Ein Bus im Busbahnhof in Stavenhagen: Die finanzielle Situation der Bus-Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten dramat
Ein Bus im Busbahnhof in Stavenhagen: Die finanzielle Situation der Bus-Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert. Daran sind nicht nur höhere Treibstoffkosten schuld. Kirsten Gehrke
Spritpreise

Bus-Unternehmen brauchen Millionen-Hilfe gegen drohende Pleite

Stark gestiegene Kraftstoffpreise und 9-Euro-Ticket sorgen auch bei rebus und MVVG derzeit ernorme finanzielle Schwierigkeiten. Wie schlimm ist die Lage?
Neubrandenburg/Güstrow

Nach der Busgesellschaft MVVG, die im Seenplatte-Landkreis unterwegs ist, schlägt nun auch die Regionalbus Rostock GmbH (rebus) Alarm. Die finanzielle Situation verschlechtere sich dramatisch. Allein die Kraftstoffkosten haben sich verdoppelt, was für dieses Jahr eine Summe von 1,5 Millionen Euro ausmache, wie das Unternehmen jetzt auf eine Anfrage der AfD-Kreistagsfraktion berichtete.

Kein Geld mehr zum Ende des Jahres?

„Aktuell verfügen wir noch über ausreichend Liquidität, die aber spätestens Ende 2022 dramatisch zusammengeschmolzen sein wird“, erklärte der Prokurist des Unternehmens Marc Weinhauer. So verfüge das Unternehmen derzeit noch über sechs Millionen Euro, die aber bis Jahresende aufgebraucht sein werden. Zum einen erwarte rebus ein negatives Jahresergebnis von 4,6 Millionen Euro. Dazu kämen noch Verpflichtungen aus Investitionen.

Wenn die rebus GmbH nicht mindestens acht Millionen Euro im Geschäftsjahr 2023 von ihrem Auftraggeber bekomme, werde die Gesellschaft vermutlich Ende nächsten Jahres zahlungsunfähig sein, schätzt Weinhauer ein.

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9-Euro-Ticket noch nicht mit Schwerin abgerechnet

In den vergangenen beiden Jahren hatte die Busgesellschaft des Landkreises Rostock jeweils etwa eine Million Euro aus dem Corona-Rettungsschirm des Landes erhalten. In diesem Jahr seien aus diesem Fonds noch keine Mittel ausgezahlt worden. Die Richtlinie des Landes soll dazu erst Ende August/Anfang September vorliegen. Dann werde rebus auch sofort Mittel beantragen.

Da die Busgesellschaft derzeit noch über ausreichend Liquidität verfüge, haben die Fahrgeld-Ausfälle durch das 9-Euro-Ticket derzeit noch keine direkten Auswirkungen. Abgerechnet werden soll das 9-Euro-Ticket mit dem Land im September.

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Ohne Finanzhilfe wäre Insolvenz beantragt worden

Die stark gestiegenen Treibstoffpreise, Corona-Probleme und das 9-Euro-Ticket haben auch die Busgesellschaft MVVG in finanzielle Probleme manövriert. Wie Seenplatte-Landrat Heiko Kärger (CDU) sagte, braucht die kreiseigene Mecklenburg-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft mbH bis Jahresende rund 2,2 Millionen Euro zusätzlich. Das Land habe im Vorgriff auf die Abrechnungen aus dem Corona-Hilfsfonds und des 9-Euro-Tickets bereits 1,1 Millionen Euro bewilligt. Weitere 1,1 Millionen Euro seien in Aussicht gestellt worden, sagte Kärger.

Hintergrund sei, dass das kreiseigene Busunternehmen die Fahrpreise nicht adäquat anheben könne, sagte er. Da bisher keine Abrechnungen von Land und Bund erfolgten, seien die „liquiden Mittel“ inzwischen knapp.

200 Fahrzeuge im größten Landkreis Deutschlands

Ohne Finanzhilfe hätte die MVVG-Geschäftsführung die Insolvenz beantragen müssen. Das Busunternehmen mit rund 200 Fahrzeugen betreibt die Buslinien in dem nach Fläche größten Landkreis in Deutschland, der aber auch dünn besiedelt ist.

Dank der Zuweisungen und Aussicht auf weitere Gelder sei die MVVG derzeit zahlungsfähig, heißt es aus der Kreisverwaltung. Allerdings fordert der Kreis angesichts der hohen Dieselpreise einen geregelten Ausgleich für die Verkehrsunternehmen. Es bestehe „Handlungsbedarf“ auf Seiten von Bundes- und Landesregierung, heißt es aus dem Landratsamt: „Die finanzielle Situation der MVVG ist durch die dramatischen geopolitischen Entwicklungen seit dem Beginn des Ukrainekrieges im Februar 2022 angespannt.“ Die pflichtgemäße Bereitstellung des Nahverkehrs habe für die Verwaltung hohe Priorität. „Vor diesem Hintergrund unterstützt der Landkreis seine Verkehrsgesellschaft und wird deren kontinuierliche Aufgabenerfüllung jederzeit absichern.“

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