Kinderkrippe

Awo-Kita in Dargun will Einjährigen nicht betreuen – wegen einer Allergie

Eine junge Mutter hat endlich einen Job in Nähe ihres Wohnortes bekommen, kann aber nicht arbeiten, weil ihr Sohn nicht in die Awo-Kita darf. Der Träger erklärt warum.
Eine Darguner Mutter kann ihren Job nicht antreten, weil die Awo-Kita ihren 1-jährigen Sohn mit einer Allergie nicht aufn
Eine Darguner Mutter kann ihren Job nicht antreten, weil die Awo-Kita ihren 1-jährigen Sohn mit einer Allergie nicht aufnehmen will. Kirsten Gehrke
Dargun

Die 40-jährige Sandra Ahlfeld aus Dargun muss ihren einjährigen Sohn Oskar dringend in einer Kinderkrippe unterbringen, damit sie ihren Job antreten kann. Soweit, so problemlos. Sogar einen Eingewöhnungstag gab es schon in der Awo-Kita „FreiRaum”. Doch die Krippe besuchen darf Oskar nicht. Bei ihm zeigte sich an jenem Tag eine Allergie gegen Hühnereiweiß. Er lief rot an, die Lippen schwollen an und er röchelte. Ab sofort sind verschiedene Speisen für ihn tabu. Der Krippenplatz aber offenbar auch.

Kein anderer Platz für Oskar

Zuviel für die Kita? Die Ärzte gaben Oskar sogar noch einen Notfall-Pen, also eine automatische Spritze, mit; außerdem Attest, Tropfen, Zäpfchen. Der Pen muss nur eingesetzt werden, wenn Oskar durch eine weitere allergische Reaktion erneut Atemnot bekommen sollte. Die Kita bekam sogar einen Notfallplan; und eine Einweisung hätte sie auch noch erhalten.

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Was ist also das Problem? In der Kita habe man ihr gesagt, dass die Erzieher keine Medikamente geben dürfen. „Mein Sohn ist bestimmt nicht der erste mit einer Allergie“, sagt Sandra Ahlfeld. Ein Pen sei leicht zu handhaben: „Das kann jeder Praktikant bedienen.“ Wenn man aufpasst, könne der Ernstfall verhindert werden. Sonst sei das Set dazu da, dass man dann schnell handeln könne. Verantwortung hätten Erzieher doch immer, sei es, wenn ein Kind von der Rutsche springt, stolpert oder etwas in den Mund steckt, sagt Sandra Ahlfeld.

Der abgesagte Kita-Platz bringt Sandra Ahlfeld in eine missliche Lage. Die Familie muss mit dem einem Gehalt ihres Mannes auskommen, sie riskiert, ihren Job wieder zu verlieren, und bisher hat sie keinen anderen Kita-Platz für Oskar. Acht Einrichtungen in und um Dargun habe sie abtelefoniert. Alle hätten zwar kein Problem mit der Allergie ihres Sohnes, aber keinen Krippenplatz frei. „Alle sind voll“, sagt die 40-Jährige. Vielleicht ab Januar werde ein Platz in Demmin frei. Der liege dann genau entgegengesetzt zu ihrem Weg zur Arbeit.

Awo-Kita kann Betreuung nicht verantworten

Die Awo hat unterdessen ihr Vorgehen verteidigt. Letztlich ist die Betreuung für Oskar wohl zu intensiv. Wie Pressesprecherin Linda Baß erklärte, sei es der Awo seit vielen Jahren ein Anliegen, auch Kinder mit Behinderungen oder gesundheitlichen Einschränkungen in ihren Einrichtungen zu betreuen. Es gibt sogar eine Diätassistentin und spezielle Gerichte für einzelne Kinder. Aber eben für ältere Kinder. Ein Betreuer in der Krippe müsse zeitgleich auf sechs Kinder acht geben; manche sogar noch füttern.

Da erst im Zuge der Eingewöhnung des kleinen Jungen die Hühnereiweiß-Allergie bekannt geworden sei, habe es Gespräche mit Eltern, Kinderärztin, Träger, Fachaufsicht des Jugendamtes und dem gesamten Einrichtungs-Team gegeben, um alle relevanten medizinischen, konzeptionellen, pädagogischen Aspekte sowie spezifischen Bedingungen, unter anderem die altersmäßige Zusammensetzung dieser Krippen-Gruppe zu beleuchten, heißt es von Pressefrau Baß. Eine zusätzliche Integrationskraft für Oskar hätten seine Eltern abgelehnt, so Baß. Letztlich habe das Kita-Team entschieden, die Betreuung für Oskar nicht verantworten zu können.

Allerdings nehme die Kita Oskar gern als Kindergartenkind auf. Doch dafür sieht Sandra Ahlfeld das Vertrauen zu sehr zerstört.

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