So sieht eines der Drachen-Rückenteile aus, die im Klostersee in unregelmäßigen Abständen auftauchen und
So sieht eines der Drachen-Rückenteile aus, die im Klostersee in unregelmäßigen Abständen auftauchen und wieder verschwinden sollen – und das an mehreren Stellen, sodass der Eindruck entsteht, die Kreatur schwimmt im See umher. privat
Drachen-Projekt

Angler wehren sich gegen Darguns See-Ungeheuer

Auch wenn er nur aus Fiberglas ist – der Drache vom Klostersee könnte die Fische vertreiben, befürchtet der Anglerverein. Doch auch an anderer Stelle wirft das Künstlerprojekt jetzt Fragen auf.
Dargun

Das sagenhafte See-Ungeheuer ist noch gar nicht im Klostersee eingetaucht, da droht ihm auch schon Gefahr. Sie kommt von Landseite, genauer gesagt vom Uferrand, dort wo die Angler ihr Glück am Klostersee versuchen. Der Anglerverein „Klostersee Dargun“ ist gar nicht begeistert davon, dass demnächst in seinem Revier ein Drachen hausen könnte.

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Nicht dass die Petrijünger nun befürchten, dass sich das Fabelwesen an Karpfen, Hecht und Zander vergreift. Die Angler treibt eine andere Sorge herum. Der Drache vom Klostersee ist bekanntermaßen ein Künstlerprojekt und besteht im Grunde aus mehreren rotierenden Rückenteilen. Und wenn die sich nun in unregelmäßigen Abständen aus dem Klostersee erheben und wieder verschwinden, dann geht das nicht ganz geräuschlos ab. Zumal Künstler Ian Wiskow auch noch Lautsprecher installieren will, aus denen der Drache dann auch fauchen darf.

Angler haben den Klostersee gepachtet

Solche Töne dürften bei den Anglern für Gänsehaut sorgen. Denn die Drachengeräusche werden die Fische vertreiben, wie sich Klaus Busch vom Vorstand des Anglervereins ziemlich sicher ist. Und deshalb mögen Angler keine Drachen. Die Haltung des Vereins könnte dem Ungeheuer tatsächlich gefährlich werden, denn die Angler sind Pächter des Gewässers und haben damit auch ein bisschen was zu sagen, was den Klostersee angeht. Im Verein macht man sich deshalb bereits Sorgen, dass die Stadt vor lauter Drachen-Euphorie den Pachtvertrag kündigen könnte. Doch daran sei ja nun überhaupt nicht gedacht, versichert Bürgermeister Sirko Wellnitz gegenüber dem Nordkurier.

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In einem anderen Gremium sieht man Darguns künftiges See-Ungeheuer weniger kritisch. Künstler Ian Wiskow stellte sein Fabelwesen am Dienstagabend den Stadtvertretern vor. „Ein sehr interessantes Projekt“, urteilte im Anschluss Bürgervorsteherin Susan Schwebke. „Vielleicht bekommen Sie recht und wir bekommen eine Tourismus-Explosion“, wandte sie sich an den Künstler. Schwebke schlug vor, dass sich nun zunächst einmal die Stadtvertreter-Fraktionen mit dem See-Ungeheuer befassen sollten.

Viel Geld für Installation und Wartung nötig

Eine Entscheidung fasste die Stadtvertretung damit noch nicht. Zumal dann doch einige Bedenken laut wurden, falls die Erwartungen des Künstlers auf steigende Auslastung von Gastronomie und Hotels in Erfüllung gehen sollten. Wenn die Drachen-Fans mit ganzen Bussen in Dargun anreisen, würde das bisschen Gastronomie in der Stadt wohl schnell überfordert sein, meinte die Bürgervorsteherin und fragte: „Sollen die sich dann alle selbst eine Wurst braten?“ Tom Knoche fragte nach den Wartungskosten für den Drachenrücken, die Ian Wiskow mit 2000 Euro im Jahr angab – eine Summe, die die Stadt oder Sponsoren übernehmen müssten.

Doch Bauchschmerzen dürfte den Stadtvertretern vor allem eine andere Zahl bereiten. Die Kosten für sein Drachenprojekt beziffert der Künstler mittlerweile mit etwa 150 000 Euro, wobei jüngste und noch zu erwartende Preissteigerungen darin eingerechnet seien. Der größte Teil des Geldes soll zwar über eine Leader-Förderung zusammenkommen, doch dürfte auch die Stadt einen gewissen Eigenanteil am Drachen vom Klostersee mit zu tragen haben.

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