CORONA-KRISE

Apotheker aus Stavenhagen stellt Desinfektionsmittel her

Mittel für die Desinfektion von Händen sind im Großhandel derzeit eine Rarität. Der Apotheker Hans Kaminski aus Stavenhagen bekam im Februar die letzte Lieferung. Nach einem Abstecher nach Anklam produziert er das Mittel selbst.
Der Inhaber der Stavenhagener Eichen-Apotheke, Hans Kaminski, stellt jetzt selbst Desinfektionsmittel für die Hände
Der Inhaber der Stavenhagener Eichen-Apotheke, Hans Kaminski, stellt jetzt selbst Desinfektionsmittel für die Hände her. Eckhard Kruse
Stavenhagen.

Ein Artikel im Nordkurier hat Hans Kaminski auf eine Idee gebracht. In der vergangenen Woche setzte sich der Inhaber der Stavenhagener Eichen-Apotheke in sein Auto, holte sich einige Kanister Bio-Ethanol aus der Anklamer Zuckerfabrik. Daraus fertigte Kaminski nun Desinfektionsmittel für die Hände und für jedermann. Zum Schutz gegen das Corona-Virus, versteht sich.

Dosierung über dem Richtwert

Desinfektionsmittel sind weiterhin knapp, schilderte der Apotheker. Eine letzte Lieferung von Handdesinfektion habe er Mitte Februar bekommen. Seitdem habe er dieses Mittel nur noch in kleineren Mengen für Pflegedienste und Arztpraxen herstellen können. Doch mit der Möglichkeit, Anklamer Bio-Ethanol zu bekommen, konnte Hans Kaminski nun eine größere Menge produzieren und kann es jetzt auch an die Bevölkerung verkaufen.

„Ich habe in Anklam erst einmal 45 Liter gekauft“, sagte er. Daraus habe er in den vergangenen Tagen durch den Zusatz von destilliertem Wasser 80-prozentiges Händedesinfektionsmittel hergestellt. Er entschied sich für eine Dosierung, die zehn Prozent über dem empfohlenen Wert liegt. „Um sicher zu gehen, dass tatsächlich alle Viren davon abgetötet werden“, erläuterte Kaminski. Der Lösung setzte er nach WHO-Empfehlung (WHO = Weltgesundheitsorganisation) auch noch Glyzerin bei, damit die Hände nicht so stark austrocknen. Außerdem kam noch Wasserstoffperoxyd dazu, damit das destillierte Wasser auch tatsächlich keimfrei wird.

Glasflaschen bitte zurückbringen

Doch auch bei diesen beiden Stoffen sei es nicht so einfach. Auch sie würden laut Kaminski langsam zur Neige gehen. Zahnärzte seien gar nicht so glücklich darüber, dass Wasserstoffperoxid nun so stark nachgefragt ist, meinte Kaminski. Denn die Zahnärzte bräuchten dieses Mittel für Behandlungen. Er vermutet, dass es hier auch bald Engpässe geben könnte. Doch dann werde das Desinfektionsmittel notfalls auch ohne diese beiden Zusatzstoffe hergestellt. Das sei möglich.

Bei den Flaschen für das Mittel ist der Engpass schon da. Normalerweise würden solche Händedesinfektionsmittel in Plastikflaschen angeboten, erläuterte der Apotheker. Doch bei diesen Flaschen, dauere es derzeit sehr lange, bis die Bestellungen geliefert werden. Deswegen verwendet die Apotheke dunkle Glasflaschen. Hans Kaminski bittet die Kunden aber trotzdem, die ausgelieferten Glasflaschen nicht wegzuwerfen und zur Befüllung wieder mitzubringen. Wegen der starken Nachfrage gibt er pro Person nur 100 Milliliter ab.

Mehr als 50 Liter Händedesinfektion hat er nun hergestellt. Er ist sich sicher, dass aber auch andere Apotheken aus der Region in Anklam waren und Desinfektionsmittel selbst produzieren werden. „Für mich war es das erste Mal“, sagte Kaminski.

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Kommentare (1)

Das "WHO-Rezept" ist eine Empfehlung für Dritte-Welt-Staaten. Nun kann man sich ausrechnen, wo wir stehen. Hoffentlich lernen wir daraus, die Produktionsketten lebenswichtiger Grundstoffe und auch Grundnahrungsmittel möglichst klein / regional zu halten.