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Bewährungsurteil stößt in Gnoien auf Unverständnis

Der Verein hofft, dass nach dem Urteil nun endlich Ruhe einkehrt.
Der Verein hofft, dass nach dem Urteil nun endlich Ruhe einkehrt.
Torsten Bengelsdorf

Die Milde der Richter löst vielfach Kopfschütteln aus. Die Befindlichkeit des Opfers bleibe auf der Strecke.

Kopfschütteln löst das Urteil im Berufungsverfahren um einen Kindesmissbrauch in Gnoien aus. Das Landgericht Rostock hatte am Montag entschieden, dass dem geständigen Gnoiener der Rest seiner Haftstrafe auf Bewährung ausgesetzt wird (der Nordkurier berichtete). "Wir müssen diese Entscheidung hinnehmen, doch verstehen können viele im Verein das nicht", sagt Ottmar Schug, Vorsitzender des Gnoiener SV. Der Täter war dort viele Jahre als Übungsleiter tätig gewesen. Verheerend sei das Zeichen, welches das Gericht mit seinem Urteil setze.

"Da vergeht sich jemand an Minderjährigen und findet vor Gericht viel Milde. Wer denkt daran, was das Opfer und seine Familie durchmachen?", begründet Schug seine Kritik. Er hoffe, dass nach dem Urteilsspruch endlich wieder Ruhe einzieht im Verein. Geschockt von dem Urteil des Landgerichtes zeigt sich auch Edwin Franz, Leiter der Grundschule in Gnoien. Es sei schon sehr seltsam, wie nachsichtig das Gericht den Täter behandele.  Sein Augenmerk sei ebenso wie das seiner Kollegen allerdings darauf gerichtet, Kinder davor zu bewahren, Opfer eines Sexualdeliktes zu werden.

An der Schule werden entsprechende Belehrungen vorgenommen. Darüber hinaus werde ein altersgerechtes Verhaltenstraining in kritischen Situationen angeboten. "Wir haben diesbezüglich Maik Torfstecher aus Malchin verpflichtet und damit gute Erfahrungen gemacht", unterstreicht der Schulleiter. Eine weitere Vorsichtsmaßnahme sei, dass das Schulhaus stets verschlossen ist und alle Personen, die hier eintreten, von einem Mitarbeiter in Empfang genommen werden.

Frau Petereit räumt ein, dass Fälle der Gefährung des Kindeswohls äußerst schwierig zu handhaben seien. Medienberichte der letzten Jahre hätten durchaus eine breite Öffentlichkeit sensibilisiert. Allerdings fehlten, insbesondere im Internet jegliche Regelungen für einen Opferschutz. Dort könne jeder anonym seine mehr oder minder qualifizierte Meinung, oft sehr diskriminierend und entwürdigend, publizieren - mit verheerenden Folgen. Dieser Aspekt ist es, der auch Bürgermeister Hans-Georg Schörner am meisten nervt. "Es gibt ein Urteil. Das mag gefallen oder nicht, es setzt den Schlusspunkt unter diesen Fall", findet das Stadtoberhaupt.