Das Motiv des Jahres bildet das von Maria Kleist und Ulrike Ziggel gestaltete Bild mit allen Gessinern.
Das Motiv des Jahres bildet das von Maria Kleist und Ulrike Ziggel gestaltete Bild mit allen Gessinern. zvg/Mittelhof Gessin
Jubiläumsjahr

Alle Gessiner sind im Jubiläums-Logo Teil des Motivs

Wer in diesem Jahr nach Gessin kommt, wird mit einem großen Banner am Ortseingang begrüßt – einem besonders kreativen.
Gessin

Für die 60 Bewohner des kleinen Gessin wird dieses Jahr ein ganz besonderes. Ihr Ort blickt auf eine 775-jährige Geschichte zurück. Mit einem Festgottesdienst in der Kapelle sind sie am Freitagabend in das Jubiläumsjahr gestartet. So außergewöhnlich ihr Dorf ist, so kreativ ist auch das Logo für 2022. Denn alle Bewohner sind Teil des Motivs. Einfach nur ein Dorfbild mit Häusern und Kirche wollten sie nicht. „Es sollten die Leute des Ortes drauf sein“, erklärt Bernd Kleist vom Mittelhof Verein. Seine Frau habe schon immer illustriert, vor allem Kinderbücher als Hobby. Also spitzte Maria Kleist den Stift und malte diesmal einfach mal ihre Nachbarn, manchmal mit einem Foto als Grundlage, meistens aber aus dem Gedächtnis heraus.

Zwei Monate jede freie Minute genutzt

Modell stehen brauchte keiner, das Dorf ist so klein, dass sie alle kannte. Zwei Monate nutzte sie jede freie Minute in ihrer Freizeit, um die Figuren aufs Papier zu bringen. Ulrike Ziggel hat als studierte Grafik-Designerin die kleinen Zeichnungen dann eingescannt und auf ein Banner zusammengebracht. Das haben alle Dorfbewohner vorher zur Ansicht bekommen und wurden gefragt, ob sie einverstanden sind. Schließlich seien gewisse Ähnlichkeiten in den Karikaturen durchaus zu erkennen. „Von überall gab es eine positive Resonanz“, sagt Bernd Kleist. Das Motiv soll die Gessiner nun das ganze Jahr begleiten. An den Ortseingängen werden damit 4 mal 1,50 Meter große Banner aufgehängt, Liedzettel, Plakate, Produkte wie Tassen bedruckt. Trotz Corona-Pandemie wollten die Gessiner ihr Jubiläum nicht untergehen lassen.

Gessin war einst slawisches Gebiet

Dass sie am 14. Januar das Jahr in der Kapelle eröffnet haben, hat einen historischen Hintergrund. Zur Zeit der Christianisierung war Gessin slawisches Gebiet, wo die Zirzipanen lebten. Dort gab es keinen Herrscher oder Fürst, der für die Ausbreitung des Christentums gesorgt hatte. Stattdessen wurde das Kloster Dargun aufgebaut, das die Aufgabe hatte, die slawischen Menschen zu christianisieren. Mönche zogen von Dorf zu Dorf, Kapellen wurden gebaut. Der Pommersche Bischof in Cammin hatte eine Kirchenordnung eingeführt und Hierarchien festgelegt. Malchin wurde Mutterkirche, die Dörfer Tochterkirchen. In der vom Bischof am 14. Januar 1247 unterzeichneten Urkunde stehen daher fünf bis sechs Dörfer, neben Gessin auch Liepen und Basedow.

Durch Zufall erfahren von der Ersterwähnung

Eigentlich war es ein glücklicher Zufall, dass die Gessiner von der Ersterwähnung ihres Dorfes erfahren haben. Wie Bernd Kleist sagt, hatte sie in den 1990-er Jahren die Festschrift zum 825-jährigen Klosterjubiläum von Dargun darauf gebracht. In einer wissenschaftlichen Betrachtung hatte sich eine Slawistin aus Polen mit den Klosterdörfern befasst und erklärt, dass Jacin auf den Wortstamm der Esche zurückgehe. „Da haben wir in der Urkunde des Bischofs herausgefunden, dass wir gemeint sind“ so Kleist. Mit Fotoausstellung, Filmabend, Dorffest wollen die Gessiner das Jubiläum feiern. Während im Auftakt-Gottesdienst Heimatforscher und Pastor a.D. Eckart Hübener insbesondere den historischen Hintergrund der damaligen Urkunde erläuterte, schauten die Gessiner voller Freude auch auf die „Neuzeit“ der Dorfgeschichte zurück.

 

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