Die britischen Journalistinnen Anne McElvoy (links) und Caroline Bayley (rechts) besuchten Anfang Dezember gemeinsam mit Tilo Jung Malchin. Hier sitzen sie in der örtlichen Lokalredaktion des Nordkurier.
Die britischen Journalistinnen Anne McElvoy (links) und Caroline Bayley (rechts) besuchten Anfang Dezember gemeinsam mit Tilo Jung Malchin. Hier sitzen sie in der örtlichen Lokalredaktion des Nordkurier. Eckhard Kruse
BBC-Reportage

Das Ende der Merkel-Story

Eine Britische Journalistin reiste nach Mecklenburg und wollte wissen, was junge Deutsche von der Zeit nach Bundeskanzlerin Angela Merkel erwarten.
Malchin

Wie geht es mit Deutschland weiter, wenn Angela Merkel (CDU) nicht mehr Bundeskanzlerin ist? Nach zwölf Jahren Kanzlerschaft und nach einem komplizierten Ergebnis bei der Bundestagswahl steht diese Frage mehr denn je im Raum. Für die „BBC” begab sich die britische Journalistin Anne McElvoy auf die Suche nach einem „Germany Without Merkel” – einem Deutschland ohne Merkel – und reiste dafür nach Mecklenburg. Am Dienstag wurde die Reportage erstmals ausgestrahlt und ist nun hier als Podcast zu hören.

McElvoy wollte vor allem mit jungen Deutschen sprechen, die um 1989 geboren und in einem wiedervereinigten Land aufgewachsen sind. Dafür tat sie sich mit dem Berliner Politikjournalisten Tilo Jung zusammen, der für seine Videoreihe „Jung & Naiv” bekannt ist. Jung ist 32 Jahre alt, in Malchin aufgewachsen und weiß vom Mauerfall nur noch, dass er damals irgendwo in Berlin auf den Schultern seines Vaters saß. In Malchin, sagt er, habe sich während seiner Kindheit viel verändert. Der Westen sei gekommen, doch irgendwann um das Jahr 2000 herum habe diese Veränderung aufgehört. Nach dem Abitur im Jahr 2005 verließ er die Stadt und seit dem seien im Grunde nur ein paar mehr Läden geschlossen worden.

„Die Menschen hatten damals große Hoffnungen, dass nun alles besser wird”, sagt auch Torsten Bengelsdorf, Chefreporter der Malchiner Lokalredaktion des Nordkurier, der in der Reportage zu Wort kommt. Doch die Wende brachte zunächst auch viel Arbeitslosigkeit. „Natürlich will niemand die Mauer zurück”, sagt Jung. Doch die teils sehr niedrigen Löhne im Osten, die ungleiche Verteilung vom Reichtum im Land, das Gefälle zwischen den Städten und ländlichen Regionen seien wichtige Themen für junge Deutsche. Antworten bliebe die Politik oft schuldig.

Deutschland hat keinen Corbryn, Mélanchon oder Sanders

Für die Reportage besucht Tilo Jung wieder seine alte Schule und spricht mit Schülern, die bald alt genug zum Wählen sind. Was sie von Merkel halten? „Sie ist sicherlich nicht die schlechteste Kanzlerin”, sagt eine Schülerin vorsichtig. Die meisten bezeichnen sich als unpolitisch. „In Deutschland gibt es keinen Jeremy Corbyn, keinen Jean-Luc Mélenchon, keinen Bernie Sanders”, sagt Jung. Politiker, die es in Großbritannien, Frankreich oder den USA schaffen, junge Menschen wieder für Politik zu begeistern. Auch Philipp Amthor (25), neu gewählter CDU-Bundestagsabgeordneter aus der Region, kann in der Reportage seine Begeisterung für Merkel gekonnt zurückhalten. Klar sei sie wichtig für seine Entscheidung zum CDU-Beitritt gewesen, doch die Themen seinen noch wichtiger gewesen.

Anne McElvoy beschäftigt sich schon lange mit der deutschen Politik, hat auch einige Jahre in Berlin gelebt. „Ich will das Ende der Merkel-Story sehen”, sagt sie am Schluss ihrer Reportage. Und wenn sie das nächste mal nach Deutschland kommt, denkt sie, wird Merkel vielleicht gar nicht mehr Kanzlerin sein.

Hier kann man die BBC-Reportage nachhören. So berichtete der Nordkurier, als die Reporterin Anfang Dezember in Malchin war.

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