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Bauern in der Kuh-Krise

So ein Käse: Dirk Schröder vom Gut Jürgenstorf und seine tierischen Schützlinge bekommen immer weniger Geld für ihre Leistung. Am russischen Embargo liege das aber nicht.
So ein Käse: Dirk Schröder vom Gut Jürgenstorf und seine tierischen Schützlinge bekommen immer weniger Geld für ihre Leistung. Am russischen Embargo liege das aber nicht.
Iris Diessner

Warum ist die Milch auf einmal weniger wert? Die Milchbauern der Region müssen Federn lassen. Dass einige Molkereien nun Putin und der Ukraine die Schuld geben, verärgert die Landwirte. Die Milch-Krise, sagen sie, hat ganz andere Gründe.

Matthias Hantel ist sauer. „Für alles muss dieses Russland-Embargo herhalten“, schimpft der Vorsitzende des Bauernverbandes Güstrow. Dahinter versteckten sich die Verantwortlichen, wenn es um die gesunkenen Milchpreise geht, ist er überzeugt. Hantel, der den Milchhof Alt Sührkow leitet, verweist darauf, dass der Anteil von Milchprodukten, die aus dem Land früher nach Russland geliefert wurden, gerade einmal drei Prozent betrug. Der Preisverfall bei der Milch belaufe sich aber auf 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Jetzt werden 33 Cent pro Kilogramm von den Molkereien des Deutschen Milchkontor (DMK) bezahlt. Dazu gehören hier die Molkereien in Dargun, Altentreptow und Waren.

Die Rechnung gehe doch nicht auf, meint er. „Ich bin richtig wütend, wenn ich daran denke, wie die Molkereien noch im vergangenen Jahr die Milchbauern aufgefordert haben, soviel Milch wie möglich zu produzieren“, sagt er. Bei den guten Preisen hätten die das natürlich auch getan.

Guter Preis, große Herde

Das bestätigt Dr. Heike Müller, die Geschäftsführerin des Bauernverbandes Malchin. „Das führte bei manchem dazu, dass er jedes Tier, das noch 15 Liter Milch am Tag gab, in der Herde gelassen hat“, weiß sie. Sei ja verständlich. Die Zeit des sehr guten Milchpreises hätte allerdings nicht ausgereicht, um mit den Mehreinnahmen fällige Investitionen zu tätigen, wirft Matthias Hantel ein. Er denke da zum Beispiel an die Gülleverordnung, die für viele bedeutet, ihre Güllelager zu vergrößern.

Aber schon Anfang des Jahres habe sich abgezeichnet, dass der Milchpreis nicht weiter über 40 Cent liegen werde, gibt Dirk Schröder, der Geschäftsführer der Gutshof Jürgenstorf GmbH zu bedenken. Von Januar bis zum 30. Juni seien 39 Cent je Kilogramm gezahlt worden, ab Juli dann 37 Cent. Das russische Embargo gelte ja erst seit dem 7. August. Von da an bis jetzt sei allerdings die Zeit viel zu knapp gewesen, um nach neuen Absatzmöglichkeiten zu suchen.

Ein Problem kommt aus dem Westen

Es stimme schon, so Schröder, dass der Milchprodukte-Export nach Russland nur wenige Prozent betrage. Eine veränderte Technische Richtlinie (TR) hatte dafür gesorgt, dass in Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel nur noch die Molkerei in Waren nach Russland liefern durfte. Aber aus ganz Europa gingen 265 000 Tonnen Käse nach Russland. „Zum Beispiel ist Holland stark betroffen“, sagt Dirk Schröder. Die dortigen Produzenten drängten nun auch auf den deutschen Markt.

Klar, dass jetzt hier wieder ein Unterbieter-Wettbewerb im Handel losgehe. Das Russland-Embargo sei, so formuliert es Schröder, auf einen abschwingenden Markt getroffen und habe dort als Beschleuniger gewirkt. „Ich glaube aber, dass 2014 im Durchschnitt immer noch ein Jahr sein wird, mit dem wir leben können“, sagt Dirk Schröder. 2015, das sei das große Fragezeichen.