KEIN DACH, KEIN WC, KEIN KIOSK

Am Bahnhof in Teterow werden Passagiere im Regen stehen gelassen

Wo Reisende ohne WC und Kiosk, ohne Schutz vor Sonne, Staub und Regen auf ihre nächste Verkehrsanbindung warten müssen, da ist Teterow.
Silke Voß Silke Voß
Tanja Reetz aus Jördenstorf wartet gemeinsam mit zwei Frauen auf den Bus. Hoffentlich kommt er bald, denn sie sind Sonne, Win
Tanja Reetz aus Jördenstorf wartet gemeinsam mit zwei Frauen auf den Bus. Hoffentlich kommt er bald, denn sie sind Sonne, Wind, Regen und Staub der Baulaster ausgesetzt. Ein WC und einen Kiosk gibt es hier nicht. Silke Voß
Teterow.

Restaurantbetreiber Tobias Moshack findet instinktiv die passenden zweideutigen Worte. Weil am Provisorium des Busbahnhofs und am Zugbahnhof überhaupt Toiletten fehlen, kämen ständig Suchende in seine Gastronomie im Bahnhofsgebäude, mitunter ganze Busladungen während des „laufenden Geschäfts“, um ihre Notdurft im Lokal verrichten zu dürfen. Da müsse man schon „Druck“ machen, damit sich die unangenehme Situation für die Menschen verbessert.

Wenn Wartende in der Klemme stecken, weil sich nirgends eine Möglichkeit für ihr dringendes Grundbedürfnis findet, suchen sie in ihrer Not auch den Friseursalon „Haareszeit“ im Bahnhof auf, wie Inhaberin Ilka Ackermann bestätigt. „Erst neulich war eine junge Mutter mit ihren kleinen Mädchen bei mir. Denen kann ich natürlich nicht ihre Bitte verwehren“, so die Friseurmeisterin. „Immer wieder kommen Leute und fragen, wo denn hier die öffentliche Toilette sei.“

Kein Unterstand bietet Schutz

Auch in der Galerie im Bahnhof kommt es immer wieder vor, dass Reisende anfragen, ob sie das WC benutzen dürfen. Gastronom Tobias Moshack versetzt sich auch in die Lage von Wartenden im Freien, da momentan keinerlei Unterstand Schutz bietet. „Ich beobachte, dass Leute in der prallen Sonne sitzen.“ Im Freien Wartende werden mangels Unterstand oftmals bei nassem Wetter buchstäblich auch im Regen stehen gelassen.

Doch damit nicht genug. Am Mittwochnachmittag beispielsweise war zu sehen, wie drei Frauen auf der einzigen dortigen Bank sitzend komplett von einem unmittelbar vorbei donnernden Baulaster eingestaubt worden sind – so dass sie kurzzeitig kaum zu sehen waren. Eine von ihnen, Tanja Reetz, schimpft: „Das hier ist echt eine Katastrophe. Nirgends hier oben gibt es eine Toilette, nirgends einen Kiosk, wo man auch mal was zu trinken kaufen kann!“ Ihre Einkäufe müsse die junge Mutter einer fünfköpfigen Familie von den Supermärkten in der Stadt hier hoch schleppen. „Das war vorher besser, da war gleich neben dem Busbahnhof der Supermarkt. Und das alles soll nun noch bis 2022 so gehen, bis der neue Busbahnhof fertig ist?“ fragt sich die Frau, die täglich von Jördenstorf nach Teterow und zurück muss und jeweils von morgens bis abends unterwegs sei, wie sie sagt.

Stadtrat Uwe Rethmeyer kann „nach jetzigem Kenntnisstand kein provisorisches WC“ versprechen. Er verweist auf die öffentlichen Toiletten im Rathaus und am Grünen Weg. Er will sich aber nach dem Sachstand erkundigen, ob nicht doch bis 2022 eine entsprechende Möglichkeit vorgesehen sei.

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