Verkauft wird am Donnerstag, die Lichter bleiben aber aus im Geschäft der Bäckerei Jaretzke in Teterow. Und nicht nu
Verkauft wird am Donnerstag, die Lichter bleiben aber aus im Geschäft der Bäckerei Jaretzke in Teterow. Und nicht nur dort. Die Bäckereien sehen die Preisexplosionen als existenzbedrohend. NK-Montage/Foto: Thomas Koch
Explodierende Kosten

Bäckereien schlagen Alarm und knippsen das Licht aus

Alarm wegen steigender Preise und fehlender Entlastung: Am Donnerstag gehen in der Mecklenburgischen Schweiz in vielen Bäckereifilialen die Lichter aus.
Teterow

Mit der Feierstimmung war es ziemlich schnell vorbei. Noch am Sonnabend hatte sich Bäckermeister Olaf Jaretzke darüber gefreut, dass mit der Veranstaltung „Teterow offen“ endlich mal wieder was los ist in der Innenstadt. Die Plätze vor seinem Geschäft in der Malchiner Straße waren besetzt, die Leute glücklich und zufrieden. Der Bäckermeister auch.

Keine Hilfe für die Bäckereien

Einen Tag später war der Teterower Handwerker aber wieder in der Realität angekommen. Die Bundesregierung stellte in Berlin ihr sogenanntes Entlastungspaket vor und Jaretzke stellte schnell fest, dass es für seine Zunft kaum Hilfe geben wird. Jetzt reicht es den Betrieben der Branche offenbar. Am morgigen Donnerstag sollen in vielen Bäckereien in ganz Norddeutschland den ganzen Tag über die Lichter in den Verkaufsstellen ausbleiben.

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Mit der Aktion wolle man ein unmissverständliches Zeichen setzen an die Politik, sagt Jaretzke. „Denn erst geht das Licht in den Verkaufsstellen aus und irgendwann auch der Ofen“, befürchtet er und macht sich große Sorgen darum, wie er angesichts explodierender Kosten für Strom und Gas das eigene Geschäft noch führen soll. In den vier Filialen seiner Bäckerei in Teterow, Malchin und Jördenstorf bleiben morgen den ganzen Tag die Lichter aus. Verkauft werde aber trotzdem.

„Was jetzt auf uns zukommt, ist existenzbedrohend”

Im gut zwanzig Kilometer entfernten Stavenhagen schließt man sich der Aktion des Norddeutschen Bäckerhandwerks an. Sechzehn Filialen betreibt die Bäckerei Hatscher in Mecklenburg-Vorpommern, auch die bleiben am Donnerstag finster. Wegen der Corona-Krise arbeite man schon seit zwei Jahren im Krisenmodus. „Aber was jetzt auf uns zukommt, das hat noch eine ganze andere Qualität und ist existenzbedrohend“, sagt Christoph Hatscher. Die Vorauszahlung für die Stromversorgung habe sein Unternehmen schon verdoppelt. Ob das allerdings reichen wird, dahinter stehe ein großes Fragezeichen. Dabei habe man schon in der Vergangenheit immer alles daran gesetzt, Energie möglichst effizient einzusetzen, habe ein eigenes Energiemanagement im Betrieb, das immer wieder alles auf den Prüfstand stellt. Aber irgendwann seien die eigenen Möglichkeiten ausgereizt.

Auch Hatscher kritisiert, dass im jetzt vorgestellten Entlastungspaket die Bäckerzunft außen vor bleibt. Was schwer zu verstehen sei. Schließlich würden ja auch Betriebe unterstützt, die Wermutwein und Tapeten produzieren. Mit der „Licht aus“-Aktion will das Norddeutsche Bäckerhandwerk ein Zeichen setzen und die Bundesregierung dazu auffordern, die Preise für Energie zu deckeln. „Sonst gehen in vielen Betrieben nicht nur die Lichter, sondern tatsächlich auch die Backöfen aus“, ist Olaf Jaretzke überzeugt.

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