Der Güstrower Heiko Karmoll, Vize-Präsident der Handwerkskammer Schwerin, gratulierte Farid Rahimi und Milad Hossein
Der Güstrower Heiko Karmoll, Vize-Präsident der Handwerkskammer Schwerin, gratulierte Farid Rahimi und Milad Hosseini (von rechts) aus Afghanistan, die in der Teterower Firma Stahl- und Metallbau Manzke den Beruf eines Metallbauers erlernt haben. Christian Menzel
Ausbildung

Aus Syrien geflüchtet und Jahrgangsbester geworden

Kreishandwerksmeister Rainer Müller sprach 29 Lehrlinge frei und erhob sie in den Gesellenstand. Allerdings macht er auch Schwachpunkte aus.
Güstrow

Dreimal wurde der Name von Dirsam Farho bei der Zentralen Freisprechung der Kreishandwerkerschaft Güstrow aufgerufen: Zunächst bekam der Syrer seinen Gesellenbrief als Maler, danach wurde er als bester Azubi in der Maler- und Lackierer-Innung geehrt und schließlich als bester Lehrling des Ausbildungsjahrgangs ausgezeichnet. „Ich freue mich sehr, das ist eine große Ehre für mich“, kommentierte der 24-Jährige bescheiden.

Erst 2014 nach Deutschland geflohen

2014 war Dirsam mit seinen Eltern und drei Geschwistern vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland geflüchtet. „Wir waren sechs Monate unterwegs. Das war eine harte Zeit für uns alle“, schildert der junge Mann. In Bützow fand die Familie eine neue Heimat und alle eine Zukunft: Dirsams große Schwester arbeitet als Krankenschwester, die jüngere besucht die 8. Klasse des Gymnasiums, der ältere Bruder absolviert eine Lehre als Kfz-Mechatroniker. „Das ist ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Integration und das Handwerk hat daran seinen Anteil“, so Heiko Karmoll, Vize-Präsident der Handwerkskammer Schwerin. Mit Milad Hosseini und Farid Rahimi konnten auch zwei afghanische Bürger ihre Lehre als Metallbauer bei der Teterower Firma Stahl- und Metallbau Manzke erfolgreich beenden.

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Insgesamt konnte Kreishandwerksmeister Rainer Müller 29 Lehrlinge in den Ausbildungsberufen Dachdecker, Fahrzeuglackierer, Maler und Lackierer, Tischler, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Metallbauer, Friseure, Kfz-Mechatroniker und Elektroniker freisprechen. Für die Prüfungen gemeldet hatten 38 Lehrlinge. Zwei mussten wegen Krankheit absagen, zwei weitere schafften die Zulassungskriterien nicht. In der Prüfung scheiterten vier Azubis in der Theorie und einer bestand weder den theoretischen noch den praktischen Teil. Insgesamt konnten fünfmal die Note „gut“, 13-mal „befriedigend“ und elfmal „ausreichend“ vergeben werden. „Ein durchschnittliches Ergebnis, das Luft nach oben hat“, kommentierte der Kreishandwerksmeister die erreichten Prädikate. Als Schwachpunkte machte er ein in den allgemeinbildenden Schulen nur unzureichend vermitteltes Grundlagenwissen und eine von den Meistern oft beklagte fehlende Leistungsbereitschaft der Lehrlinge aus.

Nur wenige machen Ausbildung zum Friseur oder Kosmetiker

Dennoch rief Müller die jungen Leute auf, unter ihresgleichen für einen Handwerksberuf zu werben. „Das Handwerk ist modern aufgestellt. Es sind neue Technologien eingezogen und es hat Zukunft“, versicherte er. Unterdessen hat das neue Ausbildungsjahr begonnen. „Stolz sind wir auf die Dachdecker, da konnten wir zehn Prozent mehr Lehrverträge als im Vorjahr abschließen. Traditionell stärker besetzt sind wieder die Kfz-Mechatroniker. Sorgen bereitet uns schon seit Jahren die Ausbildung von Friseuren und Kosmetikern. Da haben wir relativ wenig Lehrlinge. Und die Situation hat sich durch Corona noch verschärft“, schätzte Ulf Gudacker, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Güstrow, ein.

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