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Arme Franzosen – Aufs Küsschen wird hier verzichtet

VonKatharina SanderingAm Gymnasium in Teterow geht es wieder international zu. Neun Franzosen lernen hier in drei bzw. sechs Monaten mehr über uns ...

Zurzeit lernen neun französische Schüler aus verschiedenen Gegenden Frankreichs am Teterower Gymnasium. Es sind Stella Douglas, Lena Fichou, Marie Pallot, Louama Mestrot, Aubance Ploquin, Arno Watiez, Asma Rharmaoui (von links) und Jeanne Clement und Paul Bouillon (vorne).  FOTO: Sandering

VonKatharina Sandering

Am Gymnasium in Teterow geht es wieder international zu. Neun Franzosen lernen hier in drei bzw. sechs Monaten mehr über uns Deutsche.

Teterow.„Die Deutschen essen immer!“ Lena und Stella lachen. Natürlich war dies das Erste, was den französischen Austauschschülern aufgefallen ist. So Unrecht haben sie damit ja auch nicht. Wenn man die Schüler im Teterower Gymnasium mal so anschaut, sieht man, dass sie in den Pausen immer ein Brot, etwas Süßes oder auch einen Apfel in der Hand haben. In Frankreich, auch in den Schulen, so sagt Stella, isst man morgens, mittags und abends, aber nie zwischendurch.
Doch das ist längst nicht der einzige Unterschied, der den Franzosen aufgefallen ist. Da wären noch die unterschiedliche Begrüßungsart – hier am Gymnasium gibt’s nun mal keine Küsschen – und natürlich das andere Schulsystem. In Frankreich muss man, außer mittwochs, jeden Tag bis fünf Uhr in der Schule sitzen. Dazu kommen noch ein bis zwei Stunden Hausaufgaben- und Lernzeit. „An unserem Tag ist also nicht so viel dran“, sagt Lena. „Mittwoch dagegen kann man seinen Hobbys nachgehen oder Freunde treffen, da wir da nur bis zwölf Uhr Unterricht haben“, erzählt Stella weiter. Der Unterricht in Frankreich laufe streng nach Lehrplan, es werde weniger diskutiert und weniger in Projekten gearbeitet, als im Teterower Gymnasium. Anders als in Deutschland gebe es in Frankreich mehr Ferientage, und die fast gleichzeitig im ganzen Land.
Rund zwei Monate sind Lena und Stella inzwischen an der Europaschule. Mulmig war ihnen anfangs schon. „Verstehe ich überhaupt etwas?“, „Wie ist meine Gastfamilie?“, „Was passiert in der Schule?“ – solche Fragen haben sie sich anfangs gestellt. Alles kein Problem, sagen sie heute. Eine schlechte Erfahrung allerdings gab es und die lässt die jungen Leute nicht los. Zwei Mädchen aus der Gruppe der französischen Gastschüler wurden in der Stadt mit rechten Parolen beleidigt (der Nordkurier berichtete). Sie überlegten schon, ihr Austauschprogramm abzubrechen, bleiben aber.
In der Schule und in ihren Gastfamilien fühlen sie sich sehr wohl. Insgesamt unternehmen die Familien mit ihnen sehr viel. Lena war zum Beispiel schon in Warnemünde, Schwerin und auf Karls Erdbeerhof. Stella hat zusammen mit ihrer Gastfamilie Rostock, Hamburg und natürlich auch die Teterower Umgebung wie den Ortsteil Pampow mit dem katholischen Jugendhaus erkundet.
Insgesamt lernen zurzeit übrigens neun Franzosen am Gymnasium. Die 14-, 15- und 16-Jährigen sind auf die neunten Klassen verteilt.
Heute steht ein gemeinsames Grillfest bei Volker Hähnlein an. Er ist der verantwortliche Lehrer der französischen Austauschprojekte am hiesigen Gymnasium, fördert diese seit Jahren. „Zwei wichtige Aspekte sprechen für einen längeren Aufenthalt im Ausland. Einerseits der sprachliche – der Lernzuwachs ist in einer natürlichen sprachlichen Umgebung sehr groß. Andererseits der interkulturelle – es ist für die Persönlichkeit eines jungen Menschen wichtig, sich in einer fremden Umgebung zurecht zu finden“, bekräftigt er.