ARBEITSKAMPF

Ceravis-Mitarbeiter steiken für Tarifvertrag

Rund um Malchin, Stavenhagen und Güstrow wurden Dienstag und Mittwoch mehrere Standorte des Futtermittelherstellers bestreikt. Die Gewerkschaft droht dem Unternehmen einen "heißen Sommer" an.
Eckhard Kruse Eckhard Kruse
Am Dienstag streikten 45 Ceravis-Mitarbeiter in Malchin.
Am Dienstag streikten 45 Ceravis-Mitarbeiter in Malchin. Jörg Dahms
Am Mittwoch traten auch in Güstrow Mitarbeiter in den Ausstand.
Am Mittwoch traten auch in Güstrow Mitarbeiter in den Ausstand. Jörg Dahms
Malchin.

Auf die Warnstreiks bei Ceravis in Malchin und Güstrow hat Jörg Dahms, Landesvorsitzender der Gewerkschaft NGG (Nahrung, Genuss, Gaststätten) bis jetzt noch noch keine Reaktion bekommen. Dabei richteten sich die Streiks am Dienstag in Malchin, Gielow, Stavenhagen und Teterow sowie am Mittwoch in Güstrow gerade an die Geschäftsführung des Futtermittelherstellers und Saatguthändlers in Rendsburg (Schleswig-Holstein).

„Wir wollen einen Tarifvertrag für die Beschäftigten an diesen Standorten bekommen”, erläuterte Dahms. Die Mitarbeiter hätten genug von dem Durcheinander der Entlohnung. Es gebe Lohnunterschiede zwischen Güstrow und Malchin. Und auch die Löhne in Mecklenburg-Vorpommern und den Betriebsteilen in den alten Bundesländern seien nicht einheitlich. Zwischen Ost und West gebe es noch einen Unterschied von 3 bis 4 Euro im Stundenlohn. Deswegen forderten die Beschäftigten erst einmal eine Lohnerhöhung um 1,50 Euro die Stunde. Und das in einem Tarifvertrag für diese Standorte.

Angebot des Unternehmens nicht akzeptiert

Dafür waren am Dienstag 45 Mitarbeiter in Malchin vor das Werktor gegangen. Beschäftigte aus Gielow, Stavenhagen und Teterow seien dazu gekommen. „Es konnte nicht entladen und nicht produziert werden”, berichtete Dahms. Nach den zwei Stunden zählte er 22 Lkw, die auf eine Entladung warteten. Am Mittwoch hätten sich noch einmal 18 Mitarbeiter in Güstrow für einen Warnstreik versammelt.

Doch das könnte längst nicht der letzte Streik gewesen sein. Denn Ceravis hat laut Dahms schon die letzten Gesprächstermine am 3., 14. und 15. Mai verstreichen lassen. Es habe zwar am 10. Mai ein Angebot des Unternehmens gegeben, so Jörg Dahms. „Das war aber nicht zufriedenstellend.” Und einen neuen Gesprächstermin habe es nicht gegeben. So entschied man sich für die Warnstreiks.

Tarifvertrag nicht für alle Ceravis-Standorte in MV

Der NGG-Landesvorsitzende hofft jetzt, dass die Geschäftsführung den Beschäftigten und der Gewerkschaft einen neuen Termin anbietet. „Wir wollen verhandeln”, betonte er. Falls es nicht dazu kommen sollte und am Ende der Gespräche kein Tarifvertrag herauskommt, könne es einen „heißen Sommer für Ceravis“ geben. Dann werde es mehrere und längere Streiks geben. „Wir werden aber einen Tarifvertrag bekommen”, sagte Jörg Dahms.

Der werde aber nur für die bestreikten Standorte und Bergen auf Rügen gelten. Bei vielen anderen Ceravis-Standorten im Land – u.a. auch in Schwerin – sei man derzeit machtlos. Dort seien die Beschäftigten gewerkschaftlich nicht organisiert. Streiks seien dadurch nicht möglich.

Erstaunt über erneute Forderungen

Ceravis bestätigte am späten Mittwochnachmittag die Streiks in Güstrow und Malchin. „Von Teterow und Gielow ist uns jedoch nichts bekannt und der Standort Stavenhagen ist seit Längerem geschlossen“, hieß es in einer Mitteilung. Da die letzte Gehaltsanpassung nicht einmal zehn Monate zurückliege, sei man erstaunt über die erneuten Forderungen. Unterschiedliche Entlohnungen seien im Sinne der Marktwirtschaft. So gebe es auch bei Ceravis verschiedene Gehaltssysteme für die unterschiedlichen Positionen und Leistungsniveaus der Mitarbeiter. Ein Tarifvertrag stehe dem entgegen. „Auch aus diesem Grund sind Tarifverträge im Agrarhandel in unserem Geschäftsgebiet nicht üblich.“
 

zur Homepage