Karneval

Beim närrischen Neustart in Neukalen kullern Tränen

Nach 626 Tagen Corona-Pause starteten die Neukalener Jecken am Donnerstag in die neue Saison. Sie sahen sich gleich mit einem Problem konfrontiert: Wer schafft künftig Geld heran?
Lebensfreude pur zum Karnevalsauftakt in Neukalen. Auch das Motto der 64. Saison wurde gestern bekannt gegeben: „Lasst u
Lebensfreude pur zum Karnevalsauftakt in Neukalen. Auch das Motto der 64. Saison wurde gestern bekannt gegeben: „Lasst uns fest zusammensteh’n – den Narrenweg gemeinsam geh’n“. Thomas Koch
Darüber freute sich ganz Neukalen: Die Funkengarde kehrte auf die Bühne zurück.
Darüber freute sich ganz Neukalen: Die Funkengarde kehrte auf die Bühne zurück. Thomas Koch
Ein Rasentrimmer, der durch den Wind angetrieben wird: Die Neukalener Narren machen es möglich.
Ein Rasentrimmer, der durch den Wind angetrieben wird: Die Neukalener Narren machen es möglich. Thomas Koch
Ganz ökologisch soll künftig auch die Neukalener Feuerwehr zu Einsätzen ausrücken.
Ganz ökologisch soll künftig auch die Neukalener Feuerwehr zu Einsätzen ausrücken. Thomas Koch
Neukalen

Karneval und Tränen – das sind zwei Dinge, von denen man glaubt, dass sie grundsätzlich nicht zusammenpassen. Wo die Fröhlichkeit zu Hause ist, da haben Tränen keinen Platz. Und dennoch. Wer am Donnerstag in die Gesichter der vielen Menschen auf dem Neukalener Marktplatz schaute, der konnte sehen, dass doch so mancher ziemlich nah am Wasser gebaut hat. Eine von ihnen war Christa Birr.

Seit mehr als 50 Jahren keinen Karnevalsauftakt verpasst

78 Jahre ist sie alt und gehört wohl zu den treusten Seelen des Faschingstreibens in der Peenestadt. Seit mehr als 50 Jahren hat sie keine Karnevalsveranstaltung auf dem Marktplatz verpasst. Ja, sie habe diese Fröhlichkeit vermisst in der Stadt, vermisst wie Menschen ausgelassen und voller Lebensfreude feiern, erzählte sie und musste dabei schon ein wenig mit den Tränen kämpfen. Um so glücklicher sei sie, dass der Neukalener Carneval Club (NCC) nun endlich in die Öffentlichkeit zurückkehrt und der Peenestadt ein Stück ihrer Identität zurückgibt.

Wer Neukalen kennt, der weiß: 626 Tage ohne Karneval – das ist gefühlt ein halbes Menschenleben. Und so konnte man sich denn auch nicht des Eindrucks erwehren, dass alles, was der NCC auf der Bühne zum Besten gab, mit besonders starkem Applaus bedacht und selbst die Karnevalshymne zum Finale deutlich lauter und inbrünstiger als gewohnt mitgesungen wurde.

Abgefahrene Öko-Ideen auch für die Neukalener Feuerwehr

Viel Humor – und das fiel ihm sicherlich auch nicht schwer – musste am Donnerstag der Neukalener Landtagsabgeordnete Marc Reinhardt (CDU) zum Karnevalsstart mitbringen. Der sitzt zwar wieder im Schweriner Parlament, aber für die nächsten fünf Jahre auf der doch sehr harten Bank der Opposition. Fürs Programm des NCC natürlich ein gefundenes Fressen. Denn so langsam macht sich nach Auffassung der Narren in der Stadt die Sorge breit, welche Geldquellen man denn künftig anzapfen kann, wenn der Marc nicht mehr den ungehinderten Zugang zu Förderprogrammen und Strategiefonds hat. Da werde dem Bürgermeister wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich mit einer Dame namens Baerbock möglichst gut zu arrangieren.

Ein ziemlich gutes Double der Grünen-Chefin zauberten die Karnevalisten aus dem nahe gelegenen Karnitz herbei. Schnell stellte sich aber heraus: So gut, wie mit Marc Reinhardt Bier zu trinken ist, ist mit den neuen Machthabern noch lange nicht Kirschen essen. Wenn der Geldhahn für die Peenestadt auch künftig wieder aufgedreht werden soll, dann müsse sich hier schon so etwas wie ein ökologischer Wandel vollziehen, mahnte die Karnevals-Baerbock an. Will heißen: Neukalens Feuerwehrleute dürfen nicht mehr mit dem Motorboot über die Peene schippern und müssen künftig auf Luftmatratze und Surfbrett ausweichen und benzinbetriebene Technik für den Bauhof komme schon gar nicht in Frage. Ja, harte Zeiten für die Peenestadt.

Nur die Kultkneipe blieb geschlossen

Den 300 Gästen gefiel’s, Marc Reinhardt nahm den Jecken ihre Späße nicht krumm und auch bei Christa Birr waren die Tränen der Rührung längst den Tränen der Begeisterung gewichen.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es dann aber doch noch für die Narren. Die Türen der Kultkneipe „Zur gemütlichen Ecke“ blieben verschlossen. Wenn hier schon gefeiert werde, dann sollen doch bitteschön alle dabei sein. Das sei bei 2G- und 3G-Regeln derzeit aber nicht möglich und deshalb bleibe das Kultlokal zum Karnevalsauftakt geschlossen, hieß es von den Betreibern.

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