teterow übernimmt oder nicht. „1979 bin ich zurück nach Teterow gekommen“, sagte er. Es sei die richtige Entscheidung gewesen. Er machte seine Lehre und seinen Meister nach. Freese bedauerte aber, dass ihm die Nachfolge durch seine Kinder nicht vergönnt sein wird.

Wieder zurück in die alte Heimat gezogen

Ingeborg Knabe kennen viele Teterower noch aus der Bergring-Apotheke. Sie kam aus Gnoien zur EOS. Sie studierte Pharmazie in Greifswald, war lange in der Ratsapotheke angestellt, bis sie ihre eigene Apotheke gründete und später abgab.

Eveline Ressel ist stolz auf ihre Wohnung im ehemaligen Teterower Gefängnis in der Warener Straße. Sie war Lehrerin in Löcknitz und Chemnitz, bevor sie nach der Wende nach Baden-Württemberg wechselte. „Vor zwei Jahren sind wir nach Neubrandenburg gezogen“, sagte sie. Hier gebe es weniger Staus, mehr Platz und gute Luft.

Ab der 11. Klasse waren dann alle auswärtigen Schüler aus dem Raum Gnoien im Internat. Die Schlafenszeit wurde von 9 auf 10 Uhr verlängert, wusste Ingo Dieckmann. Von 14 bis 16 Uhr war eine Hausaufgabenzeit eingeplant. Um 6 Uhr wurden die Schüler geweckt. Und zu Pfingsten mussten sie die Zimmer ganz räumen. Sie dienten immer als Unterkunft für die Bergringfahrer, sagte der Agrar-Ingenieur, der zuletzt bei Fugema in Malchin angestellt war.

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