Tiere haben zu wenig Platz
Bio-Eier-Skandal befeuert Skepsis zu Hühnerfarm

Begonnen haben die Bauarbeiten für die Hühnerställe in Groß Markow. Hier sollen knapp 15 000 Hühner gehalten werden.
Begonnen haben die Bauarbeiten für die Hühnerställe in Groß Markow. Hier sollen knapp 15 000 Hühner gehalten werden.
Eberhard Rogmann

Anderthalb Jahre zögerten die Investoren mit dem Baubeginn einer Hühnerfarm in Groß Markow. Jetzt werden die neuen Ställe errichtet, die eigentlich niemand im Dorf will. 

„Bio-Eier? Von da?“ Der Mann mit der Schubkarre weist mit dem Kopf in Richtung des westlichen Dorfrandes. „Abwarten.“ Ohne ein weiteres Wort zu verlieren nimmt er seinen Weg. Deutlicher hätte er seine Skepsis kaum ausdrücken können. Sein Name? „Tut nichts zur Sache.“ Auf dem von ihm bezeichneten Gelände des vormaligen Landwirtschaftsbetriebs ist die offene Lagerhalle geräumt, etliche alte Ställe sind verschwunden. Bauarbeiter haben hier das Regiment übernommen. Sie errichten neue Ställe.   Die Erzeugergemeinschaft (EZG) Fürstenhof hat das Gelände am westlichen Dorfrand erworben und beabsichtigt hier 14600 Legehennen anzusiedeln und Bio-Eier zu produzieren.

Dorfbewohner reichte Klage ein - vergeblich

Ein Plan, der bei Einwohnern auf wenig Gegenliebe stößt. Schon als Friedrich Behrens, Geschäftsführer der EZG und Investor der Hühnerfarm, vor knapp zwei Jahren sein Projekt öffentlich vorgestellte, war ihm ein kalter Wind der Ablehnung entgegen geschlagen. Schwer hatte sich die Gemeindevertretung von Lelkendorf getan mit ihrer Stellungnahme. Wiederholt war ein Beschluss vertagt worden, bis letztlich die Kritiker obsiegten. Die Gemeinde lehnte das Bauvorhaben ab. Das hatte allerdings nur symbolische Bedeutung, denn im Herbst 20012 erteilte das kreisliche Bauordnungsamt die Baugenehmigung. Stichhaltige Versagensgründe habe es nicht gegeben, hieß es lapidar. Ein Dorfbewohner wollte sich damit nicht abfinden und reichte Klage beim Verwaltungsgericht ein. „Aufschiebende Wirkung hat die Klage aber nicht“, merkt Kay-Uwe Neumann, Pressesprecher der Kreisverwaltung, an.

9000 Tiere zu viel

Dass dennoch fast anderthalb Jahre verstrichen, ehe der Bau begann, mag nicht zuletzt daran gelegen haben, dass die Eierproduzenten ins Fadenkreuz der Behörden gerieten. Auf einer Farm in Volkershagen, ebenfalls der EZG zugehörig, wurden nämlich deutlich mehr als die genehmigten 15 000 Hühner gehalten, wie Anwohner den Behörden steckten. Eine Überprüfung ergab eine Überbelegung von etwa 9000 Tieren. Von biologischen Haltungsbedingungen, die dem Käufer der Bio-Eier zugesichert werden, könne da keine Rede sein. Kein Einzelfall, wie sich zeigte. Mittlerweile bestätigt die Staatsanwaltschaft Rostock, dass Auslaufflächen der Legehennen zu gering waren. Die Flächenmaßgabe sei zwischen 10 und 30 Prozent unterschritten worden.

Die Schlupflöcher sind zu groß

Das befeuert die Skepsis in Groß Markow zusätzlich. Zumal das Kontrollregime offenbar ziemlich große Maschen offen lässt. So steht die Frage, wer eigentlich die Zahl der Hühner auf dem Hof überprüft. Laut Kay-Uwe Neumann erfolge dies über das kreisliche Veterinäramt, das Daten der Lieferlisten auswerte. Schlupflöcher, so versicherte das Landwirtschaftsministerium, habe man mittlerweile gestopft. Beruhigt hat dies in Groß Markow niemanden.

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