MOBILE KÄSEREI GESTARTET

▶ Bauern können sich jetzt eigenen Käse herstellen lassen

Die erste mobile Käserei in Mecklenburg-Vorpommern ist gestartet. Landwirte können ihre Milch jetzt direkt auf dem Hof verarbeiten und ihren eigenen Käse vermarkten. Doch eine Hürde gibt es da noch.
Aus der mobilen Käserei auf den Präsentiertisch: Anja Hansen (r.) gibt Henriette Gaede ein Brett mit verschiedenen Käsesorten heraus.
Aus der mobilen Käserei auf den Präsentiertisch: Anja Hansen (r.) gibt Henriette Gaede ein Brett mit verschiedenen Käsesorten heraus. Jens Büttner
Anja Hansen (links) und Henriette Gaede präsentieren den ersten Alt Sührkower Hofkäse, hergestellt in ihrer Mob
Anja Hansen (links) und Henriette Gaede präsentieren den ersten Alt Sührkower Hofkäse, hergestellt in ihrer Mobilen Käserei direkt auf dem Milchhof Alt Sührkow. Kirsten Gehrke
Diplom-Biologin Anja Hansen lenkt die Käseharfe die die dickgelegte Milch, Gallerte, im Kessel schneidet. Dder entstanden
Diplom-Biologin Anja Hansen lenkt die Käseharfe die die dickgelegte Milch, Gallerte, im Kessel schneidet. Dder entstandene Käsebruch wird dann gewaschen, die Molke teils abgesogen. Danach muss die Masse eine weitere Stunde gerührt werden, bevor sie in Formen gegossen werden kann. Kirsten Gehrke
Anja Hansen füllt Käsebruch in der ersten mobilen Käserei in Mecklenburg-Vorpommern in Formen.
Anja Hansen füllt Käsebruch in der ersten mobilen Käserei in Mecklenburg-Vorpommern in Formen. Jens Büttner
Wenig später holt Anja Hansen einen frisch geformten Käse aus der Form heraus.
Bei Matthias Hantel durften die Gäste den ersten Alt Sührkower Hofkäse probieren. Auf seinem Milchhof soll jetz
Bei Matthias Hantel durften die Gäste den ersten Alt Sührkower Hofkäse probieren. Auf seinem Milchhof soll jetzt regelmäßig die Mobile Käserei Kentzlin den Alt Sührkower Hofkäse produzieren. Kirsten Gehrke
Käse aus Alt Sührkower Milch
Käse aus Alt Sührkower Milch Kirsten Gehrke
Alt Sührkow.

Viele Monate haben Anja Hansen und Henriette Gaede auf diesen Tag hingearbeitet. Jetzt können die beiden Frauen mit ihrer „Mobilen Käserei Kentzlin” zu den Milchbauern im Land auf die Höfe rollen. Es ist die erste in Mecklenburg-Vorpommern, die am Donnerstag in Alt Sührkow offiziell eröffnet wurde. Bei der dortigen Milchhof AG haben sie den ersten Käse produziert.

Der Lkw mit Kofferaufbau, ein speziell ausgebauter 7,5-Tonner, hat eine komplette Käserei an Bord mit zwei Käsekesseln, Abtropfwannen, Rührtechnik, Käseharfe, Formen, Pressvorrichtungen, Schläuche.Seit Juli lief der Probebetrieb. Doch eine Hürde muss noch genommen werden. Die Reiferäume in Kentzlin müssen noch so hergerichtet werden, um die EU-Zulassung für die Vermarktung zu bekommen. Erst dann dürfen die Bauern ihren Käse verkaufen. Im November werde die Käserei voraussichtlich dann richtig durchstarten können.

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Zusammenarbeit soll Ansporn sein

„Viele kleinere milcherzeugende Betriebe in und um die Mecklenburgische Schweiz herum können sich eine eigene Käseherstellung nicht leisten”, erklärte Olaf Pommeranz, Regionalmanager der Leader-Gruppe „Güstrower Landkreis”. Hinzu kämen die strengen Regeln an Hygiene, Baustandards und Fachwissen. Die Mobile Käserei könne nun diese Dienstleistung den Landwirten anbieten. Vor Ort werde der Käse auf den Höfen hergestellt und komme zur weiteren Verarbeitung in klimatisierte Reiferäume an den Standort Kentzlin.

In Kooperation mit der Leader-Gruppe „Demminer Land” sei das Projekt mit 98.150 Euro für das Fahrzeug gefördert worden. Aus dem Vorpommerntopf komme Geld für die Reiferäume, erklärte Matthias Hantel, Vorsitzender der Leader-Gruppe Güstrow und Geschäftsführer der Milchof AG Alt Sührkow. Das Konzept habe sofort überzeugt. Gebietsübergreifend solle diese Zusammenarbeit Ansporn sein. „Wir haben uns nicht schwer getan zu fördern”, meinte er. Statt vieler kleiner verstreuter Hofkäsereien mit eigener ausgebildeter Fachkraft werde mit der Mobilen Käserei eine Struktur ähnlich der mobilen Mostereien geschaffen.

Rund 250000 Euro investiert

Mit dieser Anschubfinanzierung sowie der Förderung von zwei Arbeitsplätzen aus dem EU-Sozialfonds könne das neue Unternehmen gut starten, meinte Friedrich von Waldthausen, einer des vierköpfigen Gründungsteams der Käserei. Rund 250 000 Euro sei in das Projekt investiert worden. Dies sei auch ein weiterer Schritt in der regionalen Entwicklung, sagte indes Antje Adjinski, Abteilungsleiterin des Staatliches Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg. Der Verbraucher erfahre, woher die Milch für den Käse kommt, den er im Dorf- oder Hofladen kaufen kann.

Der Käse sei ein Rohmilchprodukt, etwas Besonderes, sagte Anja Hansen. „Eigentlich eine Delikatesse.” Wenn die Milchqualität stimme. Unterdessen wolle man eine Eigenmarke entwickeln, um Bauern Käse abzunehmen, die den nicht selbst auf ihren kleinen Höfen vermarkten können. Zudem schwebt Anja Hansen vor, den „Tollenser” und „Tiefländer” wiederzubeleben. Beides seien so genannte rot geschmierte Käse, einer würzig, der andere milder. Solche geografisch geschützte Namen gebe es nur wenige in Deutschland. Früher waren diese Käse in der Region hergestellt worden, wie im alten Käsewerk Altentreptow.

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