Ein paar Tage noch, dann weiß Jonny Ortmann nicht mehr, womit er das Futter für seine Tiere vom Zirkus Orandi bezah
Ein paar Tage noch, dann weiß Jonny Ortmann nicht mehr, womit er das Futter für seine Tiere vom Zirkus Orandi bezahlen soll. Eckhard Kruse
Die Pferde fressen wie die anderen Tiere Heu.
Die Pferde fressen wie die anderen Tiere Heu. Eckhard Kruse
Vorstellungen verboten

Beim Zirkus Orandi wird das Futter knapp

Mit dem Lockdown und seinen Verboten ist ein Zirkus in Stavenhagen gestrandet. Weil die Vorführungen ausfallen, fehlt nun das Geld für das Futter.
Stavenhagen

Dass er vielleicht bis Weihnachten und Silvester oder gar noch länger am Ivenacker Tor ausharren muss, daran mag Jonny Ortmann vom Zirkus Orandi momentan nicht denken. Und doch könnte es im schlimmsten Fall so kommen. Denn mit dem Lockdown und dem Verbot von Zirkusaufführungen haben Ortmann und seine zehn Mitstreiter keine Chance mehr, weiterzureisen. Sie haben keine Einnahmen und sind damit an den Platz in Stavenhagen gefesselt. „Wir hätten zwar noch 400 oder 500 Euro“, sagte er. Die Summe würde auch reichen, um zum Winterquartier nach Klieve bei Röbel zu fahren. Doch dann gehe das ganze Geld für Kraftstoff drauf. Er könnte kein Futter mehr für die Tiere kaufen, das sind Pferde, Lamas, Schottische Hochlandrinder, Esel und Ziegen. Sie alle sind sonst neben Luftakrobaten, Seiltänzern und Clowns Teil der Zirkusshow. Doch nun stehen sie im Tierzelt und warten wie Ortmann darauf, dass wieder Gäste kommen dürfen.

Bitte um Spenden für die Pferde, Lamas, Esel, Rinder und Ziegen

Jonny Ortmann und sein Sohn Marcel hoffen auf den 15. Dezember. Dann soll im Landkreis Seenplatte noch einmal über die Maßnahmen nachgedacht werden, wie es mit den Corona-Maßnahmen weitergeht. Wenn sie dann wieder Vorstellungen in Stavenhagen durchführen und die gestrichenen Shows vom 2. bis 6. Dezember nachholen könnten, dann hätten sie auch wieder Einnahmen. Die Zirkusleute würden anschließend zu ihrem nächsten Standort in Neustrelitz ziehen, wo sie über Weihnachten und Silvester gastieren wollten. Alles würde wieder in normale Bahnen kommen.

Doch ob es so kommt, ist noch unklar. Am Montag will der Zirkusleiter erst einmal mit der Stadtverwaltung sprechen. „Ich muss fragen, ob ich noch länger stehen bleiben kann.“ Er baut sehr darauf. Denn er wüsste sonst nicht, wie er die Tiere füttern soll. Ein Heuballen reicht nur für zwei Tage für die Tiere, die sämtlichst Heu fressen. Damit sie weiter Futter haben, bittet er um Spenden. Das Konto läuft über Jonny Ortmann und hat die Nummer DE 54 1505 0100 1134 0228 12.

Monatelang keine einzige Vorstellung

Auf keinen Fall möchte Ortmann solche Zeiten zurück, wie er sie zwischen März 2020 und Juli dieses Jahres erleben musste. In der ganzen Zeit durfte der Zirkus nicht eine einzige Vorstellung geben. „Wir haben alle Leistungen nach Hartz IV bekommen“, schilderte er. Die ganze Familie sei betroffen gewesen. Die Tiere habe er nur mit Hilfe von großzügigen Spenden durchbringen können. „Ich musste schon darüber nachdenken, ob ich einige Tiere abgebe.“ Und flüsterte einem Pferd ins Ohr: „Nein, das werde ich nicht tun.“

In der Hoffnung auf Hilfe wird der Zirkus das Tierzelt für Besucher öffnen. „Jeder kann die Tiere kostenlos anschauen“, sagte Jonny Ortmann. Wenn das Zelt aufgebaut ist, das nach dem nassen Abbau in Tribsees noch getrocknet werden muss, dann könnten die Stavenhagener den Zirkusleuten auch bei den Dressur-Proben zusehen. Die würden nach wie vor stattfinden, weil die Tiere jeden Tag bewegt werden müssen.

Wenn der Zirkus zu Weihnachten doch noch in Stavenhagen stehen sollte, dann hat Jonny Ortmann eine Idee. Der Esel und das Rind könnten zusammen mit den Ziegen die Kulisse für ein weihnachtliches Krippenbild geben.

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