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Besonderes Geschenk

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Blütenteppiche zurück im Schloss Kummerow

Die Brüder Hans-Albrecht (links) und Lothar von Maltzahn schauten sich mit Aileen Kunert vom Schloss Kummerow die zurückgekehrten Wandteppiche ihrer Familie an, die jetzt im Historienzimmer aufgehängt sind.
Die Brüder Hans-Albrecht (links) und Lothar von Maltzahn schauten sich mit Aileen Kunert vom Schloss Kummerow die zurückgekehrten Wandteppiche ihrer Familie an, die jetzt im Historienzimmer aufgehängt sind.
Kirsten Gehrke

Als die Adelsfamilie von Maltzahn nach 1945 in der russischen Besatzungszone enteignet wurde, hat sie so einiges aus den Gutshäusern gerettet.

Wie alt genau die Gobelin-Stickbilder sind, weiß Lothar von Maltzahn, der eigentliche Erbe von Schloss Kummerow, nicht. Der 79-Jährige freut sich aber, dass die Wandteppiche mit strahlend farbenfrohen Blumen drauf jetzt wieder im Schloss hängen. Sie sind nach Hause zurückgekehrt. Er nehme an, dass die Teppiche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen. In drei Räumen im Schloss sollen diese die Wände geziert haben.

Jahrzehnte haben die Stoffe dann in Kärnten in Österreich in einem der Familienschlösser eingerollt und in Plastikfolien herumgelegen – einst aus dem Schloss gerettet, als nach dem Zweiten Weltkrieg im Osten die Gutsbesitzer enteignet wurden. Eine Cousine habe diese wiederentdeckt und an Lothar von Maltzahn übergeben, als es möglich war, die Stücke wieder zurückzuholen. „Zuerst habe ich sie bei mir zu Hause auf dem Boden aufbewahrt“, sagt er. „Die meisten waren kaputt.“

Hochkant im Historienzimmer

Als Lothar von Maltzahn dann vor zwei Jahren sich den einstigen Sitz seines Onkels „Morti“, Mortimer von Maltzahn, angeschaut hatte, was daraus geworden ist, entschloss er sich, dem heutigen Schlossherrn Torsten Kunert elf der Wandteppiche zu schenken. Der ließ diese in Berlin reinigen und einrahmen. Die ersten zwei haben nun im Historienzimmer hochkant ihren Platz gefunden. Als Lothar von Maltzahn vor den gestickten Bildern steht, ist er fasziniert von den zurückgekehrten Stücken seiner Familie. Sein älterer Bruder Hans-Albrecht von Maltzahn (84) glaubt zu wissen, dass die Teppiche mit den eingestickten Blüten schon früher in demselben Zimmer gehangen haben, aber quer. Als Zehnjähriger habe er diese mal hier gesehen, aber er könne sich nicht an Details erinnern. Als Kind habe er wohl damals andere Sachen im Kopf gehabt, meint er.

Die Gemeinde überließ das Schloss einst der Post

80 Zentimeter mal drei Meter groß sind die Wandteppiche. Wie Aileen Kunert, Geschäftsführerin von Schloss Kummerow, sagt, sei man davon ausgegangen, dass einst im ehemaligen Teezimmer diese Stoffbilder untergebracht waren. Bei der Sanierung habe man dort Stofffasern gefunden. Sie freue sich über den weiteren „Schatz“, den das Haus seinen Gästen zeigen könne.

Lothar von Maltzahn lebt heute bei Rheinsberg in Brandenburg. Sein älterer Bruder wohnt im Gutshaus in Pinnow, wo beide Geschwister aufgewachsen sind. Wenn der 79-jährige damals nach der Wende das Schloss Kummerow zurückbekommen hätte, hätte er gern den herrschaftlichen Wohnsitz seiner Verwandten übernommen.

Doch die Gemeinde habe der Post das Anwesen überlassen, die das Schloss gleich weiterverkaufte. „Es hat dann mehrere Besitzer gehabt, aber keiner hat etwas gemacht“, sagt er. Als Lothar von Maltzahn im Jahr 1990 das erste Mal wieder in Kummerow war, hätten alte Öfen zertrümmert vor dem Haus gelegen. Die Post habe alle herausgerissen. „Ein Jammer.“ Das Schloss an sich sei damals in einem „brillanten Zustand“ gewesen. Doch dann war es zusehends verfallen. Um so glücklicher seien er und sein Bruder, dass ein Berliner dem Schloss wieder Leben eingehaucht habe. „Es ist einfach toll, dass sich jemand getraut hat und so viel Mittel investiert“, so Hans-Albrecht von Maltzahn.