SELBSTHILFE

Betriebe bieten Feuerwehr Altkalen Personal an

Der heiße trockene Sommer 2018 forderte Feuerwehren in ungeahnter Weise und zeigte auch ihre Grenzen auf. In einem Dorf bei Gnoien ergreifen Unternehmer jetzt die Initiative.
Eberhard Rogmann Eberhard Rogmann
Über moderne Technik verfügt die Feuerwehr Altkalen. Allerdings fehlt es an Werktagen oft an der nötigen Anzahl von Kameraden, diese im Einsatz zu bedienen. (Archivbild)
Über moderne Technik verfügt die Feuerwehr Altkalen. Allerdings fehlt es an Werktagen oft an der nötigen Anzahl von Kameraden, diese im Einsatz zu bedienen. (Archivbild) Eberhard Rogmann
Altkalen.

Es brennt und die Feuerwehr kommt nicht – der Albtraum schlechthin. Für Altkalens Bürgermeisterin Renate Awe ist das kein Fantasiegespinst, sondern persönliche Erfahrung. Sie erinnert sich noch sehr lebhaft an jenen Tag, als in der Gaststätte des Dorfes ein Feuer ausbrach und keine Feuerwehr zugegen war. „Solch eine Situation darf sich nicht wiederholen“, steht für sie außer Frage. Die Praxis allerdings sieht anders aus.

Die ansehnlichen Mitgliederzahlen der Altkalener Wehr stehen in krassem Gegensatz zur tatsächlichen Einsatzstärke in der Tagesbereitschaft. Diese erreicht oft nicht die Mindestzahl, da das Gros der Kameraden nicht am Wohnort arbeitet. Mit anderen Worten: Die Kameraden sind im Ernstfall nicht dort, wo sie gebraucht werden.

Mitarbeiter zu Hause Mitglied einer Feuerwehr

Um dieser Misere abzuhelfen, hat man im Dorf die Blickrichtung umgekehrt. Wie Gemeindewehrführer Bodo Lewandowski berichtete, standen bei ihm kürzlich die Geschäftsführer des Metallbauunternehmens Freudenfeld Altkalen sowie des Landwirtschaftsbetriebs Kleverhof an der Tür und unterbreiteten einen Vorschlag. In beiden Betrieben sind auswärtige Mitarbeiter beschäftigt, die in ihren Heimatorten der Feuerwehr angehören. Sie könnten während der Arbeitszeit in die Tagesbereitschaft der örtlichen Wehr eingegliedert werden und deren Reihen im Einsatzfall verstärken.

Frank Albrecht, Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebs und Gemeindevertreter, erinnert an den Sommer 2018. Infolge der anhaltenden Trockenheit hatte es während der Ernte wiederholt auf den Feldern gebrannt. Da sei jedem deutlich vor Augen geführt worden, wie wichtig eine Feuerwehr vor Ort ist.

Gute Erfahrungen in Malchin

Da die Bereitschaft der Kameraden zu einer Zweitmitgliedschaft vorliege, steht aktuell die Frage, wie diese praktisch realisiert werden kann. Bodo Lewandowski geht das pragmatisch an. Um die Belange der Versicherung und Eingliederung werde er sich kümmern. Von der Gemeinde sei die notwendige Ausrüstung zu stellen. Den Mindestbedarf an Ausstattung bezifferte der Wehrführer mit 800 Euro pro Kamerad. „Wir werden das abarbeiten“, versicherte Bürgermeisterin Awe. Frank Albrecht, Haushaltsexperte der Gemeindevertretung, überschlägt kurz die Finanzen und sieht da kaum Probleme. „Wir haben das Jahr 2018 mit etwa 200 000 Euro im Plus abgeschlossen. Da werden sich die 4000 Euro für die Feuerwehr bestimmt lockermachen lassen.“

Gute Erfahrungen mit Feuerwehrleuten aus anderen Wehren hat man bereits in Malchin gemacht. Kameraden aus Kittendorf, Demmin, Neukalen oder Sülten, die in Malchin arbeiten, rücken hier zu Einsätzen auch bereits mit an. Die Malchiner wollen jetzt noch mehr Feuerwehrleute von außerhalb finden, die am Tage die Einsatzbereitschaft der Malchiner Wehr stärken könnten. Ein Gutachten für den neuen Brandschutzbedarfsplan war zu der Einschätzung gekommen, dass am Tage 51 Prozent der Malchiner Feuerwehrleute nicht vor Ort seien.

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