CORONA-BETREUUNG

Darguner Kita fühlt sich von Dreses Sozialministerium im Stich gelassen

Die Kitas bleiben zwar offen, doch Eltern sollten, wenn möglich, ihre Kinder zuhause lassen. Für die Darguner Kita „Sonnenschein” brachte dieser Schutzappell nichts - für sie herrscht quasi Regelbetrieb. Die Mitarbeiter sind verzweifelt.
Für die Kitas ist der Corona-Lockdown eine besondere Herausforderung, denn sie sollen offen bleiben.
Für die Kitas ist der Corona-Lockdown eine besondere Herausforderung, denn sie sollen offen bleiben. Monika Skolimowska
Dargun ·

Gudrun Schumacher, Leiterin der Kita „Sonnenschein” in Dargun und ihre Kollegen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Denn obwohl sich Kindertagesstätten bis zum 10. Januar aufgrund der Corona-Verordnung des Landes in einer Schutzphase befinden, fühle es sich doch eher wie Regelbetrieb an, so Schumacher.

„Bildung fängt bei uns an”

Bei der Schule werde die Präsenzpflicht ausgesetzt, eine klare Ansage, die Kitas aber sollen offen bleiben, den Betrieb aufrechterhalten. Viele Eltern könnten gar nicht mehr abwägen, ob sie ihre Kinder in die Kita bringen oder nicht. Denn die Möglichkeiten wie Urlaub seien bei den meisten wegen des ersten Lockdowns aufgebraucht. Daher habe sich bei ihnen nach dem 16. Dezember, dem Start für den zweiten Lockdown, nicht viel bei der Betreuung verändert. Die Kita-Mitarbeiter fühlten sich weiter im Regelbetrieb, nicht in einer Schutzphase.

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Wieder habe man alles erst aus den Medien erfahren, bevor ein Informationsschreiben aus dem Sozialministerium gekommen sei. Inzwischen hätten sie 27 Rundbriefe seit Frühjahr erhalten, aber was sie bräuchten, sei eine klare Handlungsstrategie. Stattdessen werde jeder auf sich allein gestellt. Das gehe anderen Kitas genauso. Die pädagogischen Fachkräfte kämen an ihre Grenzen. „Das Jahr 2020 hat uns viel abverlangt“, sagt Gudrun Schumacher. Selbst über 60-jährige ErzieherInnen hätten ihren Dienst geleistet. Ohne die hätten sie das nicht meistern können, denn Fachkräftemangel habe es schon vor Corona gegeben.

Deshalb hätten sich die Einrichtungen auch mehr Unterstützung gewünscht. Gefühlt aber interessiere sich keiner für sie, Hauptsache es laufe. Für die auferlegten Schutzmaßnahmen würde aber viel mehr Personal benötigt. In den Randzeiten zum Beispiel könne gar nicht verhindert werden, dass Kinder verschiedener Gruppen aufeinandertreffen. Die Leiterin fordert endlich eine Wertschätzung für die Arbeit der ErzieherInnen. Sie seien pädagogische Fachkräfte, keine Betreuungsmaßnahme, meint sie. „Bildung fängt bei uns an.“

Ministerium verweist auf Beschluss des Landes

In der Politik sieht man diese Nöte offensichtlich nicht. Die Einrichtungen seien umfangreich informiert worden, erklärt der Sprecher des Sozialministeriums, Alexander Kujat. Seit Beginn der Pandemie sei ein Expertengremium Kita installiert worden, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen würden mit vielen Gesprächen helfen. Bei dem jüngsten Beschluss sei ein Eltern- und Kita-Brief sowie Pressemitteilungen am 14. Dezember verschickt, gleichzeitig in sozialen Medien informiert worden, außerdem habe es Telefonschalten mit Jugendämtern, Liga MV etc. gegeben. Der Rundbrief sei am 15. Dezember mit allen Hinweisen von der neuen Verordnung bis zu Abmeldeformularen herausgegangen. „Eine verzögerte Information oder ein Nichtfunktionieren der Info-Politik kann ich da beim besten Willen nicht erkennen“, so Kujat.

Auch die Regelungen seien eindeutig. MV habe direkt nach dem Bund-Länder-Beschluss festgelegt, dass die Kitas offen bleiben. Aber die Eltern werden gebeten, wenn möglich, ihre Kinder ab dem 16. Dezember zu Hause zu betreuen. Die letztendliche Entscheidung würden die Eltern treffen.

Andere Rückmeldungen

Für die Kitas sei klar: „Die Strukturen bleiben genauso, wie in den letzten Monaten.“ Das heiße, die Gruppen bleiben bestehen, werden aber kleiner, da weniger Kinder kommen. Die ErzieherInnen betreuen diese wie bisher. Anders als in Dargun hätten sie generell eine andere Rückmeldung. „Danach gibt es in den meisten Kita-Gruppen einen beträchtlichen Rückgang“, betont Kujat. „Oft hören wir, dass ungefähr die Hälfte der Kinder abgemeldet wurden.“

Bei den Schulen gelte das gleiche Verfahren, die Eltern entscheiden. Da es eine Schulpflicht gebe, müsse hierfür die Präsenzpflicht aufgehoben werden. „Es gibt aber keine Kita-Pflicht.“ Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) habe zudem immer wieder hervorgehoben, wie sie die Arbeit der Kita-Fachkräfte schätzt. „Gerade in der Corona-Zeit ist ganz besonders deutlich geworden, wie wichtig die Arbeit der Kita-Beschäftigten für die ihnen anvertrauten Kinder deren Eltern und darüber hinaus für unsere gesamte Gesellschaft ist“, so Kujat.

Der Teaser wurde um 12.50 Uhr präzisiert.

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Kommentare (2)

Die haben das schon ganz richtig verstanden.

Mit einem Apell an die Eltern, wo es möglich ist Kinder daheim zu lassen - @NK bitte mal die Quelle zur Notbetreuung