Anklage wegen Doppelmord

Brandexperte zeigt erschütternde Bilder der Opfer

Wie konnte das Feuer in einer Güstrower Wohnung ausbrechen, das zwei Menschen das Leben kostete? Ein Gutachter widerspricht vor Gericht der Angeklagten.
Marie-Louise Hänsel Marie-Louise Hänsel
Wie es in der ausgebrannten Wohnung in der Güstrower Ringstraße aussah, das erklärte im Gericht nun ein Brandexperte.
Wie es in der ausgebrannten Wohnung in der Güstrower Ringstraße aussah, das erklärte im Gericht nun ein Brandexperte. Christian Menzel/Archiv
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Güstrow.

Das Strafverfahren gegen die gebürtige Teterowerin Silke S. (45), die sich wegen Doppelmords an den Güstrowern Roland Z. und Maik R. verantworten muss, wurde am Dienstag mit dem Gutachten des Brandsachverständigen fortgesetzt.

Er hatte bereits am 31. März dieses Jahres, also am Tattag, die ausgebrannte Wohnung in der Güstrower Ringstraße untersucht. Einen technischen Defekt als Brandursache schloss er kategorisch aus. Der Gutachter wies nach, dass brennbare Flüssigkeiten zum Einsatz gekommen waren. Im Wohnbereich hätte es zwei Brandherde gegeben, einen weiteren im Bereich des Flurs in Nähe der Eingangstür.

Die Toten lagen hinter der Couch

Im Gerichtssaal wurden Bilder von der ausgebrannten Wohnung gezeigt. Den zahlreichen Güstrowern, darunter Freunde und Bekannte der Opfer, blieb es dabei nicht erspart, sich die Fotos der Wohnstube anzusehen. Der Gutachter zeigte erschütternde Bilder der beiden Toten, die hinter der Couch lagen bzw. saßen. Sie hatten sich zuletzt dorthin verkrochen, um sich vor dem Feuer und der Hitze zu schützen.

Der Brandexperte erklärte anhand der Fotos auch die Ausmaße der mit brennbarer Flüssigkeit getränkten Flächen in der Wohnstube und im Flur. Die Frage des Vorsitzenden Richters, ob dies durch ein Überschwappen von Benzin aus einem Kanister entstanden sein könnten, wie die Angeklagte behauptet, verneinte der Sachverständige.

Hätten die Opfer sich retten können?

Diskussionen löste die Frage aus, ob es für die beiden Opfer eine Möglichkeit gegeben hätte, die Wohnung ohne Hilfe zu verlassen. Der Gutachter gab zu bedenken, dass beide Männer betrunken waren, ihr Reaktionsvermögen dadurch eingeschränkt war, ein Schock oder großer Schrecken nicht auszuschließen sei und dass das Feuer sich vom Flur aus innerhalb weniger Minuten ausbreitete. „Ich als erfahrener Feuerwehrmann hätte das vielleicht geschafft“, so der Sachverständige. Nach seiner Erkenntnis sei die Wohnungstür nicht verschlossen gewesen. Der Kanister wurde nicht gefunden.

Silke S. wird beschuldigt, am 31. März 2018 bei ihrem Besuch in der Ringstraße einen Kanister mit Benzin bei sich geführt zu haben. Sie erwartete dort ihren ehemaligen Lebensgefährten Maik R., der sich erst kurz zuvor von ihr getrennt hatte. Als es zum Streit zwischen ihnen kam, soll sie einen Teil des Benzins ausgeschüttet und angezündet haben. Die Angeklagte bestreitet die Tatvorwürfe. Maik R. hätte sie umbringen wollen, sagt sie.

Der Prozess wird am 23. Oktober mit den Vorträgen der medizinischen und psychiatrischen Sachverständigen fortgesetzt.