In der Stadtmühle wird es für Bewerber künftig einen Einstellungstest geben.
In der Stadtmühle wird es für Bewerber künftig einen Einstellungstest geben. Nadine Schuldt
Der Vertrag mit der Spedition Schroeder war schon fertig. Doch die Azubis kamen nicht zur Unterzeichnung.
Der Vertrag mit der Spedition Schroeder war schon fertig. Doch die Azubis kamen nicht zur Unterzeichnung. Nadine Schuldt
Ausbildung

Azubis kommen einfach nicht zur Vertragsunterzeichnung

Anfang August ist das neue Ausbildungsjahr gestartet. Für Unternehmen wird es immer schwieriger, Kandidaten zu finden. Ein Teterower Gastronom hat nun eine Idee.
Teterow

Wie trennt man das Eigelb vom Eiweiß? Wie sieht eine Sellerie aus? Und was ist überhaupt ein Schneebesen? Fragen, die künftig in einem Einstellungstest von Helge Apelt vorkommen könnten. Mit dem Test will der Betreiber der Teterower Stadtmühle ausloten, ob mögliche Bewerber für einen Ausbildungsplatz entsprechende Grundkenntnisse mitbringen oder auch schon mal zu Hause das ein oder andere Gericht gekocht haben. „Viele Kandidaten wissen auch einfach nicht, was hinter einer gastronomischen Ausbildung steckt“, hebt Helge Apelt hervor. Die Lager-Wirtschaft, die Vorbereitung der Rohstoffe und auch die Arbeit am Wochenende sind nur einige Punkte, die zu einer gastronomischen Lehre gehören. Sehr oft habe er schon die Erfahrung gemacht, dass viele junge Leute diesen Job gar nicht machen wollen und die Ausbildung im Laufe der Zeit mitunter auch abbrechen. Wegen der immer noch unsicheren Corona-Situation habe er in diesem Jahr erst gar keine Ausbildungsplätze angeboten. Höchstwahrscheinlich wären sie auch unbesetzt geblieben. „Es gibt keine Bewerbungen“, schildert Helge Apelt.

Bewerbereingang sehr übersichtlich

Anfang August ist in vielen Betrieben das neue Ausbildungsjahr gestartet. Doch nur bei den wenigsten Teterower Unternehmen scheinen alle Lehrlingsstellen voll besetzt zu sein. So war beispielsweise auch bei der Teterower Spedition Schroeder der Bewerbungseingang sehr übersichtlich. „Wir hatten zwei Bewerber, die wir nehmen wollten“, erzählt Jan Schroeder, einer der beiden Geschäftsleiter. Doch als es zur Vertragsunterzeichnung kommen sollte, seien die beiden Kandidaten einfach nicht erschienen. Warum, das könne er nicht sagen, schiebt Schroeder hinterher. „Wenn man Glück hat, bekommt man noch eine E-Mail, aber meist gibt es keine Erklärungen“, sagt er. Dass Jugendliche eine Lehrstelle absagen, sei schon des Öfteren vorgekommen. „Viele Jugendliche merken dann erst, dass richtige Arbeit doch etwas anderes ist und man acht Stunden vor Ort sein muss“, meint der Speditionschef.

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Auch John Dünninghaus vom gleichnamigen Teterower Gartenmarkt hat mit einem Bewerbermangel zu kämpfen. „Vor zwei Jahren hat die letzte Auszubildende ausgelernt“, blickt er zurück. Seitdem habe er keinen Lehrling mehr eingestellt. Das habe nicht nur mit unzureichenden Bewerbungen zu tun, sondern auch mit einem Faible für den Beruf des Floristikers. „Dieser Beruf erfordert viel Kreativität“, betont der Teterower. So gebe es Leute, die es einfach drauf haben und andere wiederum nicht so sehr.

Viele sind nicht mehr in der Natur unterwegs

In seinen Augen mache auch der hohe Konsum von Handy und Sozialen Medien vieles kaputt. „Viele Kinder und Jugendliche sind nicht mehr in der Natur unterwegs und besitzen auch kaum noch handwerkliche Fähigkeiten“, sagt John Dünninghaus. Um künftig doch wieder Lehrlinge zu gewinnen, wolle er im nächsten Jahr wieder mehr Werbung machen, ergänzt er.

Helge Apelt verzichtet darauf, Auszubildende zu werben. „Ich baue auf ältere Mitarbeiter“, sagt der Stadtmühlen-Chef. Sie seien verbindlich, belastbar und wissen, dass sie Geld zum Leben verdienen müssen, macht er deutlich.

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