FILMDREH

Als Gojko Mitic auf dem Pferd durch Stavenhagen preschte

Vor 39 oder 40 Jahren entdeckten ZDF und ORF den Stoff von Reuters „Franzosenzeit”. Sie ließen einen Film drehen. Dabei spielten viele Stavenhagener mit.
Der Schauspieler Gojko Mitić war 1981 schon zu einem Filmdreh in Stavenhagen. Am Freitag liest er mit dem Autor Eberhard G&ou
Der Schauspieler Gojko Mitić war 1981 schon zu einem Filmdreh in Stavenhagen. Am Freitag liest er mit dem Autor Eberhard Görner aus einem Buch über den Vater des amerikanischen Luthertums. Patrick Pleul
Wolfgang Stiebel erinnert sich auch heute noch gern an die außergewöhnlichen Tage im Jahr 1981 (links), als er im F
Wolfgang Stiebel erinnert sich auch heute noch gern an die außergewöhnlichen Tage im Jahr 1981 (links), als er im Film Mit Gojko Mitic mitwirkte. Sammlung Stiebel/Eckhard Kruse
Solche Fotos sind rar: Wolfgang Stiebel war beim Film Franzosenzeit von ZDF und ORF einer von vielen Komparsen aus Stavenhagen
Solche Fotos sind rar: Wolfgang Stiebel war beim Film Franzosenzeit von ZDF und ORF einer von vielen Komparsen aus Stavenhagen. Er mimte einen starken Schausteller, der Ketten zerreißen konnte. Sammlung Stiebel
Dietrich Krüger erinnert sich noch gern an die außergewöhnlichen Tage.
Dietrich Krüger erinnert sich noch gern an die außergewöhnlichen Tage. Eckhard Kruse
Als betrunkener General hatte sich Dietrich Krüger gegen einen der Pfeiler am Museumseingang legen müssen.
Als betrunkener General hatte sich Dietrich Krüger gegen einen der Pfeiler am Museumseingang legen müssen. Eckhard Kruse
Stavenhagen.

Es war 1980 oder 1981. Gojko Mitic preschte auf dem Pferd durch die Straßen von Stavenhagen. Der Schauspieler hatte dieses Mal keine Indianer-Kriegsbemalung aufgetragen. Stattdessen mimte er in der Literaturverfilmung von ZDF und ORF „Aus der Franzosenzeit“ nach Fritz Reuter den Anführer der französischen Chasseure (Jäger oder Kavalleristen). Doch die Aufmerksamkeit der Stavenhagener galt nicht nur dem bekannten Schauspieler Gojko Mitic, der neben Gerry Wolff (Uhrmacher Droz) und Leon Niemczyk (Müller Voß) mitspielte. Es war vor allem die Tatsache, dass überhaupt in der Stadt ein Film gedreht wurde.

Die Frau erkannte ihn gar nicht mehr

Für Dietrich Krüger war das ein Ereignis. „Halb Stavenhagen war auf den Beinen“, erinnerte sich der 79-Jährige. Mindestens 200 Menschen aus der Stadt und aus dem Umland spielten als Komparsen mit. Pferde, Kutschen und Laiendarsteller waren organisiert. Im Hotel „Kutzbach“ hätten die Schauspieler übernachtet. Der Saal und das Jägerzimmer seien zu Garderoben umfunktioniert gewesen. Und so saß Krüger im Alter von 40 Jahren wie viele andere in der Garderobe. Sie wurden geschminkt und gestylt.

„Dort fand ich es am interessantesten“, sagte Wolfgang Stiebel (84). Der damals 45-Jährige hatte sich auch für eine Rolle beworben. Man zog ihm bunte Hosen und ein Wams an. Er bekam eine Perücke. Denn es sollte echt aussehen, wenn er als Schausteller die Ketten zerriss. Das tat er immer wieder. Doch als er in der Drehpause nach Hause ging, erkannte ihn seine eigene Frau, Ruth Stiebel, wegen der Perücke nicht wieder und wollte ihn gar nicht einlassen. Krüger und Stiebel erinnern sich auch noch an die Stavenhagener Fischverkäuferin, die bei den vielen Drehversuchen immer wieder die Fische aus dem eiskalten Wasser in die Kamera halten mussten. Schließlich war es noch Winter und dazu stürmisch gewesen.

Dietrich Krüger war für mehrere Rollen engagiert. „Ich war zwei Mal ein normaler Bürger.“ Einmal spielte er einen General, der sich betrunken an eine Säule des Museums lehnte. Für den halben Vormittag gab es fünf Mark. Bei den Dreharbeiten bei Demzin am Hohlweg bekam er für den ganzen Tag 42 Mark. Bei diesem Termin sei man auch mächtig durchgefroren, man habe nicht einmal etwas zu essen bekommen. Dennoch sagt er heute: „Es hat riesigen Spaß gemacht.“

Fotos von alledem gibt es fast gar nicht

Auf dem Feld waren auch die heutigen Zahnärzte Bernd Streuling und Dietmar Oesterreich dabei. „Wir haben Landser gespielt“, weiß Oesterreich. Man habe sich wie die anderen beworben. Und dann seien sie den ganzen Tag das Feld und den Hohlweg hoch- und runtermarschiert.

Fotos von alledem gibt es fast gar nicht: „Es war verboten, Fotos zu machen“, sagte Krüger. Das sei eine Anweisung von der Filmgesellschaft gewesen. Dennoch hätten ein paar Leute ein paar private Bilder geschossen. Zwei Bilder von sich fand Wolfgang Stiebel in der Fotosammlung. Aber Dietrich Krüger weiß auch noch, dass Dieter Lüdtke und die Mutter von Zahnarzt Dietmar Oesterreich Fotos gemacht haben. Die damaligen Hotelbetreiber Rita und Klaus Kutzbach fotografierten auch nicht, so dass es auch vom Garderobenalltag mit vielen Kostümen keine Bilder geben dürfte. Doch auch Rita Kutzbach erinnert sich an die Euphorie, die in der Stadt herrschte. „So etwas kannten die Filmemacher von anderswo nicht.“

Wenigstens den Film haben die meisten Komparsen gesehen. „Die Regisseurin (Dagmar Damek) hat uns ins Hotel eingeladen“, sagte Dietrich Krüger. Wolfgang Stiebel hat ihn in Waren angeschaut. Ansonsten wurde die Filmrolle nur einmal bei der Eröffnung des Filmkabinetts im Fritz-Reuter-Literaturmuseum gezeigt. Dafür habe es eine Ausnahmegenehmigung gegeben. Seitdem dürfe der Film nur im Museum aufbewahrt werden. Doch vielleicht entdecken einige Stavenhagener noch eigene Bilder von diesem Film in ihrer Fotokassette. Dann dürfen sie sich gern beim Nordkurier unter Telefon 03994 209219 oder per E-Mail an red-malchin@nordkurier.de wenden.

Es gab auch noch einen zweiten Film. 1982 drehten NDR und DEFA „Ut de Franzosentid“. Auch hier spielten Stavenhagener mit.

Der Schauspieler Gojko Mitic kommt nun wieder nach Stavenhagen. Er liest am Freitag (14. Februar) mit dem Autor Eberhard Görner ab 19 Uhr im Stavenhagener Schlosssaal aus einem Buch über den Vater des amerikanischen Luthertums.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Stavenhagen

Kommende Events in Stavenhagen

zur Homepage