BAHNBRÜCKE WIRD ERNEUERT

Baustraße ebnet Weg zu monatelanger Gleissperrung

112 Jahre nach ihrem Bau wird ab September die Bahnbrücke über den Dahmer Kanal durch eine neue Konstruktion ersetzt. Drei Monate lang fährt dann kein Zug mehr zwischen Teterow und Stavenhagen.
Torsten Bengelsdorf Torsten Bengelsdorf
Die Baustraße zur Bahnbrücke endet mitten auf dem Bahnübergang am Pisedeer Damm. Damit sich die Baufahrzeuge mit den Zügen
Die Baustraße zur Bahnbrücke endet mitten auf dem Bahnübergang am Pisedeer Damm. Damit sich die Baufahrzeuge mit den Zügen nicht in die Quere kommen, ist eine Ampel aufgestellt, die ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma bedient. Torsten Bengelsdorf
Die aus dem Jahr 1907 stammende Bahnbrücke über den Dahmer Kanal hat ausgedient.
Die aus dem Jahr 1907 stammende Bahnbrücke über den Dahmer Kanal hat ausgedient. Torsten Bengelsdorf
Malchin.

Wenn hier das rote Signallicht erst einmal blinkt, ist Geduld angesagt. Der Bahnübergang am Pisedeer Damm ist berüchtigt für seine langen Schließzeiten. Wer vor den geschlossenen Schranken steht, kann aber seit einigen Tagen Erstaunliches beobachten. Ausgerechnet zwischen den beiden Schlagbäumen zweigt eine Fahrbahn ab, die parallel zum Bahngleis in Richtung Teterow verläuft. Alle halbe Stunde, wenn sich ein Zug ankündigt, kommt ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma aus seinem Auto und stellt eine Ampel auf Rot, damit dann niemand aus dem neuen Fahrweg in Richtung Gleisbett abbiegen kann. Ist der Zug durch, gibt es wieder Grün und der Sicherheitsmann kehrt zu seinem Auto zurück. Die neue Straße auf dem alten Gleisbett nach Dargun ist nun aber keinesfalls für jedermann gedacht, sondern nur für Baufahrzeuge, für die es keinen anderen Weg zur alten Bahnbrücke über den Dahmer Kanal gibt.

Die zweigleisige Stahlbrücke wird ab Anfang September zu einer größeren Baustelle, die den Zugverkehr zwischen Teterow und Stavenhagen mindestens bis in den Dezember hinein lahmlegen wird. Für 3,5 Millionen Euro lässt die Bahn das Bauwerk aus dem Jahr 1907 zunächst abtragen und dann durch eine eingleisige Brücke ersetzen. Die letzten Gleisreste auf der längst stillgelegten Strecke nach Dargun werden dann an dieser Stelle auch verschwinden, womit dann alle Pläne für eine touristische Nutzung des alten Bahndamms von Salem nach Malchin endgültig vom Tisch wären.

Der Brückenbau ist für die Bahn eine besondere Herausforderung. Die Baustraße führt nämlich mitten hinein in ein streng geschütztes Biotop. Und so müssen an der Brücke vor und während der Bauarbeiten immer wieder Amphibien und andere Kleintiere eingesammelt und umgesiedelt werden. Für Biber und Fischotter werden zudem Leiteinrichtungen aufgestellt, damit sich die Tiere nicht in die Baustelle verirren können.

Und dann waren im Frühjahr auch noch Berichte aufgetaucht, nach denen zum Kriegsende von einem Zug heraus jede Menge Munition einfach von der Brücke in den Kanal geworfen sein soll. Auch darauf muss nun bei den Bauarbeiten geachtet werden, zumal auch die beiden noch erhalten gebliebenen Widerlager einer früheren Brücken-Konstruktion abgerissen werden sollen. Dieses Mauerwerk stammt noch aus den Anfangsjahren der Eisenbahnverbindung Güstrow-Malchin-Neubrandenburg, die im Jahr 1864 eingeweiht worden war.

Die Bahn wird voraussichtlich ab 7. September wegen des Brückenbaus Busse statt Züge zwischen den Bahnhöfen Teterow und Stavenhagen einsetzen, wie das Unternehmen mitteilt. Die Vollsperrung der Strecke wird nämlich zugleich für Oberbauarbeiten und für den Neubau von Durchlässen auf diesem Abschnitt genutzt. Zum Fahrplanwechsel im Dezember soll der Zugverkehr dann wieder rollen.

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