Helga und Werner Wentzki haben beim Bergringrennen 1976 abgedrückt und den wohl originellsten Zuschauerplatz fotografisch
Helga und Werner Wentzki haben beim Bergringrennen 1976 abgedrückt und den wohl originellsten Zuschauerplatz fotografisch festgehalten. Nadine Schuldt
Frank Schröder (l.) kennt die Bergring-Historie aus dem Effeff. Er hat sich mit Volkmar Landowski über die Rennen au
Frank Schröder (l.) kennt die Bergring-Historie aus dem Effeff. Er hat sich mit Volkmar Landowski über die Rennen ausgetauscht. Nadine Schuldt
Bergring-Urgesteine: Auch Gabriele Mäthing, Thomas Diehr und Detlev Landowski (v. r. n. l.) schwelgten beim Anblick der a
Bergring-Urgesteine: Auch Gabriele Mäthing, Thomas Diehr und Detlev Landowski (v. r. n. l.) schwelgten beim Anblick der alten Bilder gemeinsam in Erinnerungen. Nadine Schuldt
Der Vorsitzende des MC Bergring Teterow, Klaus Reinders, freut sich, dass die Ausstellung nach zwei Jahren coronabedingter Ver
Der Vorsitzende des MC Bergring Teterow, Klaus Reinders, freut sich, dass die Ausstellung nach zwei Jahren coronabedingter Verschiebung endlich eröffnet werden konnte. Nadine Schuldt
Guido Papperitz belegte mit seinem Bild mit den dreckigen Fahrerstiefeln einen von zwei zweiten Plätzen.
Guido Papperitz belegte mit seinem Bild mit den dreckigen Fahrerstiefeln einen von zwei zweiten Plätzen. Nadine Schuldt
Ausstellung

Bergring-Schnappschüsse machen Lust aufs Jubiläums-Rennen

Wer momentan das Teterower Rathaus besucht, erhält einen Einblick in die Welt des Bergrings. Eine Ausstellung zeigt besondere Fotos aus vergangenen Jahrzehnten.
Teterow

Nein, Platz genommen hatten sie nicht auf den originellen Sitzen, erzählen Helga und Werner Wentzki und schmunzeln. Gemeint ist der Mast, den sich Besucher eines Bergringrennens so umgebaut hatten, dass er vier Leuten Platz bot. Und eine tolle Aussicht über die Rennstrecke obendrein. „Ich hätte mich nicht da rauf gewagt“, sagt Helga Wentzki und lacht. Doch als sie und ihr Mann auf dem Bergringgelände beim Rennen 1976 an dem Sitz-Mast vorbei kamen, mussten sie einfach ein Foto von dem einmaligen Gestell machen.

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Nun hängt der Schnappschuss im Teterower Rathaus in der Ausstellung „Impressionen vom Bergring“. Sie zeigt im Ratssaal und im Bereich davor Fotos von Bürgern. Im Rathaus-Eingang sind Fotos aus dem Bergring-Archiv zu sehen. Eingereicht hatte das Ehepaar Wentzki sein Foto bereits Anfang 2020 bei der Teterower Tourist-Information. Deren Leiterin Jana Koch hatte damals die Bürger aufgerufen, Fotos von vergangenen Bergringrennen einzusenden.

Sitzmast-Foto gewinnt Wettbewerb

Eine Jury wählte schließlich aus einer großen Anzahl an Einsendungen 35 Impressionen aus. „Es sollte die ganze Bandbreite des Bergring-Drumherums abgebildet werden“, sagte Jana Koch. Coronabedingt musste die Ausstellung immer wieder verschoben werden. Nun kann sie endlich besucht werden. Für den Eröffnungsabend vergangenen Donnerstag hatten sich städtische Mitarbeiterinnen etwas Besonderes ausgedacht: Die Besucher sollten unter den 35 Bildern ihren Favoriten küren. Der „Sitzmast“ von Helga und Werner Wentzki schaffte es auf Platz  1. Guido Papperitz belegte mit seiner Aufnahme eines von Dreck vollgespritzten Paars Fahrerstiefel einen von zwei zweiten Plätzen. Reinhold Hellweg ergatterte mit einem Rennfahrer, der sein (eventuell stehengebliebenes) Motorrad schiebt, den anderen zweiten Platz.

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Doch auch die anderen Farb- sowie Schwarz-Weiß-Bilder ziehen den Betrachter sofort ins Bergring-Geschehen hinein: Sie zeigen unter anderem die vielen Zelte in den Heidbergen, die Menschenmassen am Rennbahn-Rand oder die langen Schlangen an den Konsum-Versorgungspunkten. „Viele Details verraten uns heute auch etwas über das frühere Aussehen von Teterow“, hob Bürgermeister Andreas Lange einen weiteren Aspekt in seiner Eröffnungsrede hervor. Er hatte dabei unter anderem Bilder vom Bahnhof oder der Malchiner Straße im Blick.

Zum Rennen gab’s in der DDR sogar Bananen und Aal

Wie es in Gesprächen am Ausstellungsabend immer wieder hieß, hätten Bürger in der Malchiner Straße gestanden und den Besuchern aus den anderen Teilen der DDR zugewunken. „Die Fahrer mussten sich damals auch im Rennbüro in der Stadt anmelden“, erzählt Hans-Joachim Rüter, der damals in der Malchiner Straße lebte. In einem Jahr sei auch mal ein australischer Fahrer da gewesen, der gar nicht die richtige Maschine für den Bergring dabei hatte, schildert er.

Einer, der den Bergring und das ganze Drumherum auch aus dem Effeff kennt, ist Frank Schröder. „An die Versorgungsstände kann ich mich noch gut erinnern, denn da gab es immer leckeres Stangeneis“, grinst er beim Blick auf die Fotos. Weil zu DDR-Zeiten immer zwischen 45.000 und 60.000 Besucher zu den Rennen kamen, seien sogar Sonderrationen von der HO und der Konsum-Genossenschaft bereitgestellt worden, ergänzt Klaus Reinders. „Es gab dann sogar Bananen und Aal“, erzählt der Vorsitzende des MC Bergring Teterow.

Dass die Besucherzahlen von einst heute nicht mehr erreicht werden können, sei klar. So manch ein Besucher der Ausstellungseröffnung – darunter auch Kult-Rennfahrer Thomas Diehr, der jeweils drei Mal den Goldenen Helm und den Bergring-Pokal gewann – bedauern den Zuschauer-Rückgang. Klaus Reinders hofft jedoch, dass mit dem Jubiläumsrennen die Begeisterung für den Bergring wieder aufleben wird.

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Der Bergring ist 1877 Meter lang und hat eine Breite von 10 bis 15 Meter. Die Bahn hat einen festen Untergrund und ihre Oberfläche besteht aus einer Grasnarbe, die für Rennen auf etwa 5 cm zurückgeschnitten wird. Der Kurs hat Anstiege mit einer Steigung von bis zu 16 % und Gefälle von bis zu 14 %.