Das Tor zum Bunker Eichenthal ist mit vielen Verbotsschildern versehen. Doch bleibt der Eingang verschlossen. Die Bunkeranlage
Das Tor zum Bunker Eichenthal ist mit vielen Verbotsschildern versehen. Doch bleibt der Eingang verschlossen. Die Bunkeranlage steht zum Verkauf. Torsten Bengelsdorf
Ende des Museumsbunkers

Atombunker nördlich von Gnoien steht zum Verkauf

Die Gegend zwischen Trebel und Warbel verbarg einst eine ganze Reihe von Geheimnissen des Kalten Krieges. Dazu gehörte auch eine streng abgeschottete Bunkeranlage.
Eichenthal

Es war ein gut gehütetes Geheimnis zu DDR-Zeiten: Die kleine Stadt Gnoien im äußersten nordwestlichen Winkel des damaligen Bezirkes Neubrandenburg hatte einen Flugplatz, der von 1973 an bis zur Wende 1989 ständig besetzt war. Viel Betrieb war hier nicht und offiziell durften auch nur wenige davon wissen. Die Grasbahn nahe Warbelow war ein Ausweichplatz für das in Trollenhagen bei Neubrandenburg stationierte Jagdfliegergeschwader und so kam es, dass ganz in der Nähe von Gnoien auch MiG-21 Flugzeuge immer mal wieder zwischenlandeten. Zwei Funkfeuer bei Bassendorf an der Trebel wiesen den Piloten den Weg zu der Landebahn. Die Abgeschiedenheit des Trebeltals schien für die Verteidiger der real existierenden DDR ohnehin von besonderem Interesse zu sein.

Eine Vielzahl von Gerüchten

Nicht weit von Bassendorf – versteckt in einem Waldstück zwischen Behren-Lübchin und Tribsees – ist bis heute eines der Geheimnisse des Kalten Krieges erhalten geblieben. Hier legte sich die DDR in den 1980er Jahren ihren letzten Atombunker an: den Bunker Eichenthal. Im Falle eines Atomschlags sollte hier eine Nachrichteneinheit der Nationalen Volksarmee (NVA) mindestens vier Wochen lang verschlüsselte Meldungen weitergeben. Die Bunkeranlage unterlag der höchsten Geheimhaltung, was eine Vielzahl von Gerüchten zur Folge hatte. U-Boote würden hier gebaut, hieß es gar einmal. Wahrscheinlicher war aber wohl, dass es zwischen dem Reserveflugplatz Warbelow und dem nicht weit entfernten Atombunker in Eichenthal eine Verbindung gegeben haben könnte.

Berliner kaufte das NVA-Erbe im Jahr 2005

„Alles Quatsch, Unsinn“, meint dazu Götz Thomas Wenzel. Der 65-Jährige kennt die Bunkerwelt von Eichenthal ganz genau. Der ehemalige Berliner hatte das NVA-Erbe 2005 erworben und dann zu einem „Museum der dramatischen Art“ umgebaut. Jedes Jahr kamen Tausende Neugierige, um in das erschreckende Szenario eines Atomkrieges einzutauchen. Doch damit ist jetzt Schluss. Das Bunker-Museum hat geschlossen. „Inflation, Corona und den Brückenbau auf der A20“, zählt Wenzel als Gründe dafür auf, dass keine Führungen mehr stattfinden. Schon vor einigen Jahren, als mehrere Verbindungsstraßen in Richtung Eichenthal saniert und damit gesperrt wurden, begann die Zahl der Besucher dramatisch zu sinken.

An sofort bezugsfrei

Die Bunkeranlage steht mittlerweile zum Verkauf. Äußern will sich Götz Thomas Wenzel dazu aber nicht. „Über ungelegte Eier gackere ich nicht“, sagt er nur. Dass seine Immobilie mittlerweile bei ImmoScout24.de auftaucht, kommentiert Wenzel mit den Worten, dass da mal etwas stimme, was im Internet steht. Das Internet-Portal bietet den „funktionsfähigen Atombunker“ für 1,75 Millionen Euro an – drei Etagen, 2200 Quadratmeter Wohnfläche, 17 Hektar großes Grundstück, ab sofort bezugsfrei. Neben den zwei Etagen Tiefbunker gehören fünf Kammern des Hochbunkers sowie Tarn-, Wach- oder Stabsgebäude zu dem Anwesen, dazu immerhin ein Industrie-Glasfasernetz-Anschluss.

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Für Götz Thomas Wenzel, der einst in Berlin unterirdische und zuweilen geheime Bauwerke erforscht und vermessen hatte, war sein Museums-Bunker so etwas wie ein Lebenstraum, der nun zu Ende geht. Wohl deshalb macht er keine großen Worte mehr um die Bunkerwelt von Eichenthal.

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